Unterscheidet sich die alte Geheimlehre des Tantra vom »Neo-Tantra« unserer Zeit? Führt der westliche Ansatz, Orgasmus mit Spiritualität zu verbinden, zu mehr als nur gutem Sex? Oder ist diese »transzendentale Mixtur« einfach nur zum Scheitern verurteilt?
Tantra ist ein weit gefächerter Begriff, mit dem westliche Schüler indischer Spiritualität eine besondere Art von Lehren innerhalb des Hinduismus und Buddhismus bezeichnen. Was diese Lehre tatsächlich beinhaltet, kann nicht so ohne weiteres zusammengefasst werden, denn Tantra umfasst ein sehr breites Spektrum von Glaubensanschauungen und Praktiken.
Grundsätzlich kann man jedoch sagen, dass die meisten Schulen des Tantra die folgenden Merkmale beinhalten:
- Einweihung und eine spirituelle Jüngerschaft bei einem qualifizierten Meister;
- Der Glaube, dass Geist und Materie Manifestationen einer höheren, spirituellen Wirklichkeit sind, welche unsere allgegenwärtige, wahre Natur ist;
- Die Auffassung, dass sich die spirituelle Wirklichkeit (Nirvana) nicht von der weltlichen Existenz (Samsara) unterscheidet, sondern ihr innewohnt;
- Der Glaube an die Möglichkeit, noch im verkörperten Zustand dauerhafte Erleuchtung oder Befreiung erlangen zu können;
- Das Ziel, durch Erwecken der spirituellen Kraft, der sogenannten Kundalini-Shakti, welche im menschlichen Geist-Körper schlummert, Befreiung oder Erleuchtung zu erreichen.
- Der Glaube, dass wir viele Male geboren werden und dass dieser Zyklus erst im Augenblick der Erleuchtung unterbrochen wird. Die Kette der Wiedergeburten wird dabei durch die moralische Qualität u