In dieser YOGA AKTUELL-Ausgabe erschienen:

Das Feuer des Herzens ist ein wichtiger Fokus in deiner Lehre. Wenn jemand den Drang verspürt, sein spirituelles Herz zu entwickeln, wie kann er anfangen? Wie können wir den Funken des Herzfeuers entzünden?
Es faszinierte mich, dass das Herz – wie ich teilweise durch meinen anthropologischen Hintergrund, aber auch durch mein Unterrichten überall auf der Welt feststellte – in allen spirituellen Traditionen, wie auch im Yoga, immer wieder als dieses unglaubliche innere Feuer beschrieben wird. Das innere Feuer der Liebe, das Licht des Bewusstseins und das, was viele für eine bloße spirituelle Metapher halten, ist in Wahrheit auch das neue Verständnis unseres energetischen Herzens, unseres organischen Herzens, das über unseren Körpers hinausstrahlt. Das elektromagnetische Feld des Herzens ist, wie ihr vielleicht wisst, fünftausendmal stärker als andere elektromagnetische Felder, die von Aspekten unserer Verkörperung ausgehen. Das liegt an den Schrittmacherzellen: Die elektrische Ladung, die diese Herzzellen erzeugen, ist im gesamten Körper einzigartig. Ich finde es sehr interessant, dass schon die alten Weisheitstraditionen das energetische Herz verstanden haben.
Wichtig ist, dass genügend Sinneswahrnehmungen und Empfindungen da sind. Manchmal ist es nicht leicht, ein Feuer zu entfachen. Manchmal braucht man dabei mehr Geschick oder man wird abgelenkt, und dann erlischt es wieder.

Kann man das Feuer des Herzens je ganz verlieren? Kann es durch einen Lebensstil erstickt werden, der von der Natur und von der Spiritualität entfremdet ist?
Ich denke, uns als Erwachsenen kann es – auch wenn wir als liebende Wesen geboren wurden – leicht passieren, dass unser Herz sich loslöst und sich verschließt. Man gerät schnell in einen sehr vom Intellekt geprägten Lebensstil – so erging es mir durch die akademische Ausbildung und auf gewisse Weise sogar durch meine yogischen Studien. Doch dann bemerkte ich, dass ich quasi die Kraft der Liebe in mir verloren hatte. Und obwohl ich mich eigentlich als liebevolle Person wahrnahm, stellte ich fest, dass die wahrhaftige innere Verbindung – trotz des Praktizierens tiefer Rückbeugen – flackerte wie ein gewöhnliches Feuer. Ich würde euch deshalb gern eine Meditation nennen, die euch immer und überall anwendbare Anker gibt. Man muss dabei nicht einmal unbedingt eine äußere Mudra haben – wie etwa die Daumen zusammenzubringen und die Hände auf dem Herzen ruhen zu lassen. Diese Mudra wirkt jedoch sofort zentrierend – insbesondere, wenn du die Augen schließt und von den Rückseiten der Augen ins Herz hineinschaust. Nun nimmst du vielleicht wahr, dass deine Herzgegend eine Sinneswahrnehmung erzeugt – fast wie ein stiller Funke – oder du spürst buchstäblich die Hitze, die von dir ausgeht und in dir entspringt.

Das sind zwei ganz einfache Schlüssel: Wann immer wir uns abgetrennt fühlen, können wir unser Herz berühren. Dies tun wir auch manchmal, wenn wir mit Freunden sprechen. Und dann können wir den inneren Blick spüren, den wir – wie Feuerhüter – den ganzen Tag lang aufrechterhalten können. Wenn unsere Aufmerksamkeit sich nach außen richtet, dann verlieren wir gewissermaßen den Kontakt zu unserem Herzen.

Eine dritte Sache – die in der Wissenschaft des Herzens sehr interessant ist – besteht darin, sich wahrhaft positiv mit unseren Emotionen zu verbinden, mit dem, was wir fühlen. Das wird die Kraft des Bhava oder des fühlenden Minds genannt. Und die simpelsten Gefühle, die uns zurück ins Herz führen, sind Dankbarkeit und Mitgefühl. Ganz egal also, was draußen passiert – auf diese einfachen Anker können wir zurückgreifen.
Wir finden den inneren Blick, öffnen die inneren Ohren und lauschen… Wir können auch den Frontallappen des Gehirns zum Herz neigen. Wir verlangsamen die Atmung. Wir nehmen wahr, wie wir die Qualität von Mitgefühl für uns selbst evozieren. Wenn man in einer schwierigen Situation ist, hilft Mitgefühl, mit dem Herzen zu sehen und vom Herzen ausgehend zu fühlen.
Wir nehmen wahr, dass unser Herz und unser Gehirn nicht voneinander losgelöst sind.
Wenn wir dann langsam unsere Augen öffnen, ist eine weitere einfache Praxis, dass wir eine Hand auf die Kopfkrone legen und die andere aufs Herz. Und wenn wir nach innen schauen, ist dies die Harmonisierung der Herzrhythmen mit den Gehirnrhythmen. Das wiederum ist der Zustand der Meditation, der auch als Kohärenz beschrieben wird – das Zusammenbringen verschiedener Rhythmen. Und wenn du dann langsam die Hände zurück zum Herzen ziehst, kannst du dich dem öffnen, was immer du in dem Augenblick erfährst – ob es ein Gespräch ist, ob du kochst, schreibst oder vielleicht gerade etwas tust, das außerhalb deiner Komfortzone liegt. Und wir haben diesen Anker in unserem Herzen.

Infos

www.shivarea.com

Anzeige

Zum Weiterlesen:
Shiva Rea: Das Feuer des Herzens hüten: Mit Yoga den Pulsschlag des Lebens spüren, Theseus Verlag, 2016

Vielen Dank an Claudia Müller-Ostenried von www.YOGAdelight.de für die hingebungsvolle und perfekte Organisation des Retreats, lieben Dank auch an Christine May für ihre Unterstützung (www.christinemay.de). Herzlichen Dank an die Gemeinschaft Schloss Blumenthal (www.schloss-blumenthal.de) für die Unterbringung im wunderschönen Hotel Schloss Blumenthal, einem liebevoll gepflegten und belebten Ort zum Auftanken und Wohlfühlen!

Anzeige