Wie wunderbar dein Leben ist, hängt von deiner Sichtweise ab. Schaust du auf das, was fehlt, wird das Leben zu einem Jammertal. Blickst du hingegen auf alles, was dir das Leben schenkt, fühlst du dich reich und beschenkt. Ein erfülltes Leben zu führen ist möglich – ganz unabhängig davon, wie viel auf deinem Konto ist. Gerade in der heutigen Zeit, in der so viel im Wandel ist und wir uns in sehr düsteren Zeiten befinden, ist es wichtig, immer wieder den Blick auf das Positive zu richten.
Vom Geist zum Glück: Die Rolle der positiven Ausrichtung
Der Yoga lehrt uns, dass wahrer Reichtum nur in uns selbst entstehen kann. Die sogenannte Positive Psychologie bestätigt diesen Ansatz. Während Yoga den Fokus auf den Geist legt, richtet die Positive Psychologie den Schwerpunkt auf das Gehirn. In meinen Augen ist die Verbindung von Geist und Gehirn der Schlüssel zum Glück.
Wenn wir unseren Geist als ein Werkzeug erkennen, das unsere Wahrnehmung, unsere Gefühle und unser Verhalten maßgeblich beeinflusst, und lernen, ihn entsprechend zu nutzen, steht dem Glück nichts mehr im Wege.
Das bedeutet, dass wir lernen, unsere Aufmerksamkeit bewusst zu lenken. Normalerweise lenkt der Geist unsere Ausrichtung und richtet den Fokus dabei meistens auf das, was fehlt. Übernehmen wir hingegen das Ruder, dann besteht eine der kraftvollsten Möglichkeiten, unser Wohlbefinden zu steigern, darin, bewusst den Blick auf positive Dinge und konstruktive Lösungen zu lenken.
Das Zusammenspiel von Geist und Gehirn
Neuropsychologen wie Rick Hanson oder Richard Davidson haben sich ausführlich damit beschäftigt, was passiert, wenn wir uns auf positive Aspekte konzentrieren. Sei es auf schöne Erinnerungen, heilsame Beziehungen, kleine und große Erfolge, tägliche Dankbarkeit oder Hoffnung – all dies aktiviert bestimmte Bereiche im Gehirn, die für Glück, Motivation und Wohlbefinden verantwortlich sind. Besonders im Vordergrund steht dabei die sogenannte Belohnungs- und Glücksregion im Gehirn, die aus Strukturen wie dem Nucleus accumbens, dem präfrontalen Cortex und dem Hippocampus besteht.
Wenn wir uns auf das Positive ausrichten und entsprechende positive Gedanken und Gefühle haben, produziert das Gehirn Dopamin, das sogenannte „Glückshormon“, das für ein Gefühl von Freude, Motivation und Zufriedenheit sorgt. Das Gehirn verstärkt die positiven Erfahrungen und motiviert dich dazu, diese positiven Gedanken und Gefühle zu wiederholen. (Übrigens wird dieses Hormon auch ausgeschüttet, wenn wir eine Nachricht auf unserem Smartphone erhalten, was leider zu Suchtverhalten führen kann).
Wenn es uns jedoch gelingt, uns vom Smartphone abzuwenden und uns wieder anderen positiven Dingen, Situationen und Menschen zuzuwenden, werden bestimmte neuronale Bahnen im Gehirn aktiviert und ein neuronales Netzwerk gestärkt. Dies wird als Neuroplastizität bezeichnet. Bekannt wurde der Satz des Wissenschaftlers Donald Hebb: „Neurons that fire together, wire together.“
Neuroplastizität für mehr Wohlbefinden
Diese Aussage beschreibt die Fähigkeit des Gehirns, sich durch neue Erfahrungen und Gedanken neu zu verdrahten. Wer regelmäßig positive Gedanken pflegt, sorgt dafür, dass die entsprechenden neuronalen Verbindungen robuster und leichter zugänglich werden.
Diese Stärkung führt gleichzeitig dazu, dass dein Körper weniger Cortisol produziert, das Stresshormon. Weniger Cortisol bedeutet weniger Stress, was wiederum positive Auswirkungen auf dein Immunsystem, deine Herzgesundheit und dein allgemeines Wohlbefinden hat. Auch wenn die Gelehrten des Yoga dies vor Jahrhunderten oder Jahrtausenden nicht neurologisch erforscht haben, wussten sie doch, wie sehr die Stressreduktion den Geist stärkt und den präfrontalen Cortex aktiviert. Dieser Bereich ist für das rationale Denken, die Planung und die Emotionsregulation zuständig. Wenn du dich auf das Positive konzentrierst, wird dieser Teil deines Gehirns stärker aktiviert, was dir hilft, optimistischer zu denken und besser mit Herausforderungen umzugehen.
Warum es sich lohnt, den Blick auf das Schöne zu richten:
Wer den Blick auf das Schöne richtet, wird folgendermaßen davon profitieren:
- Bessere Stimmung und mehr Resilienz: Das Gehirn gewöhnt sich daran, positive Gedanken leichter abzurufen. Das macht dich widerstandsfähiger gegenüber Stress und negativen Einflüssen.
- Verbesserte emotionale Gesundheit: Studien zeigen, dass Menschen, die regelmäßig Dankbarkeit praktizieren oder sich auf positive Aspekte konzentrieren, weniger Anzeichen von Depressionen und Angstzuständen zeigen.
- Mehr Motivation und Zielstrebigkeit: Das Aktivieren des Belohnungssystems fördert die Motivation, neue Ziele zu verfolgen und Herausforderungen mit Optimismus anzugehen. Es wird dich auch dazu inspirieren, deine Yogapraxis regelmäßig auszuführen. Das wiederum führt dazu, dass du den Blick auf das Positive richtest und dich mehr auf die Dinge im Leben ausrichtest, die dich nähren und stärken.
- Gesündere zwischenmenschliche Beziehungen: Positives Denken fördert Empathie, Dankbarkeit und Verständnis, was zu harmonischeren Beziehungen führt. Du wirst dich schneller aus toxischen Beziehungen lösen oder bereits im Vorfeld erkennen, welche Menschen dir nicht guttun. Im Umkehrschluss wirst du solche Menschen aufsuchen, die positive Gefühle in dir auslösen und dein ganzes Wohlergehen fördern.
Mit regelmäßiger Praxis zu mehr Glück und innerer Ruhe
„Von nichts kommt nichts“, heißt es so schön. Um Schönheit und Glück in dein Leben zu integrieren, braucht es eine regelmäßige Praxis. Denn nur so können neue neuronale Verbindungen im Gehirn entstehen. Und nur so gelingt es dir, deinen Geist immer wieder auszurichten und auf das Positive zu schauen.
Folgende Tipps werden dich dabei unterstützen, mehr Schönheit, Glück und inneren Frieden in dein Leben zu integrieren.
- Schaffe regelmäßig eine angenehme und ungestörte Atmosphäre, um deine Praxis zu etablieren. Finde einen ruhigen, gemütlichen Ort, an dem du ungestört bist. Zünde eine Kerze an, um dich auf diese Weise mit dem Licht, dem Hellen und dem Guten zu verbinden.
- Nutze ein schönes Notizbuch oder Journal und schreibe auf, was dich nährt, stärkt und glücklich macht. Auf diese Weise materialisierst du das Schöne sozusagen.
- Sei ehrlich und wahrhaftig zu dir. Wahrhaftigkeit ist eine zentrale Tugend im Yoga. Sie kann dich auch dabei unterstützen, den Weg zu mehr Schönheit und Positivem in deinem Leben zu ebnen. Auch wenn dir nicht jeden Tag zehn Dinge einfallen, die du schön und positiv findest, ist es doch wichtig, dass du dir Zeit nimmst und ein Bewusstsein für das Gute in deinem Leben schaffst.
- Integriere eine kurze Entspannungsphase oder, noch besser, mach die folgenden Übungen nach deiner abendlichen Yogapraxis. Eine solche Sadhana unterstützt dich dabei, dich noch mehr zu entspannen und den Moment bewusst zu genießen.
- Verzichte auf negative Nachrichten. Leider dienen die meisten Nachrichten nicht mehr dazu, Menschen zu informieren, sondern Angst und Unsicherheit zu verbreiten – also das genaue Gegenteil von dem, was ich dir hier vermitteln möchte. Deshalb ein ganz persönlicher Tipp: Reduziere den Konsum von Nachrichten auf ein Minimum und verzichte darauf, Nachrichten zu konsumieren, nachdem du die folgenden Übungen gemacht hast.
Dankbarkeitsliste am AbendNimm dir jeden Abend Zeit und schreibe zehn Dinge auf, die dich an diesem Tag erfreut haben. Das können kleine Momente sein, wie ein nettes Gespräch, ein schönes Essen oder ein Sonnenstrahl. Wichtig ist, dass du dich bewusst auf positive Erlebnisse konzentrierst. Wenn möglich, versuche, das positive Gefühl, das du in diesen Momenten empfunden hast, noch einmal ganz bewusst in jeder Zelle deines Körpers zu spüren. Menschen-Glücksmoment-NotizAm Ende des Tages notiere in einem kleinen Journal oder auf einem Zettel die Namen der Menschen, die dich heute glücklich gemacht haben. Vielleicht war es jemand, der dir ein Lächeln geschenkt hat, oder jemand, mit dem du ein schönes Gespräch geführt hast. Diese Übung stärkt deine Wertschätzung für deine Mitmenschen. Du kannst diese Übung auch noch ausdehnen, indem du auf einer Seite in deinem Journal die Menschen aufschreibst, die dich glücklich machen (oder gemacht haben), und auf der anderen Seite listest du diejenigen auf, die dich stressen, ärgern oder verletzen (oder geärgert und verletzt haben). Und besser noch: Verabschiede dich von den Menschen, die dir nicht gut tun, und intensiviere jene Beziehungen, die dich stärken. |
Zum Weiterlesen:
Doris Iding: 7 Minuten Glück. Atempausen für jeden Tag. Kosmos Verlag. 2024.
Rick Hanson: Das Gehirn eines Buddha. Die angewandte Neurowissenschaft von Glück, Liebe und Weisheit. Arbor Verlag. 2010.