Akasha – das Element des Raumes und der Stille: In der yogischen Lehre gilt Akasha, das Element des Raumes oder Äthers, als das subtilste aller Elemente. Es ist der Ursprung, aus dem Klang, Schwingung und schließlich alle Formen entstehen. Raum ist überall – zwischen den Dingen, in uns, in jeder Zelle. Er steht für Weite, Verbundenheit und Stille, für das unendliche Potenzial, aus dem alles geboren wird.
Im Alltag übersehen wir dieses Element leicht. Wir sind beschäftigt damit, Dinge zu tun, Gedanken zu denken, Entscheidungen zu treffen. Raum scheint Leere zu sein – etwas, das gefüllt werden muss. Doch in der yogischen Sichtweise ist es gerade dieser Raum, der alles trägt. Wenn wir lernen, ihn wahrzunehmen, öffnet sich in uns eine tiefere Dimension von Bewusstsein: das Erleben reiner Präsenz.
Warum wir durch die 5 Elemente atmen
Die fünf Elemente – Erde, Wasser, Feuer, Luft und Äther – bilden die Grundlage unseres Körpers und Geistes. Sie spiegeln unsere inneren Zustände wider und helfen uns, körperliche, emotionale und mentale Balance zu finden. In dieser Blogserie erforschen wir, wie gezielte Atemübungen für jedes Element uns auf unserer Yoga- und Lebensreise unterstützen. In diesem Artikel geht es um das Element Akasha.
Der Atem als Tor zum Raum
Eine einfache Möglichkeit, das Element Akasha erfahrbar zu machen, ist über den Atem – genauer gesagt über die Atempause, die natürliche Stille zwischen Ein- und Ausatmung. Diese Pause nennt man im Yoga Kumbhaka. Sie erlaubt ein sanftes Wahrnehmen des Moments, in dem der Atem von selbst ruht.
Wenn du still wirst und deinem Atem folgst, wirst du bemerken: Nach der Einatmung entsteht ein winziger Moment des Innehaltens – ebenso nach der Ausatmung. In dieser kurzen Stille liegt eine besondere Qualität: Der Geist kommt zur Ruhe, Gedanken weichen, und es öffnet sich ein innerer Raum – weit, klar und unendlich still.
Akasha und die oberen Chakras
In der Yogatradition wird das Element Raum auch mit den höheren Energiezentren des Körpers verbunden – dem Hals-, Stirn- und Kronenchakra (Vishuddha, Ajna und Sahasrara).
Diese drei Chakras stehen symbolisch für Kommunikation, Erkenntnis und Bewusstsein – also jene Qualitäten, die uns über das rein Körperliche hinausführen. Wenn das Element Raum in uns spürbar wird, können sich diese Ebenen öffnen: Wir erleben mehr Klarheit im Ausdruck, eine feinere Wahrnehmung und eine tiefere Verbindung zum eigenen Bewusstsein.
So wird das Atmen im Raum – das bewusste Erspüren von Stille und Weite – auch zu einer Reise nach innen, zu den höheren Schichten unseres Seins.
Übung: Erkunde die Weite zwischen den Atemzügen
Kumbhaka – eine Reise ins Element Raum: Finde einen ruhigen Ort und nimm eine bequeme Sitzposition ein. Lass den Atem zunächst einfach fließen, ohne ihn zu beeinflussen. Werde dir seines natürlichen Rhythmus bewusst – ein, aus, ein, aus.
Dann richte die Aufmerksamkeit auf die Pause zwischen Ein- und Ausatmung. Sie ist nicht leer, sondern erfüllt von Stille. Bleibe mit deiner Wahrnehmung in diesem Raum: wach, offen und lauschend. Es geht zunächst nicht darum, den Atem anzuhalten, sondern darum, das Dazwischen zu spüren.
Wenn du magst, kannst du die Übung mit einem sanften Trataka verbinden: Richte deinen Blick weich auf einen Punkt – etwa eine Kerzenflamme oder den Punkt zwischen den Augenbrauen. Lass den Blick ruhen, während du gleichzeitig die Stille zwischen den Atemzügen wahrnimmst. Dieses Zusammenspiel von Sehen und Fühlen öffnet den inneren Raum noch weiter und bringt den Geist in tiefe, fokussierte Sammlung.
Kumbhaka – die Kunst der Atempause
Im Yoga werden 3 Formen von Kumbhaka unterschieden:
- Antar Kumbhaka – die Atempause nach der Einatmung, in der der Atem gehalten wird, bevor er wieder ausströmt.
- Bahir Kumbhaka – die Atempause nach der Ausatmung, bevor der nächste Atemimpuls von selbst entsteht.
- Kevala Kumbhaka – die spontane Atemstille, die ohne bewusste Kontrolle in tiefer Meditation geschieht.
Es ist wichtig, Kumbhaka mit Achtsamkeit zu üben. Die Pause ist kein gewaltsames Anhalten, sondern ein Eintreten in Stille. Besonders zu Beginn genügt es, die natürliche Atemruhe einfach zu beobachten.
Wer regelmäßig übt, erfährt, dass die Atemleere nicht bedrohlich ist, sondern ein Zustand tiefer Entspannung und Weite. Selbst Apnoetaucher, die minutenlang ohne Luft bleiben, zeigen, wie anpassungsfähig unser Körper ist – wenn der Geist ruhig bleibt und Vertrauen in den inneren Rhythmus entsteht.
Kumbhaka spielt in vielen Pranayama-Techniken eine zentrale Rolle, beispielsweise bei:
- Anuloma Viloma (Wechselatmung): In fortgeschrittener Praxis mit Antar Kumbhaka und/oder Bahir Kumbhaka.
- Kapalabhati (Feueratmung): In der weiterführenden Praxis mit Antar Kumbhaka möglich.
Integration im Alltag
Übe diese Atemwahrnehmung vor der Meditation, vor dem Schlafengehen oder immer dann, wenn du dich überfordert oder eng fühlst. Mit der Zeit wirst du bemerken, wie sich etwas in dir verändert: Gedanken werden stiller, der Körper entspannter und dein Herz weicher.
Das Element Akasha erinnert uns daran, dass in uns – mitten im Lärm des Lebens – immer Raum ist. Raum zum Atmen, Raum zum Fühlen und Raum zu sein.
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Auch wenn unsere 5-Elemente-Serie hier endet, die Reise geht weiter! Erlebe einen neuen Zugang zu dir selbst: gelassener, klarer und verbunden. Durch Melindas Yoga + Breathwork Retreat auf Bali kannst du diese innere Weite tiefer erfahren – in Bewegung, Atem und Meditation. Hier erfährst du mehr dazu: https://melindacange.com/wisdom/8-days-in-bali/ |