Tierwohl in der Massentierhaltung? Das geplante staatliche Siegel suggeriert, dass diese Frage mit Ja beantwortet werden kann. Die Realität sieht jedoch anders aus.
Massentierhaltung als lebensverachtendes, Tiere auf eine Ware reduzierendes, sie um jeden (ethischen) Preis den Kriterien der Gewinnmaximierung unterwerfendes Handeln des Menschen, das jegliches Mitgefühl schmerzlich vermissen lässt, war bereits Thema dieser Kolumne. Während damals die grausamen Umstände, unter denen Tiere in Massenbetrieben ihr Leben fristen und in den Tod gehen, nur skizziert werden konnten, sollen diesmal Missstände speziell in der Fleischindustrie etwas genauer beleuchtet werden. Einige aktuelle Fälle schwerster Tierquälerei in deutschen Schweinemastbetrieben wurden bereits in der letzten Ausgabe (YOGA AKTUELL Heft 126) im Rahmen einer Sondermeldung geschildert. Besonders zynisch erscheint an diesen erschütternden Fällen von Misshandlung, die kürzlich durch Undercover-Recherchen aufgedeckt wurden, dass sie teilweise in Betrieben stattfanden, die das QS-Siegel nutzen oder sich als Empfänger der vom Land Niedersachsen ausgelobten Ringelschwanzprämie zu den besonders tierfreundlichen Mastbetreiben zählen. Letzteres zeigt erneut in aller Deutlichkeit, wie wenig der Staat hinschaut, wenn es um Tierschutz in der Massentierhaltung geht. Daran wird wohl auch das neue Tierwohlkennzeichen nichts ändern, das seit über einem Jahr beim Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) in der Schublade liegt und eigentlich bereits seit Mitte 2