Der große Lebensbeweger – eine Erinnerung an das Wesen des Atems, ergänzt durch konkrete Praxisimpulse zum Thema Durchlässigkeit und Empfindungsfähigkeit.
Seit über dreißig Jahren arbeite ich unter anderem als Atemtherapeut und Atempädagoge. Die Ausbildung dazu war bei mir ein fünfjähriges Studium am Ilse-Middendorf-Institut. Ilse Middendorf (1910–2009), die große alte Dame der Atem- und Körpertherapie, kennenzulernen und bei ihr studieren zu dürfen war eine Ehre und die wertvollste Investition meines Lebens.
Mit Yoga und Meditation hatte ich mit achtzehn Jahren begonnen. Damals studierte ich an der Kunstschule und hatte viel Zeit zu praktizieren. Zu dieser Kombination, Kunst und Atem, sagte Frau Middendorf einmal: „Was wir hier in der Atemtherapie tun, ist bildende Kunst am Menschen.“ Und sie verglich unsere Arbeit mit der Kunst eines Michelangelo, der die unvergleichbare Statue des David erschuf. Michelangelo sagte dazu: „Eigentlich habe ich den David nicht erschaffen. Ich fand neben der Kirche einen großen Stein, den die Bauleute verworfen hatten. Ich aber sah in ihm meinen David. Er war bereits in dem Stein anwesend. Was ich tat war, alles Überflüssige wegzuschlagen – und David erschien.“ Sollte so nicht auch Yoga sein? Nach und nach entlassen wir alles, was nicht zu uns gehört, alle Prägungen, alles Aufoktroyierte – und am Ende darf u