In Mexiko verschwimmen während des „Día de Muertos“ die Grenzen zwischen dem Reich der Lebenden und der Toten, und die Gevatterin Tod wird wie eine Heilige verehrt. Iris Disse begab sich auf Spurensuche und tauchte in ein berührendes Miteinander von dies- und jenseitigen Seelen ein.
Die Mexikaner sind anders,“ denke ich, als ich gegen Mittag ins Hotel Isabel la Católica im historischen Zentrum von Mexiko Stadt komme, die alte schwere Holztür öffne und mir ein fröhliches Skelett aus Pappmaché entgegenspringt. Ich checke ein. Beim Öffnen der Toilettentür geht ein Sargdeckel auf, und ein anderes Skelett setzt sich freundlich grinsend auf.
Ich bin hier, weil ich etwas über den Umgang mit dem Tod lernen will. Memento mortis, gedenke des Todes, hieß es im Mittelalter, und aus dieser Zeit gibt es auch in unserer Kultur Bilder von tanzenden Skeletten und Totenschädeln. Aber die Stimmung ist meist düster – nicht zu vergleichen mit den koketten Skeletten, die mir hier überall begegnen.
Meine Schwester starb und war einfach weg, das ist bis heute für mich nicht fassbar. Hier bleibt man in Kontakt, die Welten sind nicht getrennt. Die Toten kommen einmal im Jahr zu Besuch und essen sich satt. Und die Heilige Frau Tod wird angebetet wie die Jungfrau Maria. D