Das spirituelle Erbe Indiens machte auch nicht vor Indiens Dichtern halt. Klar, dass viele von ihnen erleuchtete Personen waren. Joachim Reinelt über die mitreißende Kraft der Worte und die außergewöhnliche Begabung Indiens erleuchteter Poeten
Viele von uns wachsen in der Ansicht auf, dass Mystik nichts mit dem normalen Leben zu tun hat. Wir halten Mystik für etwas Unzeitgemäßes und Weltfremdes, oder für eine Beschäftigung, die nur jenen auserwählten Menschen vorbehalten ist, die eine angeborene Gabe zu inneren Visionen und außergewöhnlichen Kräften besitzen. Wenn wir uns aber einmal das Leben der Mystiker eingehender betrachten, erkennen wir, dass der mystische Weg nichts anderes ist, als das Leben selbst, und dass Mystik von unserem angeborenen Recht auf die höchste Erfahrung handelt – und deshalb Mystik jeden von uns betrifft.
Das Leben der großen Mystiker in der ganzen Welt bestand darin, uns diese Erfahrung zugänglich zu machen. Sie lebten in der Erfahrung der vollkommenen All-Einheit, der Erfahrung, dass die Welt ein Spiel des höchsten Bewusstseins ist und alle Formen in ihr Ausdruck der allumfassenden göttlichen Liebe sind. Auf ihrem mystischen Weg strebten sie zunächst danach, diese Erfahrung in sich selbst zu verwirklichen, um sie dann mit anderen zu teilen. Allein durch ihre Gegenwart öffneten sich für viele Suchende die entscheidenden Pforten, um dann zur höchsten Erfahrung zu gelangen.