Der Mythos vom aufgerichteten Becken und der flachen Lendenlordose: Erkenntnisse zu einem der gängigsten Alignment-Hinweise im Yoga
„Richte das Becken auf!", „Heb das Schambein!" oder „Lass das Steißbein sinken!" – diese Ansagen gehören zu den häufigsten Alignment-Hinweisen im Yoga.
Gemeint ist meist eine posteriore Beckenkippung: Das Schambein hebt sich, das Steißbein sinkt, die Lendenlordose wird flacher. Die Gegenrichtung ist die anteriore Beckenkippung: Das Becken kippt nach vorne, die Sitzbeinhöcker bewegen sich nach hinten und oben, die natürliche Lendenkurve nimmt zu. In vielen modernen Alignment-Systemen gilt die Beckenaufrichtung als besonders sinnvoll. Sie wirkt kontrolliert, reduziert die Lordose und bringt viele Menschen scheinbar näher an eine neutrale Beckenstellung. Doch genau hier liegt der Denkfehler.
80 Prozent haben ein gekipptes Becken – ohne Beschwerden
In einer Studie an 120 gesunden, asymptomatischen Personen hatten 85 Prozent der Männer und 75 Prozent der Frauen eine anteriore Beckenkippung. Im Durchschnitt lag diese bei etwa 6 bis 7 Grad .
Eine nach vorne organisierte Beckenstellung ist also häufig Teil normaler menschlicher Haltung. Sie ist nicht automatisch ein Zeichen von Verkürzung, Schwäche oder Fehlhaltung. Für die Yogapraxis bedeutet das: Gute Ausrichtung sieht nicht bei allen Menschen gleich aus. Sie bedeutet nicht, dass jedes Becken neutral stehen oder jede Lendenlordose reduziert werden muss. Vielleicht s