Eine Reise durch die heilige Woche Siziliens, die von traditionellen Osterprozessionen geprägt ist.
„Mystik ist nicht das Entfliehen aus der Welt, sondern das Eintauchen in ihre heiligste Tiefe." Karl Rahner
Es ist Ostern 2025, und ich befinde mich in Sizilien, in einer kleinen Küstenstadt namens Augusta. Mein Cousin Santo und seine Frau Rosanna haben mich eingeladen, die hiesigen Osterprozessionen mitzuerleben. Hier lebt ein großer Teil meiner Verwandtschaft – viele habe ich bisher noch nie getroffen.
Vor etwa zwanzig Jahren war ich schon einmal auf einer Pilgerreise, um die Osterprozessionen in entlegenen Bergdörfern zu erleben. Eine davon ist mir besonders im Gedächtnis geblieben – dort verkleideten sich Männer als rote Teufel und veranstalteten eine wilde Jagd durch die engen Gassen. Solche Rituale finden vor allem in Orten wie Prizzi im Westen Siziliens statt, wo der Ballo dei Diavoli den uralten Kampf zwischen Gut und Böse, Himmel und Hölle nachstellt. Lärmend und ausgelassen treiben die Teufel ihr Unwesen, bis schließlich die Jungfrau und der auferstandene Christus erscheinen und das Chaos besänftigen – ein archaisches Schauspiel vom Sieg des Lichts über die Dunkelheit. Auch in Trapani habe ich damals eine eindrucksvolle Prozession erlebt, bei der ein Jesus durch die Straßen gepeitscht und ans Kreuz gebunden wurde. Diese Erinnerungen b