Eine frohe Botschaft zur Weihnachtszeit: Fett ist offenbar viel besser als sein Ruf

Alle wollen schlank sein. Und gesund. Und schön. Und überhaupt … Neben allerlei körperlichen Betätigungen wie Yoga, Pilates, Jogging und was der Zeitgeist sonst noch so auf der Agenda hat, scheint die einfachste und billigste Methode dafür der Verzicht auf Fett zu sein, denn das böse Fett – so die landläufige Überzeugung – liefert schließlich mehr als doppelt so viel Kalorien wie Kohlenhydrate oder Proteine. Die Folge ist in den Supermarktregalen zu begutachten: Zu fast jedem Produkt hat sich eine Light-Version mit der Botschaft „Du darfst!“ gesellt. Dabei ist die „Fett-macht-fett“-Regel nicht viel mehr als ein Glaube, wie ein genauer Blick in die wissenschaftlichen Studien zeigt.

Studien lassen Fett in neuem Licht erscheinen
Evidenzbasierte Medizin heißt so ein Betrachtungsansatz, bei dem man weniger auf theoretisch fundierte Lehrmeinungen hört, sondern sich mehr an den Zahlen und Fakten orientiert. Doch wer tut das schon? Zum Beispiel Dr. Nicolai Worm. Der in Bayern lebende Ernährungswissenschaftler und Buchautor analysierte die Daten fast aller vorliegenden Langzeitstudien zum Thema. Zwei der bedeutsamsten sind die Health Professionals und die Nurses’ Health Study, die über 20 Jahre lang bei mehr als 100.000 Teilnehmern untersuchten, wie sich die Einhaltung der offiziellen Ernährungsempfehlungen auf ihre Gesundheit auswirkt. Ergebnis: kaum bis gar nicht! Im Gegenteil; als bei den Krankenschwestern in Boston der gewöhnliche Fettanteil in der Nahrung gesenkt und durch Kohlenhydrate mit relativ hoher Blutzuckerwirksamkeit ersetzt wurde, schossen sogleich deren Risikowerte für einen Herzinfarkt in die Höhe. Damit war also zumindest schon einmal die Frage beantwortet, ob man seinen Kaffee lieber mit Zucker oder mit Sahne trinken sollte …

Zu einem ähnlichen Ergebnis kam die Harvard School of Public Health Study, in der übergewichtige Testpersonen 12 Wochen lang eine Diät machen mussten. Während die Gruppe mit der kalorienreduzierten, kohlenhydratreichen, aber fettarmen Diät im Durchschnitt 6,8 kg abnahm, schaffte die sich kohlenhydratarme, aber mit 65 Prozent Nahrungsanteil (!!!) extrem fettreich ernährende Gruppe 9,2 kg. Die dritte Probandengruppe, die zu einer fettreichen Diät noch 300 kcal drauflegen durfte und damit vermeintlich stark hätte zunehmen müssen, kam dennoch auf ein Minus von 8 kg!

Um stark Übergewichtige ging es in einer kleineren Studie am Philadelphia Veterans Affair Medical Center, wo 132 Freiwillige beobachtet wurden, die im Schnitt etwa 130 Kilo auf die Waage brachten. Die Hälfte musste auf 500 Kalorien am Tag verzichten und die Fettkalorien auf 30 Prozent des Gesamtanteils reduzieren. Die anderen 66 Probanden erhielten die Auflage, weitgehend auf Reis, Brot, Nudeln und Kartoffeln zu verzichten und dafür Fisch, Fleisch, Eier, stärkefreies Gemüse und Obst zu essen. Ihr Resultat nach sechs Monaten: 6 kg weniger, während die Fett- und Kaloriensparer gerade mal 2 kg auf ihrem Konto verbuchen konnten. Zudem verbesserten sich bei den Kohlenhydratreduzierern die Cholesterin- und Blutzuckerwerte deutlich.

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