Wie man sich gezielt auf die Pranayama-Praxis vorbereitet: Warum Warm-Ups, das Erlernen der Bandhas und ausleitende Atemtechniken wichtig sind – Erläuterungen und Übungen
Die Kunst der Asana-Praxis besteht darin, Elemente, die den Übungsschwerpunkt bilden oder das jeweilige Thema ausmachen, je nach Schule entweder mit leicht durchführbaren Karana-Sequenzen oder mit Asana-Varianten vorzubereiten und unter angemessener Belastungssteigerung zu vertiefen, in Abstimmung mit den individuellen Voraussetzungen. Auch in der Pranayama-Praxis gehen wir nicht von Null auf Hundert, sondern bereiten die Atemorgane gezielt auf die unterschiedlichen Funktionen der Pranayama-Konzepte vor. Wir bauen die Atemkapazität allmählich und achtsam auf. Die Dauer der Atemverhaltung (Kumbhaka) wird sukzessive, sachte und individuell ausgedehnt, so dass sich das Atemanhalten in keiner Weise forciert anfühlt, sondern mühelos und unangestrengt (sukha). Wir sollten uns im Klaren darüber sein, dass wir mit angewandtem Pranayama in den natürlichen, unwillkürlichen Atemmechanismus eingreifen und damit auch das Gehirnareal manipulieren, das den Atem steuert: das Atemzentrum. Durch diese Umstellung kann zu Beginn der Übungspraxis leichte Müdigkeit auftreten. Augentränen, Gähnattacken, Schweißausbrüche, Ausdünstungen, Räuspern, Hustenreiz oder Auswurf können weitere Anzeichen für den in Gang gebrachten Reinigungsprozess sein. Auch anfänglicher Muskelkater der Rippenzwischenmuskulatur oder des Zwerchfells fühlt sich ungewohnt an. Andererseits können positive Wirkungen wie eine gute Verdauung, Gesundheit, Verjüngung, eine schöne Stimme, Konzentrationsfähigkeit, ein klarer Kopf, Ruhe der Nerven, innere Kraft, gute Laune und überraschende magische Ereignisse eintreten.