Brücke zwischen Tradition und Zukunft – was ein integraler Yoga umfasst, und inwiefern die Ansätze von Jean Gebser, Ken Wilber und Sri Aurobindo dafür wegweisend sind.
Im Artikel der Juni-/Juli-Ausgabe wurde von mir erläutert, dass es meiner Meinung nach einer rational-säkularen Spiritualität und einer neuen Bewusstseinskultur bedarf.
Die meisten Leserinnen und Leser dieser Zeitschrift werden zustimmen, dass hier die Yogatradition einen wertvollen Beitrag leisten könnte. Aber auch der traditionelle Yoga kann durchaus ein Upgrade vertragen. Damit ist keinesfalls gemeint, dass etwas mit den Yogatraditionen falsch wäre, aber in manchen Belangen dürften sie schon auf den neuesten Stand gebracht werden. Was ihre Tiefe, Feinheit und Essenz hinsichtlich der Praxis anbelangt, gibt es nichts zu beanstanden, jedoch könnten die dahinterliegenden Weltbilder etwas mehr reflektiert werden. Während der Blüte des Tantrismus im indischen Mittelalter herrschten zum Beispiel folgende Weltbilder vor:
- Alle fundamentalen Wahrheiten wurden als endgültig und absolut angesehen.
- Die Welt war eine Scheibe und hörte spätestens am nächsten Ozean auf. Deshalb verloren bis in die Neuzeit hinein die Brahmanen ihren Status, wenn sie über den Ozean reisten.
- Das Kastensystem gehörte zur gesellschaftlichen Normalität.
- Frauen wurden als minderwertig angesehen (die Gleichberechtigung im Tantra galt nur für die Initiierten).
- Der Weltenzyklus war ein Kreislauf der ewigen Wiederkehr. Es gab nur Entstehung, E