Von der Kabbalah bis zum Chassidismus
Wurde im Judentum eine auf Erfahrung ausgerichtete Spiritualität entwickelt, die mit der Philosophie des Yoga vergleichbar ist? Sind in der jüdischen Kultur vielleicht sogar Übungsformen wie die des Yoga zu finden? Auf den ersten Blick erscheint dies eher unwahrscheinlich. Traditionell gilt das Judentum den meisten als Religion der Gesetze und Vorschriften. Schaut man jedoch genauer, so wird man feststellen müssen, dass es immer wieder Juden gab, denen der reine Glaube an die Worte der Torah und das Befolgen ihrer Gebote nicht genug waren. Sie wollten die jüdische Religion für spirituelle Erfahrung öffnen. Ihnen war es ein existenzielles Anliegen, den Glauben an die Heilige Schrift auf der einen und eine spirituelle oder mystische Übungspraxis auf der anderen miteinander zu verbinden. Zwei spirituelle Bewegungen treten hier im Judentum in besonderer Weise hervor, die Kabbalah des Mittelalters und der osteuropäische Chassidismus.
Die Geheimnisse der Kabbalah
Oft wird die Kabbalah mit Magie und Zahlenmystik in Verbindung gebracht. Aber auch hier zeigt das genauere Hinsehen, dass nur populäre Vereinseitigungen in den Blick genommen wurden. Im ursprünglichen Sinn meint Kabbalah viel mehr. Ihre Anfänge finden wir im 12. Jahrhundert n. Chr. in Spanien und Südfrankreich. Es waren die dort in ihrer Blüte stehenden j