Von der Atembeobachtung zur gezielten Erkundung und Weitung der Atemräume .
Im ersten Beitrag dieser Serie sprachen wir vom Hinschauen und Beobachten: Bevor wir beginnen, den Atem gezielt zu lenken, wie das im Pranayama geschieht, ist es wichtig, ihn zunächst in seinem natürlichen oder normalen Zustand zu erleben. Das Wort „normal“ trifft es besser als der Begriff „natürlich“, weil im Alltag nicht alle Menschen einen natürlich-gesunden, sanft-fließenden Atem haben. Dysfunktionale Muster wie zum Beispiel ein unrhythmischer oder chronisch verstärkter Atem sind ein häufig anzutreffendes Phänomen und für viele Menschen ihr Normalzustand. Das spürende und beobachtende In-Kontakt-Gehen mit der eigenen Atmung, wie es im Praxisteil des letzten Beitrags vorgestellt wurde, ist wichtig, um den eigenen Atem, wie er sich im Moment zeigt, erlebend zu begreifen, bevor man mit intensiveren Pranayama-Übungen beginnt. Der Atem sollte uns zum guten Freund werden. Eine Atembeobachtungspraxis von zweimal 20 Minuten am Tag über mehrere Wochen hinweg ist eine gute Vorbereitung dafür.
Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck, Brustschmerzen, Asthma, COPD, Migräne, Nierenerkrankungen, Glaukom, Ängsten oder Depressionen würde man ein klassisches Pranayama, dessen zentrales Merkmal willentlich verlängerte Atemanhalte oder Kumbhakas sind, nicht empfehlen, bevor sie zu einer gesunden Atmung im Alltag gefunden haben, mit welcher in der Regel auch eine deutliche Verbesserung ihrer B