„… jene von Liebe und Sehnsucht Verbrannte, jene in Nähe und Glühen Bekannte, jene in Vereinigung Verschwundene“ (Annemarie Schimmel: Gärten der Erkenntnis, S. 18), so beschreibt der iranische Poet Attar von Nishapur die Mystikerin und Dichterin Rabia, die im 8. Jahrhundert lebte und wirkte. Viele Legenden ranken sich um Rabia, eine der bedeutendsten Sufi-Heiligen aus Persien. Ihr Leben umfasste extreme Armut, Versklavung, Pilgerschaft, Askese sowie die immerwährend brennende, alles verzehrende Liebe zu Gott. Wer war diese Wegbereiterin, von der es heißt, dass sie die den Sufismus prägende Metapher von Gott als Geliebtem eingeführt hat?
Einmal zur Frühlingszeit ging sie in ihr Haus und senkte den Kopf. Ihre Dienerin sprach: „O Herrin, komm heraus und betrachte die Schöpfung!“ Rabia sagte: „Komm du lieber herein, damit du den Schöpfer siehst – die Betrachtung des Schöpfers hat mich von der Anschauung des Geschaffenen abgelenkt.“
Annemarie Schimmel: Gärten der Erkenntnis, S. 20
Kindheit
(c) Wikimedia Commons, public domainEs herrschte tiefschwarze Nacht, als Rabia gegen Anfang des 8. Jahrhunderts in eine sehr arme Familie geboren wurde. So arm, dass sich weder ein Tropfen Öl noch Windeln im Haus befanden. Man nannte sie Rabia, „die Vierte“, da vor ihr schon drei Schwestern zur Welt gekommen waren. Die erschöpfte Mutter bat ihren M