Die indische Filmindustrie feiert ihr 100-jähriges Bestehen – und lebt nicht nur von dem, was auf der Leinwand stattfindet.
Der typische Bollywood-Film ist wie eine Schokosahnetorte – von allem zu viel, aber trotzdem unwiderstehlich. Liebe, Tragik, Komik und Action sind die Zutaten der meist verwickelten und ultralangen Storys. Mehr Musical als Film, leben die cineastischen Leckereien vor allem von stilübergreifenden Tanzeinlagen, mitsing-kompatiblen Pop-Songs und Kostümschneidern, die sich hemmungslos dem Farbrausch hingeben. „Kitschig“ schimpft der abgeklärte Westler, aber das ist den rund 3,6 Millarden Zuschauern im Jahr herzlich egal.
In Indien hat das Kino einen ganz besonderen Stellenwert. Die ganze (Groß)-Familie strömt regelmäßig in die Lichtspielhäuser, und von wegen „Pssst – bitte still sein!“ Während in den westlichen Breitengraden die Besucher äußerlich möglichst teilnahmslos das Geschehen verfolgen und Tränen nur verschämt fließen dürfen, bildet der Bollywood-Film eine Einheit mit dem Publikum. Der Film ist ein Ereignis, das nicht nur auf der Leinwand stattfindet. Die Emotionen haben auch im Zuschauerraum ihren großen Auftritt. Begeistertes Klatschen, wenn der Filmstar erscheint, Buhrufe für den Bösewicht und lauthalses Schluchzen bei ergreifenden Szenen sind – vollkommen normal. Kino wird nicht konsumiert, sondern gelebt. Der Film endet auch nicht mit der letzten Szene, sondern darf zu Hause mit eigenem D