In dieser YOGA AKTUELL-Ausgabe erschienen:

Kochen auf höchstem Niveau: Auf der Zugspitze, dem höchsten Berg Deutschlands, verwöhnt der ayurvedische Meisterkoch Mohammed Akram seine Gäste
Seine Biographie liest sich mindestens ebenso exotisch wie die Rezepte der ayurvedischen Köstlichkeiten, die Mohammed Akram seit nunmehr zehn Jahren den Gästen des Zugspitz-Restaurants „Gletschergarten“ zubereitet. Über Abu Dhabi, München und Barcelona gelangte der in Pakistan geborene Koch auf das vergletscherte „Dach Bayerns“ – eine beispiellose Karriere. Hier oben, über den Wolken, wo die Freiheit an einem schönen Sommertag wahrlich grenzenlos scheint, präsentierte er bereits 2007 sein erstes Kochbuch, genannt „Akrams kulinarische Zugspitz-Genüsse“, und hier auf dem beeindruckenden Zugspitzplatt bietet er seitdem in seiner Show-Küche Kochkurse an.

Akram, ein ebenso talentierter wie bescheidener Mann, hat in Deutschland längst seine neue Heimat gefunden, versteht es sogar als „Ehre“, den eigenen Lebensunterhalt vor der alpinen Traumkulisse zu verdienen. Diese Ehre sollte inzwischen auf Gegenseitigkeit beruhen, denn wie kaum ein anderer ayurvedischer Koch hat er die deutschen Nützlichkeitsesser davon überzeugt, dass Essen ein durchaus ganzheitliches und befriedigendes Erlebnis sein sollte – eine kleine Vorstufe zum großen Glück sozusagen.

Genuss und Salutogenese
Es sind hohe Ansprüche, die sich der sympathische Mann aus dem Punjab tagtäglich stellt und einzulösen versteht. Die Bezüge seines Kochens zur traditionellen indischen Heilkunde sind nicht zu übersehen und waren dem Meisterkoch schon vor seiner Ausbildung bestens vertraut: Er stammt aus einer angesehenen Arztfamilie, die bereits in der siebten Generation praktiziert. Für Akram war die ayurvedische Gesundheitslehre als Basis einer über fünftausend Jahre alten „Wissenschaft vom Leben“ („Ayurveda“), die eine ganzheitliche Betrachtung des Menschen anstrebt, nur eine Bestätigung dessen, was er von zuhause kannte. Für Akram bedeutet sie in erster Linie „Naturverbundenheit“ und das Wissen, dass alles in der Natur seine Zeit hat, eine Zeit der Reife, eine Zeit der Ernte. Zu dieser fast karmisch anmutenden Sichtweise des Stoffwechsels passt Akrams außergewöhnliche Kenntnis der einheimischen Pflanzen, vornehmlich der ländlichen Kräuter, in denen er Heilkräfte sucht. Die oberste Prämisse klingt einfach: Das, was uns schmeckt, sollte unserer Gesundheit auch zuträglich sein. Insofern entspricht die ayurvedische Küche tatsächlich dem medizinischen Präventionskonzept der Salutogenese, das heißt, man lässt es gar nicht erst zur Entstehung einer Krankheit kommen. Bei guter Ernährung benötigt der Mensch keine Arznei, um fit und gesund zu bleiben, der Körper ist ja durch ausgewogene Ernährung mit allen wichtigen Stoffen versorgt und weiß sich zu helfen. In der ganzheitlichen Philosophie des Ayurveda ist dieser Gedanke von zentraler Bedeutung.

Grundprinzipien der Ayurvedaküche
Im Kern geht es darum, die drei Energieprinzipien Vata, Pitta und Kapha, die für die unterschiedlichen menschlichen Konstitutionstypen stehen, im Gleichgewicht zu halten. Ein Ungleichgewicht der Doshas bedeutet stets eine körperliche und seelische Störung. Wenn es dazu gekommen ist, läuft auch der Wiederherstellungsprozess des Körpers im Ayurveda u.a. über gutes Essen ab, eine wahrlich schmackhafte Alternative zu der oft fragwürdigen und teuren Medizin der Pharmakonzerne. Was Akram über die vorbeugende und heilende Wirkung seines Kochens verrät, leuchtet dem gesunden Menschenverstand auf Anhieb ein: Wenn das „Verdauungsfeuer“ beispielsweise zu schwach brennt, sind stoffwechselanregende Gewürze nützlich. Sollte es dagegen zu stark brennen, ist es ratsam, dieselben Gewürze drastisch zu reduzieren. Bei erhöhtem Pitta (Übersäuerung, Hitzegefühl, Entzündungen, Durstgefühle) kann den Rezepten beispielsweise weniger Neem-Pulver hinzugefügt werden (Neem-Pulver oder -Extrakt ist heilsam bei Störungen, die durch ein Übermaß an Kapha verursacht werden).

Im Frühjahr ist die „Kapha“-Energie in der Natur besonders dominant. Der Körper sollte nun entschlacken, das heißt „leichter und bekömmlicher“ essen, weniger fettreich, aber schärfer gewürzt. Die meisten Kulturen kennen ähnliche Reinigungsrituale, die im Frühling ausgeübt werden, um die schlummernden Lebensgeister neu zu erwecken. Im Herbst sollte man es mit Mahlzeiten halten, die die Abwehrkräfte des Körpers stärken. Auch dagegen dürften sich schwerlich Einwände finden. Die ayurvedische Küche trägt jedenfalls allen jahreszeitlichen Veränderungen Rechnung, was sich an der ständig wechselnden Speisekarte in Mohammed Akrams Restaurant am Besten auskosten lässt!

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