Die Ekstase des Zusammenseins im Sex und in der mystischen Verschmelzung erfüllt uns, macht uns glücklich, für ein paar Sekunden, Stunden, vielleicht auch länger. Sie erinnert uns, dass es noch so viel mehr gibt im Leben als den banalen Alltag. Ist nicht schon das ein Tor, das auf den spirituellen Weg führt, in die Suche nach dem Unvergänglichen?

Die Ekstase des Zusammenseins im Sex und mystische Verschmelzung in einem Atemzug zu nennen, ist gänzlich absurd. Sex und mystische Verschmelzung haben überhaupt gar nichts miteinander zu tun. Große Teile der sogenannten „Neo-Tantra“-Bewegung kranken an dieser diffusen Gleichsetzung zwischen spiritualisierter Verschmelzung über Formen des körperlichen Zusammenseins von Mann und Frau einerseits und mystischer Verschmelzung andererseits. Die Wahrheit ist, dass körperlich eingeleitete Einheitserfahrungen letztlich die körperliche Ebene nicht verlassen, auch dann nicht, wenn sie sehr subtil werden und die körperlichen Grenzen weit zurücklassen. Tantra ist im Herzen ein rein geistiger Weg. Das beinhaltet weder eine Körperablehnung, noch eine Körperverehrung.

Shri Poonjaji sagte einmal einen sehr einfachen Satz als Antwort auf die Vorstellung, irgendeine Form von körperlicher Praktik könne in die endgültige geistige Befreiung führen. Er sagte: If the practice is physical, the result will be physical. Das ist natürlich in dieser Radikalität und Einfachheit schwer zu nehmen, zeigt er doch vielen Tantrikern und Yogis die Grenzen ihrer Praxis auf, solange sie noch körperlich ist. Grenzen, die sie möglicherweise nicht wahrhaben wollen.

„Aber es weiß doch jeder halbwegs aufgeklärte westliche Suchende um psychosomatische Zusammenhänge, alles längst wissenschaftlich erwiesen“, werden viele einwenden. Doch will Poonjajis Lehrsatz nicht leugnen, dass der Körper ein Eintrittstor in geistige Erforschung und sogar relative geistige Befreiung sein kann. Was er jedoch in jedem Fall sagen will, ist, dass die radikale Lehre des direkten Weges (wie sie z.B. die Advaita-Lehre ist) nicht über den Umweg des Körpers geht und dass endgültige Selbstrealisation nicht über körperliche Praktiken, gleichgültig welcher Art, zu erreichen ist.

Es gibt hervorragende und höchst wirksame Körperübungen und Rituale, die sehr viel gebundene Shakti frei setzen können, ich arbeite selbst damit. Viel Heilarbeit kann über den Körper geschehen, auch über die sexuelle Kraft. Aber man muss sich vergegenwärtigen, dass Leiden nie im Körper entsteht. Der Körper sagt nicht: „Ich bin getrennt von der Welt.“ Im Körper gibt es keine Dualität. Jede Form von Abtrennung ist rein geistiger Natur und muss an diesem Quell auch erkannt werden.

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