Ist alles, was uns passiert reiner Zufall? Oder gibt es doch eine größere, umfassende Führung, die unserem Leben unterliegt? Eine persönliche Geschichte möchte Mut machen, mehr in das Mysterium des Unsichtbaren zu vertrauen.
Mehr Vertrauen – eine persönliche Geschichte
Vor ein paar Monaten besuchte ich einen Ashram in Italien. Ich hatte dort einige Tage verbracht und wollte den letzten Tag nach Assisi fahren, um mir diese wunderschöne und zutiefst kraftvolle Stadt anzusehen. Der Ashram liegt oberhalb von Assisi und es gibt nur einen Bus, der morgens in die Stadt fährt. Es ist der Schulbus und er bringt die Kinder zur Schule.
An diesem Morgen nahm ich nicht am Yoga des Ashrams teil, sondern praktizierte für mich alleine in einem kleinen Yogaraum, der in einem Nebengebäude untergebracht ist. Als ich fertig war, und aus dem Raum ging, stand plötzlich eine Frau vor mir und meinte, dass sie sich um mich kümmern wolle. Ich war ziemlich überwältigt und gleichzeitig freute ich mich über diese Aussage. Dann meinte sie: „Obwohl ich heute eigentlich meinen freien Tag hätte, stehe ich dir gerne zur Seite. Die geistige Welt hat mich beauftragt.“
Dieser Satz berührte mich einerseits sehr tief im Herzen, andererseits war ich sehr perplex über ihre Aussage. Aber wie schön, dachte ich mir dann, dass die geistige Welt mich auch an so einem abgelegenen Ort im Auge behielt.
Mit einem Lächeln schaute diese Frau mich dann an und meinte, dass es eigentlich ihr freier Tag sei, den sie sich immer sehr hart erkämpfen müsse. Aber da die geistige Welt so ausdrücklich gesagt hätte, dass sie sich um mich kümmern solle, würde sie diesem Wunsch folge. Schließlich folge sie immer dem Wunsch Gottes.
So kam es, dass wir gemeinsam nach Assisi fuhren. Dort zeigte sie mir die Kraftorte der Stadt, die mich alle gleichermaßen tief berührten. Wir meditierten gemeinsam und tauchten so auf eine wunderbare, heilsame Weise in ein Feld der göttlichen Führung ein.
Im Laufe des Tages sprachen wir über Gott und die Welt. Da sie seit vielen Jahren in einer spirituellen Gemeinschaft lebe und eine tiefe spirituelle Praxis habe, konnte sie mir auch einige persönliche Fragen beantworten, die mich auf meinem eigenen Weg zu mehr Ruhe und Frieden unterstützen würden.
Als wir auseinandergingen, fühlte ich mich vom Leben sehr reich beschenkt. Es waren nicht nur die Orte, an denen wir meditiert hatten, und der Austausch mit dieser Frau, die mich so genährt hatten. Es war dieses Gefühl, dass wir geführt sind. Und dass uns genau die Menschen geschickt werden, die wir brauchen, um unseren spirituellen Weg weiter zu gehen.
Sind Begegnungen wirklich Zufall?
Es sind aber nicht nur Engel, die uns zur Seite gestellt werden. Manchmal sind es auch kleine oder große Dämonen, die in einem Engelsgewandt erscheinen. Auch sie werden uns vom Himmel geschickt. Auch durch sie lernen wir Lektionen. Diese Lektionen können mitunter aber sehr schmerzhaft sein. Vielleicht übergeht ein solcher Mensch unsere Grenzen, verletzt uns oder gibt uns eine Lektion mit auf den Weg, die wir – so glauben wir – so nicht gebraucht hätten.
Nicht selten bringen solche Menschen uns aus unserer Mitte, verwirren uns oder geben uns das Gefühl, dass wir wertlos sind. Eine solche Begegnung kann uns in eine tiefe Krise stürzen. Sie kann uns aber auch zum Phoenix werden lassen, der aus der Asche aufersteht, nachdem er sich von den Blessuren erholt hat.
Auch solche Begegnungen sind gefügt und geführt. Sie alle, ob Engel oder Dämonen haben nur eines zum Ziel: Sie möchten, dass wir lernen, an uns selbst zu glauben. Sie möchten uns bestärken. Sie möchten, dass wir in unserer Mitte bleiben – komme, was wolle.
Leichter gesagt, als getan. Aber eine jede Begegnung kann uns dazu inspirieren, uns immer wieder zu fragen, was wir tun können, um mehr Selbstvertrauen und mehr Selbstliebe zu entwickeln.
Wenn wir also eine jede Begegnung als ein Geschenk des Himmels sehen, dann werden wir uns aus alten Opferrollen befreien. Dann können wir erkennen, dass alles und jeder eine Lernaufgabe für uns bereithält.
Was für ein Geschenk. Was für eine Schule, dieses Leben!
Übung: Beziehungen als Wachstumschance erkennen
Nimm dir ein Blatt Papier und schreibe drei Menschen auf, die dein Herz geöffnet und dir Liebe geschenkt haben. Notiere dir 10 Eigenschaften, die du an diesen Menschen besonders geliebt hast. Was genau hast du von jedem einzelnen dieser Menschen gelernt? Hast du dich bei diesen Menschen schon einmal dafür bedankt, dass sie dein Leben bereichert haben? Wann hast du ihnen das erste oder möglicherweise das letzte Mal gesagt, dass sie dein Herz geöffnet haben? Vielleicht ist heute eine gute Gelegenheit, dich bei diesen Menschen zu bedanken. Und vielleicht kannst du auch die Fügung des Himmels erkennen, die hinter dieser Begegnung steht…
Nimm dir dann ein Blatt Papier und schreibe drei weitere Menschen auf. Dieses Mal sind es Menschen, die dich verletzt haben und möglicherweise dafür gesorgt haben, dass du dein Herz verschlossen hast. Wenn du auf die Begegnungen mit diesen Menschen zurückblickst und du dich nicht länger als Opfer einer Situation betrachtest, sondern dir bewusst machst, dass du durch diese Menschen viel über dich selbst und das Leben lernen konntest, dann schreibe auf, was genau du verstanden hast. Was genau war die Lektion, die du durch diese Begegnungen gelernt hast? Wofür bist du ihnen im Nachhinein dankbar? Wenn du ihnen heute noch nicht dankbar bist, ist es dir möglich, dass du ihnen dafür vergibst, was sie dir angetan haben?
Mache diese Übung ruhig mehrere Male. Möglicherweise werden ganz unterschiedliche Menschen vor deinem inneren Auge auftauchen. Vergiss dabei niemals, dass sie dir alle geschickt wurden, um dein inneres Wachstum zu unterstützen.