Teil 6: Nachsichtiges Verzeihen – eine Kardinaltugend, die von geradezu göttlicher Natur ist.
Kshama ist eine der Kardinaltugenden im Yoga. Übrigens handelt es sich um Vergeben, ohne dass der andere um Verzeihung gebeten hat, doch dazu später mehr. Swami Sivananda schreibt über Kshama:
Kshama ist, wenn man über eine Beleidigung oder ein Verschulden hinwegsieht. Es ist die Bereitschaft oder die Neigung, zu vergeben und zu entschuldigen. Irren ist menschlich, vergeben ist göttlich.
Göttlich und wohl auch deshalb manchmal so schwer. Einfacher ist es da schon, am Schmerz des Unrechts, das einem da widerfährt, festzuhalten. Egal, ob sich jemand an der Kasse vordrängelt oder man von jemandem verletzt wird, der einem nahesteht. Dabei leiden die „Opfer“ meistens viel mehr als die „Täter“. Wer nicht verzeiht, trägt einen schweren Rucksack mit sich. Denn er ist es ja, der etwas „nachträgt“. Warum also können wir unseren Schmerz nicht loslassen und dem anderen vergeben?
Die alten Samskaras (Eindrücke im Geist) von Rache, von „Auge um Auge“, „Zahn um Zahn“, „mit der gleichen Münze zurückzahlen“ sind stark und wollen Vergeltung. Ahimsa (Gewaltlosigkeit) ist Vergebung. Es ist Liebe. Wer Vergebung praktiziert, hört auf, Unmut oder Groll gegen einen anderen Menschen zu hegen, der ihn verletzt hat.
Unsere Gedanken kleben wie Kaugummi a