Die Bedeutung des Körpers im Yoga und im Ayurveda
In der hinduistischen Tradition ist der Körper das physische Selbst und dieses beinhaltet  auch den Geist (im oben beschriebenen Sinne; also Denken, Intellekt, Empfindungen und psychische Vorgänge – charakteristisch für die indische Denkweise ist jedoch, dass eine klare Trennung zwischen Körper und Mentalem auf der einen Seite und dem reinen Geist oder Bewusstsein auf der anderen Seite gezogen wird, Anm. d. Übers.). Sowohl im Yoga als auch im Ayurveda ist der Körper von hoher Wichtigkeit. Nach dem Ayurveda ist der Körper der Sitz der Sinnesfreuden und –erfahrungen und sollte deshalb in einer perfekten, harmonischen und gesunden Verfassung sein. Im Yoga stellt die Befreiung von der vergänglichen Welt das Ziel dar, aber diese ist nur möglich durch Anstrengungen des Körpers. Ein Yogapraktizierender braucht eine vollkommene Gesundheit, um geistige Ruhe und den Zustand  der Meditation zur erreichen. Wenn er keinen gesunden Körper hat, bleibt der Geist mit dem physischen Dasein beschäftigt und kann die höheren Bewusstseinssphären nicht erklimmen.

Psychologie in der yogischen und ayurvedischen Tradition
In Anlehnung an die dargelegte Analyse des menschlichen Wesens nach yogischer und ayurvedischer Tradition ist es interessant, die Unterschiede zwischen der modernen Psychologie und der traditionellen Hindu-Psychologie zu erörtern. Moderner Wissenschaft zufolge ist das Mentale vom Körper getrennt und die Wissenschaft vom mentalen Befinden und vom Verhalten ist Psychologie. In diesem fragmenthaften Ansatz wird die Wirklichkeit einmal mehr auf sinnesbezogener Ebene wahrgenommen. Für das Denken und Verhalten werden rationale Begründungen gefunden und es fehlt an individueller Verantwortung. Dem hier vorgestellten ganzheitlichen Ansatz nach, ist liegt das Verhalten eines Menschen jedoch gänzlich in seiner eigenen Verantwortung. Die grundlegenden Verhaltensweisen und Reaktionen sind ein Resultat von Prakriti, welche ihrerseits vom Samskara bestimmt wird. Auf anderen Ebenen wie der familiären, sozialen und so weiter wird das Verhalten beeinflusst  von vergangenem und gegenwärtigem Karma, welches ebenfalls in der Verantwortung des Individuums liegt. Wir Menschen haben die Buddhi, um zwischen gutem und schlechtem Karma zu unterscheiden. Die Freiheit des Menschen liegt im gegenwärtigen Handeln, das zahlreiche Alternativen und Möglichkeiten vorsieht.

Alltäglicher Bedarf einer ganzheitlichen Lebensweise
Der Schlüssel zur Erfüllung unseres Strebens ist ein ganzheitlicher Ansatz und ein Individuum sollte für sämtliche praktische Zwecke mit allen Dimensionen seiner Existenz in den Blick genommen werden.

Die Zukunft gehört nicht derjenigen Wissenschaft, die den Kosmos und den menschlichen Körper als mechanische Systeme ansieht. Der dynamische Kosmos hat uns Menschen als seinen Puls. Sobald wir ersteinmal begonnen haben, dies zu sehen, werden wir für uns selbst und unsere Umwelt besser Sorge tragen. In der Bhagavad Gita (XVIII, 22) wird der bruchstückhafte Ansatz, auf die Wirklichkeit zu schauen, als tamasisch bezeichnet.

‘Dieses Wissen, das an jedem einzelnen Ding klebt, als ob dieses das Ganze wäre, ist irrational, ohne jedwedes echte Objekt und es ist eng und tamasisch’.

Es sollte Ziel eines jeden sein, sein vollständiges Sein in verschiedenen Dimensionen und auf unterschiedlichen Ebenen zu erkennen und sich selbst als energetisches und schöpferisches Wesen zu betrachten, das in diesem dynamischen Universum pulsiert. Das Hauptziel des Lebens sollte darin bestehen, im Einklang mit dem kosmischen Rhythmus zu leben, was nur mithilfe ganzheitlichen Weisheit möglich ist.

Anzeige

Kommentiere den Artikel