Die Lotosblüte zählt zu den wichtigsten spirituellen Symbolen in östlichen Traditionen wie dem Yoga und dem Buddhismus. Wer um ihre umfassende Wirkung weiß, kann in ihr eine hilfreiche Unterstützung auf dem Weg zum Erwachen finden.
Lotosblüten und der Yoga
Als Yogapraktizierende kommen wir früher oder später mit den Lotosblüten in Kontakt. Egal ob als Wanddeko im Yogastudio oder als Symbol der verschiedenen Chakras auf einem T-Shirt abgebildet: Yoga ohne Lotosblüte ist wie ein Nachthimmel ohne Sterne. Das hat damit zu tun, dass die verschiedenen Chakras durch Lotosblüten dargestellt werden.
Die Chakras und die Lotosblüten
Das Wurzelchakra beginnt mit vier zarten Blättern. Mit jedem Chakra nimmt die Zahl der Blätter bis zum obersten Chakra zu, welches mit 1000 Blättern in seiner vollen Blüte erstrahlt. Jedes einzelne Chakra möchte uns dazu inspirieren, in unsere Kraft zu kommen, damit sich jedes Energiezentrum vollständig entfalten kann. Jedes Chakra steht für einen bestimmten Bereich und wenn sich alle Blüten der einzelnen Chakras öffnen und erstrahlen, dann erkennen wir die Zusammenhänge der verschiedenen Lebensbereiche und allen Seins. Wir entwickeln tiefes Urvertrauen und erhalten mit jeder geöffneten Lotosblüte mehr Gewissheit und Vertrauen, dass wir so, wie wir sind, vollkommen sind. Solange wir die verschiedenen Themen, die mit den einzelnen Chakras zusammenhängen, noch nicht vollständig gelöst haben, kann auch der 1000-blättrige Lotos des Kronenchakras nicht erblühen. Alles hängt mit allem zusammen. Auch die verschiedenen Chakras.
Chakras und ihre Lotosblätter
Das Wurzel-Chakra
Das Wurzel-Chakra besteht aus einem vierblättrigen Lotosblatt, einem nach unten gerichtetem Dreieck und einem Quadrat. Jedes Element steht für die vier Aspekte des menschlichen Geistes. Es geht darum, Existenzangst, Misstrauen, Trägheit und Unsicherheit zu überwinden, damit die Lotosblüte erstrahlen kann.
Das Sakral-Chakra
Das Sakral-Chakra besteht aus einem sechsblättrigen Lotosblatt, aus einer Mondsichel und mehreren Kreisen. Die sechs Blütenblätter stehen für die sechs negativen Aspekte des menschlichen Seins. Diese sind zwanghafte Sexualität, Aggression, Wut, Traurigkeit, Süchte und Schuldgefühle. Die Kreise und die Mondsichel stehen für die Zyklen von Leben, Tod und Wiedergeburt.
Das Solarplexus-Chakra
Das Solarplexus-Chakra zeichnet sich durch eine zehnblättrige Lotosblüte aus. Sie stehen für die zehn negativen Charaktereigenschaften, die überwindet werden müssen: Dazu zählen unter anderem Unzufriedenheit, Kontrollzwang, Neid, Gier, Egoismus, Habsucht. Das Dreieck symbolisiert das Feuer, das agni tattva der Kundalini-Energie, das für die innere Stärke steht und kraftvoll brennen möchte.
Das Herz-Chakra
Das Herz-Chakra besteht aus zwölf Blütenblättern, die die zwölf göttlichen Qualitäten symbolisieren, die mit dem Herzen verbunden sind. Diese sind bedingungslose Liebe, Weisheit, Geduld, Wahrheit, Vertrauen, Dankbarkeit, Freude, Frieden, Mitgefühl für alle Wesen, Hingabe, Mut und Freiheit. Bei diesem Chakra überschneiden sich auch noch zwei Dreiecke und bilden ein Yantra, welches die Balance zwischen Yin und Yang darstellt und das Gleichgewicht zwischen den abwärts und aufwärts gerichteten Kräften symbolisiert.
Das Kehlkopf-Chakra
Das Kehlkopf-Chakra hat insgesamt 16 Lotosblätter und umgibt ein umgekehrtes Dreieck, das sich im Kreis befindet. Es steht für die Reinigung von Körper, Seele und Geist und für spirituelles Wachstum.
Das Dritte Auge
Das Dritte Auge zeichnet sich durch einen Kreis aus, der sich zwischen zwei Lotosblättern befindet. Diese beiden Blätter stehen für die Weisheit. Sie betonen die zentrale Rolle dieses Chakras für unsere Bewusstwerdung.
Das Kronen-Chakra
Das Kronen-Chakra ist mit seinen tausend Lotosblättern die Krönung der Lotosblüte. Die Blätter sind von einem umgedrehten Dreieck umgeben, welches den Aufstieg der göttlichen Energie in das Chakra symbolisiert und die spirituelle Befreiung bedeutet.
Die Lotosblüte als Sinnbild für Vollkommenheit
Die Darstellung der Lotosblätter, die ihre Krönung in den tausend Blättern findet, wird auch in anderen Traditionen als ein Sinnbild für Vollkommenheit betrachtet. Der Lotos hat seine Wurzeln in den trüben, morastigen und dunklen Tiefen des Sees und muss sich seinen Weg durch die Dunkelheit kämpfen, um ans Licht zu kommen. Erst an der Wasseroberfläche kann sich die Blüte am Morgen in seiner vollen Pracht entfalten. Dieser Kelch gleicht häufig wie ein Lichtstrahl in der Dunkelheit, dass den Menschen am Morgen mit seiner geöffneten Blüte erfreut. Die Lotosblüte ist auch ein gängiges Symbol für den Prozess des Sterbens und der Wiedergeburt. Nachts schließt sich die Blüte wieder und geht unter Wasser. Bei Sonnenaufgang steigt sie wieder empor an die Wasseroberfläche.
Durch das Prinzip des Öffnens und Schließens möchte die Lotosblüte uns daran erinnern, dass jeder Tag einzigartig ist; jeder Moment ein ganz besonderer Moment ist und wir gut daran tun, ihn in dieser Einzigartigkeit zu erkennen und zu genießen. Jeder Tag birgt somit die Chance, der beste Tag unseres Lebens zu sein. Die Chakras als unsere Energiezentren möchten uns durch die Symbolik auch ganz bewusst dazu aufrufen, jeden einzelnen Bereich unseres Lebens achtsam, offen und präsent zu erfahren, um durch die Verbindung aller Chakras in ein ganz neues Bewusstsein der Verbundenheit zu erwachen.
Makellos bleiben
Auch im Buddhismus wird dem Lotos eine wichtige, symbolische Bedeutung gegeben. Hier steht er auch als ein Symbol für Reinheit, geistige Erneuerung und die Fähigkeit, frei zu bleiben von jeglichen Anhaftungen.
Diese Fähigkeit wird auch dem menschlichen Geist bzw. unserer uns innewohnenden Quelle zugesprochen, der sogenannten Buddha-Natur, die vollkommen frei bleibt und weder an Gier noch an Hass oder Unwissenheit anhaftet. Damit gemeint ist auch, dass wir, egal wie schmerzhaft die Erfahrung ist, wir uns von ihr befreien können. Wir können unseren Geist durch die Praxis der Meditation reinigen und klären. So wie der Lotos durch den Schmutz gelangen muss, so erlangt auch der Mensch erst durch schwierige Erfahrungen geistige Reife und Reinheit.
Auf zahlreichen Abbildungen wird der Buddha sitzend auf einer Lotosblume dargestellt. Sie soll symbolisieren, dass es dem als Prinz geborenem Gautama möglich war, sich aus den schwierigen Umständen des Lebens zu befreien und seinen Geist so sehr zu läutern, dass er Erleuchtung erlangte.
Die Lotosblüte wird auch im Buddhismus in verschiedenen Stadien dargestellt. Die geschlossene Blüte weist zum Beispiel auf das menschliche Potenzial hin, dass ihm innewohnt. Aber solange er nicht bewusst praktiziert, bleibt die Blüte geschlossen. Die offene Blüte, die meist dargestellt wird, wenn jemand im Lotossitz in einer offenen Lotosblüte sitzt, symbolisiert, dass der Meditierende vollkommene innere Freiheit erlangt hat.
Im Buddhismus ist der Lotos auch sehr häufig auf Bildnissen zu finden und stellt eine der acht Kostbarkeiten dar, die Gläubige und Tempel schützen sollen. Zu finden ist der Lotos auch in dem bekannten tibetischen Mantra: „Om Mani Padme Hum“, was übersetzt bedeutet: „Gegrüßt seiest du, Juwel des Lotos.“
Mach die Lotosblüte zu deiner täglichen Begleiterin. Stell dir vor, wie sie dir den Weg durch den Schlamm zum Licht zeigt und dich darin unterstützt, jeden Tag immer wieder neu aufzublühen.
Zum Weiterlesen:
Kalashatra Govinda: Das Geheimnis der 7 Lotosblüten. Geschichten über das spirituelle Erwachen – Mit Meditationen zur Aktivierung der Chakras. Irisiana Verlag 2021