Alles ist in Bewegung: unser Körper, unser Geist und auch unsere Umwelt. Als Lebewesen werden wir von unserer Umwelt beeinflusst und beeinflussen auch diese. Beides geschieht bewusst wie unbewusst. Verschiedene Stimmungen durchlaufen wir manchmal mehrmals am Tag, hin und wieder hält eine Stimmung auch mehrere Tage an. Ich spreche hier von den Gunas, Stimmungen bzw. Energien.
Die Gunas stellen Energien, Qualitäten und Attribute des Lebens dar. Bei diesen Energien handelt es sich nicht um eine mystische Philosophie. Vielmehr stellen diese einen Weg zur Selbstreflektion dar, dich zu verstehen und helfen dir so, deine physische, wie mentale Balance zu halten. Dieses Verständnis, verhilft dir zu einem bewussten und gesunden Leben. Die Gunas wirken auf dem psychologischen Level, also im Geist. Durch die Meditation sind wir imstande, unseren Geist zu beobachten, Gedanken wahrzunehmen und entsprechend zu handeln.
Die drei Gunas im Überblick:
Sattva könnte man kurz und knapp mit „sein“ beschreiben und ist sozusagen das Guna, das ganz oben in der „Guna-Hierarchie“ steht. Sattva zieht seine Energie aus der Ruhe und Zufriedenheit, die dir innewohnt. Im Sattva bist du vollkommen im Hier und Jetzt, im Reinen und Eins mit dir. Sattva lehrt uns, dass Glück und Glücklichsein von innen kommt. Sattva steht für (spirituelles) Wachstum, Klarheit, Balance und die Entfaltung der eigenen Potenziale. Im Sattva bist du in Balance und imstande, dein volles Potenzial auszuschöpfen.
Rajas ist das „Tun“. Es steht für Expansion, Bewegung. Für das Leben ist Rajas natürlich unerlässlich, denn deine Ziele und deine Motivation haben hier ihren Ursprung. Ist Rajas in einem sattvischen Zustand fühlen wir uns leidenschaftlich und voller Liebe. Alles geht spielerisch von der Hand. Doch ohne Sattva schafft Rajas zwar auch Ausdehnung und Umtriebigkeit, aber dies eben bis zur Erschöpfung und zum Burn-Out. Man ist getrieben.
Tamas steht für „haben“, „sammeln“, „anhäufen“. Im Tamas möchtest du etwas behalten, du bist in Ruhe und Erholung. Tamas sehr wichtig, denn in diesem Zustand lädst du deine Batterien wieder auf, sammelst Kraft. Ein gesundes Tamas balanciert das Überaktive von Rajas aus. Allerdings hat Tamas auch eine negative Seite, denn die Ruhe kann sich in Trägheit und Antriebslosigkeit ausdrücken. Bei zu viel Tamas verfällst du in Lethargie und Faulheit, du bist wenig bewusst und reagierst eher negativ. Im Gegensatz zu Rajas will Tamas nicht nur mehr, sondern will alles horten und behalten.
In unserer westlichen Gesellschaft steht leider die Produktivität, das Haben – bis hin zum Horten – im Vordergrund. Wir sind eher so erzogen, ständig in Rajas zu leben. Nicht so in der östlichen Philosophie, in der die Lehre der Gunas eine wichtige Rolle spielt. Die Gunas stehen für Gleichgewicht und Gegenwärtigkeit. Sattva ist das höchste Ziel. Sattva im Sine von, auch in Rajas und Tamas einen sattvischen Zustand zu leben. Ein gesundes Rajas, ein gesundes Tamas, das uns sensibilisiert, stärkt, kräftigt und den Raum schafft, wieder in Balance zu kommen und zu wirken.
Der Kreislauf der Gunas
Sattva, Rajas und Tamas wirken auf drei Ebenen: mental, physisch und emotional. Daher können die drei Gunas alle gleichzeitig wirken. Dein Geist bewegt sich im Sattva, dein Körper in Rajas und deine Gefühle bewegen sich in Tamas.
Es ist sehr wichtig, dass ein Gleichgewicht zwischen den Gunas besteht, in dem Bestreben, dass Sattva vorherrscht. Denn nur so kannst du ein glückliches und physisch wie mental gesundes Leben führen. Überwiegt z.B. für einen langen Zeitraum Rajas, kann dies zu totaler Erschöpfung und Burnout führen. Es ist also unerlässlich, dass du ein Bewusstsein für die drei Gunas und welches momentan in deinem Körper und Geist dominiert, zu entwickeln.
Doch nicht nur mittels der Meditation kannst du die Gunas beeinflussen. Auch Pranayama bietet dir hier die Möglichkeit Einfluss zu nehmen und die Gunas in Balance zu bringen, bzw. zu halten. Einerseits helfen dir ausgleichende Atemübungen, wie Nadi Shodana oder die 4:4-Atmung dabei, das Gleichgewicht herzustellen. Andererseits verhilft dir die Praxis des Pranayama zu einem klaren Geist, um zu erfahren, welches Guna momentan vorherrscht. Klärend für den Geist sind hier unter anderem das Kapalabhati und das Uddiyana-Bandha. Um von der Trägheit des Tamas dich wieder mehr in Richtung Sattva zu lenken, werden energetisierende Atemübungen wie Bhastrika empfohlen.
Wenn du nun dein Pranayama mit einer entsprechend unterstützenden Meditation praktizierst, wirst du deinen momentanen „Guna-Zustand“ klarer definieren und besser in Richtung eines Sattva lenken können. So bleibt alles in Bewegung und der natürliche und gesunde Kreislauf bestehen.