Nepal bietet viele Möglichkeiten, Yoga zu üben – und vermittelt eine einzigartige Faszination, die ebenso der Naturkulisse des Himalaya wie auch der Kultur des Landes entspringt

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In dieser YOGA AKTUELL-Ausgabe erschienen:

Um halb sechs klingelt die Glocke in meinem Yoga-Retreat in Pokhara, der zweitgrößten Stadt Nepals am Ufer des malerischen Pewa-Sees. In der Stille des Kerzenscheins lausche ich mit sechs anderen Yogis eine Stunde meinem Atem.

Tiefe Ruhe breitet sich in mir aus, während die Sonne in den aufklarenden Himmel steigt. Im frühen Licht erscheint der Garten wie ein Stückchen aus dem Paradies und ist ein wunderbarer Ort für ein gewohntes Ritual: Wir reinigen uns die Nasen mit lauwarmem Salzwasser. Das sanfte Prickeln und die Atemruhe fühlen sich nun an, als schwebte ich jeden Moment in das ausgebreitete Tal hinein wie ein Kind in ein Bilderbuch.

Doch schon erfullt weicher Teeduft den Garten. Die gerade erst geschnittenen und sogleich überbrühten Kräuter entfalten klar und betörend ihren unerhörten Geschmack. Die anschließenden 90 Minuten Morgenyoga und die Sonnengrüße vergehen im Angesicht
des Machapuchare, des jenseits des wunderschönen Pewa-Sees schimmernden Achttausenders, im Nu. Ist es da ein Zufall oder das genaue Gespür unseres sympathischen und kundigen Lehrers Ganesh, dass wir uns vor dieser erhabenen Kulisse noch in meine Lieblingsposition, den Adler, begeben? Noch einige Vorbeugen und Drehungen, und die 90 Minuten sind wie im Flug vergangen. Ein Frühstück gehört jetzt mit zum Schönsten, was man sich vorstellen kann, und selbst Nichtreligiösen fällt nach den morgendlichen Eindrücken das kurze Dankgebet zum Essen leicht. Ganz nepalesisch wird Dal Baat gereicht, Reis mit Gemüse, genau meins, aber yogisches Porridge gibt es auch. Die Morgenpraxis und das leckere und gesunde Frühstück haben Körper und Geist in Schwung gebracht. Jetzt bin ich bereit für einen Abstecher zur Lakeside, dem Touristenviertel Pokharas: Ich miete mir ein Boot und lasse mich zur anderen Seite des Sees bringen. In 45 sportlichen Minuten erreiche ich zu Fuß die World-Peace-Pagode. Aus 1300 Metern Höhe schweift mein Blick über das Pokhara-Tal. Jetzt im Frühling lohnt sich der Blick in das satte grüne Tal besonders. Überall blühender, duftender Rhododendron.

Am frühen Abend, zurück im Yoga-Retreat, rufen meine Waden und Oberschenkel nach Dehnung. Genau die geschieht in der ruhigen Yogastunde. Höhepunkt des heutigen Tages ist aber die abendliche Meditation auf dem Dach des Hauses: In einer sternenklaren Nacht beten wir gemeinsam in Stille den rostroten Vollmond an. Später sinken wir in bequemen Betten in einen ruhigen und festen Schlaf.

Ein warmer Gong weckt um vier Uhr zum Morgenyoga auf dem Sarangkot, dem Hausberg Pokharas. Eine kurze Fahrt im Jeep, dann erklimmen wir den Gipfel auf 1592 Metern. Der frühe Aufbruch hat sich gelohnt: Vor mir erhebt sich das Dach der Welt. Voller Dankbarkeit beginnen wir mit einfachen Atemübungen und genießen unsere Sonnengrüße vor dieser Kulisse. Nie fühlte ich mich in den Kriegerpositionen so stark wie hier. An diesem Ort erscheinen meine Vergangenheit, Zukunft und Gegenwart wirklich spürbar. Und im herabschauenden Hund, der mir diese Welt buchstäblich auf den Kopf stellt, bin ich nun eins mit mir. Welche Wohltat.

Pokhara-City: das nächste Yoga-Abenteuer wartet

Nach diesen bewusstseinsöffnenden Erfahrungen lasse ich das Retreat hinter mir und ziehe zum Lake View Resort. Anja Töpfer, die freundliche und Nepal liebende Betreiberin von enjoy Nepal, hat mich in dieses von unzähligen Cafes, Restaurants und Souvenirläden am Ufer des Sees umrahmte Hotel eingebucht.

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