In dieser YOGA AKTUELL-Ausgabe erschienen:

Der Inder Nicky Sitaram Sabnis ist Ayurveda-Koch in der Seminarküche des Klosters Frauenwörth. In YOGA AKTUELL erklärt er, wie man sich im kapha-bestimmten Deutschland nach ayurvedischen Prinzipien sinnvoll ernährt, und wie einfach Ayurveda auch hier im Alltag umsetzbar ist
Die Philosophie der alten indischen Gesundheitslehre begleitet Nicky Sitaram Sabnis, seit er denken kann. Seine Mutter führte den Haushalt unter Berücksichtigung von ayurvedischen Prinzipen. Als er unter den Auswirkungen von Stress und schwerer Erkrankung litt, schöpfte er aus der ayurvedischen Lebens- und Ernährungsweise neue Kraft. Inzwischen trägt der gebürtige Inder mit dem herzlichen Lächeln mit Seminaren, Ausbildungsreihen und Büchern dazu bei, dass die Körper, Geist und Seele harmonisierende Lebensphilosophie auch außerhalb des Subkontinents immer mehr Anhänger findet. Seit zehn Jahren nun kocht Nicky Sitaram Sabnis im Benediktinerinnen-Konvent Frauenwörth auf der Fraueninsel im Chiemsee für die dortigen Seminargäste ayurvedisches Essen und ist rundum glücklich mit seinem Leben in seiner zweiten Heimat. Er gründete in Gstadt am Chiemsee das Zentrum für Ayurveda, Yoga & Indische Kultur „B’Ayurveda“. Darüber hinaus veranstaltet er unter dem Titel „cook mal“ regelmäßig Kochkurse. Gemeinsam mit seiner Frau und in Zusammenarbeit mit einem indischen Professor entwickelte Nicky eine Fortbildung zum „Ganzheitlichen Ayurveda-Koch“, die man in fünf Ausbildungseinheiten absolvieren kann. Der bayerische Inder und Koch aus Leidenschaft veröffentlichte zudem mehrere Bücher, die der traditionellen indischen Gesundheitslehre gewidmet sind, und vertreibt über den Versandhandel Laxmi Foods & Services ayurvedische Gewürze.

YOGA AKTUELL: Nicky, steigt deiner Meinung nach die Nachfrage nach Ayurveda hier in Deutschland?

Nicky Sabnis: Ja, auf jeden Fall. Die Deutschen sind aus meiner Sicht sehr aufgeschlossen und neugierig. Viele sind bereit, ihr Wissen zu erweitern, und diese Tatsche bringt auch Ayurveda vorwärts. Den meisten Menschen hier geht es wirtschaftlich richtig gut. Trotzdem sind viele nicht glücklich mit ihrem Leben, leiden unter Stress und werden krank. Und dann besinnen sie sich zurück auf die Natur. Und Ayurveda ist die älteste Naturheilweise der Welt.

Viele verbinden mit dem Begriff Ayurveda strenge Diäten. Ist das richtig?

Nein! Aus meiner Sicht stammen sämtliche Verbote aus einer eingedeutschten Interpretation. So wie ich Ayurveda studiert habe, gibt es keine Verbote. Alles ist erlaubt, auch Fleisch. Es kommt auf die Prinzipien an. Wie oft, wann, warum und – ganz wichtig: welche Menge. Wenn ich zum Beispiel zum Abendessen mit meiner Frau ein Glas Rotwein trinke, dann ist das etwas sehr Schönes, das der Seele guttut. Beim Fleisch beispielsweise kommt es darauf an, ob das Tier aus natürlicher Haltung von einem Biobauern aus der Umgebung stammt. Auch bei schwarzem Tee oder Kaffee kommt es auf das Maß an. Wenn ich ab und zu mit einem Freund einen Kaffee trinke, dann ist das nicht verboten. Anders sieht es freilich aus, wenn jemand den ganzen Tag lang schwarzen Kaffee trinkt und dazu Zigaretten raucht. Das hat nichts mit ayurvedischer Lebensführung zu tun.

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Wie umschreibt man den Begriff Ayurveda aus deiner Sicht korrekt?

Ayurveda ist eine sanfte Lebensweise. Eine Lebensweise in Harmonie mit der Natur, bei der die Ernährung eine wichtige Rolle spielt. Nach ayurvedischen Prinzipien zu kochen heißt, die Speisen ohne Chemie, naturbelassen und mit frischen Kräutern und Gewürzen zuzubereiten. Das muss nichts Indisches mit Kurkuma oder Ingwer sein. Man kann genauso gut europäisches Essen ayurvedisch zubereiten. Die Lehre hat auch nichts mit asketischem Lebensstil zu tun, wie viele glauben. Im Ayurveda heißt es nämlich auch: Das Leben ist schön, das Leben ist kurz – und der Mensch soll es genießen! Ayurveda sagt: Mach dir nicht so viel Sorgen und lebe bewusst im Hier und Jetzt, denn das letzte Hemd hat keine Taschen!

Das klingt alles sehr einfach.

Ist es auch. Ayurveda ist ganz simpel. Jeder kann Ayurveda zuhause ohne großen Aufwand anwenden. Es kostet nichts extra, und man spürt im eigenen Körper sofort ein Ergebnis. Man muss für Ayurveda auch zu keiner Praxis laufen, außer man möchte sich mit einer Behandlung wie einer Massage oder einer Anwendung zusätzlich etwas Besonderes gönnen.

All diejenigen, die sich schon mit dem Thema Ayurveda beschäftigt haben, möchten jetzt vielleicht sagen: Und was ist mit den drei Doshas? Den drei Lebensenergien des Ayurveda, die bei ungleicher Verteilung Körper und Seele des Menschen aus der Bahn werfen?

Natürlich sollte man darauf achten, die drei Doshas Vata, Kapha und Pitta im Einklang zu halten. Auch das ist viel einfacher, als es klingt. Nicht nur die Menschen haben eine unterschiedliche Konstitution mit meist einem vorherrschenden Dosha. Jede Tages- und Jahreszeit und auch jedes Umfeld hat ein vorherrschendes Dosha. Deutschland ist ein Kapha-Land. Kalt, etwas schwerfällig und unbeweglich.

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