In dieser YOGA AKTUELL-Ausgabe erschienen:

Warum Übersäuerung gesundheitsgefährdend ist, wie sie entsteht und wie man ihr entgegenwirkt

Gemäß den Disziplinen Yoga und Ayurveda ist das so genannte Ama die Hauptursache von Krankheiten und gesundheitlichen Störungen. Übersetzt wird „ama“ meist mit Schlacke, Unreinheit oder Toxin, wobei man im Ayurveda und im Yoga zwischen körperlichem (stofflichem), emotionalem und geistigem Ama unterscheidet, weil sie unterschiedliche Ursachen haben. Vereinfacht kann man aber sagen, dass alles, was der Körper nicht gebrauchen kann, um perfekt und störungsfrei zu funktionieren, als körperliches Ama bezeichnet wird. Alles, was nicht hilfreich ist, um glücklich zu sein, wird emotionales Ama genannt, und alles, was den Geist behindert, die Wahrheit zu erkennen, fällt unter geistiges Ama. In der Regel hat Ama immer gleichzeitig eine stoffliche wie auch eine geistig-emotionale Komponente. Aufgrund dieser elementaren Bedeutung für unsere körperliche und geistige Gesundheit stellt die Ausleitung von Ama die Kerntherapie sowohl im Ayurveda als auch in der Yogatherapie dar.

Übersäuerung und ihre Folgen

Eine besonders aggressive Schlacke ist Säure. Es bilden sich verschiedene Säuren im Körper, die u.a. mit der aufgenommenen Nahrung in Verbindung stehen. So fördern zum Beispiel Kohlenhydrate bei der Verstoffwechselung die Bildung von Schwefelsäure und Phosphorsäure. Fette begünstigen die Bildung von Fettsäuren, Eiweiße die Bildung von Schwefelsäure. Wenn das Verdauungssystem überlastet ist, kann es nicht vollständig verstoffwechseln, und es entstehen die oben beschriebenen Säureschlacken. Im Ayurveda und im Yoga spricht man von Agni, dem so genannten Verdauungsfeuer. Ist Agni stark, wird optimal verdaut. Ist Agni hingegen schwach, geschieht die Verstoffwechselung nur unvollständig. Zu unterscheiden ist zwischen organischen und anorganischen Stoffen. Organische Schlacken sind Essigsäure, Milchsäure, Cholesterin, Kohlensäure, Ammonium, Harnsäure und Fettsäure. Außer diesen organischen Schlacken gibt es noch anorganische Nebenprodukte: Schwefelsäure, Salzsäure sowie Phosphorsäure, die besonders viel Aufmerksamkeit benötigt. So gut wie jeder modern lebende Mensch ist übersäuert, wobei man hier von der Übersäuerung der Gewebe spricht. Die Übersäuerung ist an fast allen Krankheiten beteiligt, entweder indem sie die­se verur­sacht oder verstärkt oder deren Ausheilung behindert.

Was ist Übersäuerung?

Mit Übersäuerung bezeichnet man ein gestörtes Säuren-Basen-Verhältnis. Idealerweise hat das Blut einen ph-Wert von knapp 7,4 und liegt dabei im leicht basischen Bereich. Eine geringe Verschiebung in Richtung sauer führt bereits zum Tod (Azidose). Deshalb bemüht sich der Körper unter allen Umständen, überschüssige Säuren zu neutralisieren. Um Säuren zu neutralisieren, braucht der Körper Basen, wie sie in vielen pflanzlichen Nahrungsmitteln vorkommen (Gemüse). Reichen die Basen aus der Nahrung nicht aus, greift der Organismus auf körpereigene Ressourcen zu (z.B. auf Calcium in den Knochen oder Magnesium in der Muskulatur). Dabei wird der Körper langfristig entmineralisiert. Weitere Säuren, die der Körper auch damit nicht neutralisieren kann, landen in „Sondermüll-Deponien“ im Bindegewebe. Man spricht deshalb auch von einer Gewebeübersäuerung.

In der Fachliteratur finden sich hierzu zahlreiche Beispiele, die verdeutlichen, wie aggressiv die Übersäuerung sich auf den Körper auswirkt. So werden folgende Krankheiten mit erhöhten Säurewerten in Verbindung gebracht: Allergien, Arteriosklerose, Arthritis, Asthma, Hoher Blutdruck, Burn-out, Cholesterinablagerungen, Darmprobleme, Diabetes, Gallensteine, Gelenkprobleme, Gicht, Haarausfall, Hauterkrankungen, Herzinfarkt, Karies, Osteoperose, Körpergeruch, Krebs, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Neuralgien, Reizbarkeit, Rheuma, Schlafstörungen, Sodbrennen, vorzeitiges Altern, Cellulitis etc. Diese ist nur eine kleine Auswahl. Inwiefern diese Störungen jedoch unmittelbar durch Übersäuerung hervorgerufen werden oder „nur“ verschlimmert oder begünstigt werden, lässt sich in den meis­ten Fällen nicht eindeutig klären.

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Wie kommt es zu Übersäuerung?

Schauen wir uns die Entstehung von Übersäuerung und die Möglichkeiten der Entsäuerung genauer an. Hervorgerufen wird Übersäuerung durch ungünstige Ernährung. Vor allem tierisches Eiweiß, Alkohol, Kaffee, weißer Zucker, unsteter Lebenswandel und damit verbundene unregelmäßige Mahlzeiten schwächen Agni, was wiederum die Entstehung von Säuren begünstigt. Aber auch permanenter Stress für zur Übersäuerung, u.a. durch die damit verbundenen chemischen Prozesse, die im Körper ablaufen. Technische Einflüsse, wie Elektrosmog und Strahlenbelastung, zählen ebenfalls zu den Ursachen der Übersäuerung. In der Ernährung sind es neben den schon genannten Lebensmitteln besonders solche, die aus toten Tieren produziert wurden, d.h. Wurst, Fleisch, Pasteten etc. sind stark säurebildend. Darüber hinaus führen sämtliche tierischen Eiweiße sowie alle isolierten und denaturierten Produkte, wie zum Beispiel raffinierter weißer Zucker oder Weißmehl, zur Ablagerung von Säure im Körper. Gleiches gilt für chemische Substanzen, wie Konservierungsmittel oder Geschmacksverstärker in der Nahrung, sowie – wenn auch deutlich weniger – für die meisten Getreidesorten, auch wenn die Wissenschaftler sich hier nicht einig sind. Hirse und Braunhirse scheinen z.B. neutral zu sein oder zumindest wenig Säure zu bilden. Strahlenbelastungen (Handy, Schnurlostelefone, W-LAN, Mikrowellen etc.) sind ferner ebenfalls säurebildend.

Basisch (und damit Säure verringernd) sind die meisten Gemüsesorten, zum Beispiel Kürbis und Brokkoli, vor allem aber auch Wurzelgemüse wie z.B. Karotten, Pastinaken, Petersilienwurzel und Sellerie und die meisten sonnengereiften Früchte, wie zum Beispiel süßliche Äpfel, Papaya sowie insbesondere Trockenfrüchte wie Datteln, Feigen und Rosinen. Dazu später noch.

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