Leicht wie die Luft: Wenn wir uns mit dem Element Luft verbinden, erinnern wir uns an unsere natürliche Freiheit – an unsere Fähigkeit tief zu atmen, loszulassen und Raum zu schaffen für neue Perspektiven. Mit jedem bewussten Atemzug entsteht mehr Klarheit – wie der Wind, der dunkle Wolken fortträgt und den Himmel freilegt.
Luft ist Bewegung, Austausch, Leben. Sie trägt den Geist in neue Höhen und schenkt dem Körper Leichtigkeit.
Warum wir durch die 5 Elemente atmen
Die fünf Elemente – Erde, Wasser, Feuer, Luft und Äther – bilden die Grundlage unseres Körpers und Geistes. Sie spiegeln unsere inneren Zustände wider und helfen uns, körperliche, emotionale und mentale Balance zu finden. In dieser Blogserie erforschen wir, wie gezielte Atemübungen für jedes Element uns auf unserer Yoga- und Lebensreise unterstützen. In diesem Artikel geht es um das Luft-Element.
Im Herzraum schweben
Wenn du bewusst atmest, öffnest du nicht nur deine Lungen, sondern auch dein Herz – und erlaubst dem Leben, frei durch dich zu strömen. Denn das Luft-Element wird dem Anahata-Chakra, dem Herzraum zugeordnet. Dort entfaltet es sein volles Potenzial an Offenheit, Verbindung und Liebe.
Übe Ausgleich durch den Wechselatem
So übst du Anulom Vilom: Setze dich aufrecht und entspannt hin. Lege die linke Hand locker auf dein Knie. Forme mit der rechten Hand das Vishnu-Mudra:
Zeige- und Mittelfinger sind in die Handfläche eingeklappt, was die restlichen 3 Finger automatisch aufstellt.
- Schließe nun das rechte Nasenloch mit deinem Daumen und atme links tief ein.
- Der Ringfinger (und ggf. der kleine Finger) schließen dann das linke Nasenloch. Halte beide Nasenlöcher kurz geschlossen, und den Atem sanft an (es sei denn du bist schwanger! Dann bitte fliessend weiteratmen).
- Öffne nun das rechte Nasenloch, atme vollständig aus.
- Jetzt geht’s in die andere Richtung: Atme rechts wieder ein, halte kurz inne und verschliesse nun das rechte Nasenloch mit dem Daumen, öffne dann das linke und atme links aus. Durch diese abwechselnde Nasenloch-Atmung entsteht die sogenannte Wechselatmung.
Das ist eine komplette Runde (= links → rechts → rechts → links). Übe 6–10 Runden mit gleichmäßigem, ruhigem Rhythmus.
Der Atemrhythmus für Anulom Vilom
- Grundprinzip: Atmung ruhig, tief und gleichmäßig – ohne Anstrengung.
- Fokussiere dich auf die Lungenexpansion, Entschleunigung und Balance der Nadis.
- Die Zählzeiten sind flexibel, je nach Erfahrungslevel. Die Ausatmung kann dabei länger sein als die Einatmung, um die Entspannung zu unterstützen (z.B. 4:6:8)
- Wirkung: Anulom Vilom gleicht die beiden Energiekanäle (Ida und Pingala Nadi) aus, harmonisiert die inneren Winde (Vayus) und bringt Klarheit, Ruhe und Balance.
Eine weitere tolle Wechselatmung: Nadi Shodhana – Zur Reinigung der Energiekanäle
Hier verwendest du das Nasika Mudra: Forme dafür mit der rechten Hand das „Peace“-Zeichen, d.h. Zeige- und Mittelfinger strecken zusammen hoch, während der Daumen sich über den eingeklappten Ringfinger und kleinen Finger legt: Der Zeige- und Mittelfinger ruhen gemeinsam auf der Stirn, am Punkt zwischen den Augenbrauen (Ajna Chakra).
So übst du:
- Der Daumen verschließt nun das rechte Nasenloch. Atme langsam links ein.
- Der Ringfinger und kleiner Finger schliessen daraufhin das linke Nasenloch. Öffne zeitgleich das rechte Nasenloch. Dann atme rechts ruhig aus.
Übe 5–7 Runden in entspannter, meditativer Haltung. Immer links ein, rechts wieder aus. Spüre nach, indem du jetzt ein paar Minuten ganz „normal“ durch beide Nasenlöcher atmest.
Wechsel dann die Seiten.
- Der Ringfinger und kleiner Finger verschließen nun das linke Nasenloch. Atme langsam rechts ein.
- Der Daumen schliesst jetzt das rechte Nasenloch. Öffne parallel das linke Nasenloch. Dann atme links aus.
Übe auch hier 5–7 Runden in ruhiger, meditativer Haltung. Immer rechts ein, links wieder aus. Spüre ein paar Minuten nach, indem du wieder „normal“ durch beide Nasenlöcher atmest.
| Wirkung: Nadi Shodhana wirkt reinigend und ausgleichend. Der Fokus liegt hier auf der feinen Wahrnehmung, Entspannung des Nervensystems und deiner Bewusstwerdung für subtile Energieflüsse. Vielleicht merkst du wie zu Beginn eines der beiden Nasenlöcher verschlossener wirkt, zum Ende der Übung aber beide gleichartig befreit scheinen. Diese Übung hilft die drei Energiekanäle (Ida und Pingala Nadi, sowie den Shushumna-Kanal) zu befreien. |
So integrierst du Leichtigkeit in deinen Alltag
Praktiziere im Freien – spüre den Wind auf deiner Haut, den weiten Himmel über dir, die stetige Bewegung der Luft. Lass deinen Atem eins werden mit dem Wind, der dich umgibt. Schreibe anschließend in dein Journal eine Einsicht oder neue Perspektive, die während oder nach der Wechselatmung aufgetaucht ist.
Vielleicht erkennst du: wahre Freiheit entsteht nicht durch äußere Umstände, sondern durch die Weite, die du im Inneren empfindest.
Vorschau: Äther – Raum für das Unsichtbare
Nach der freiheitsschenkenden Luft kommt nun der Raum, der alles trägt: Äther (Akasha) – das Element der unendlichen Weite, der Stille und Präsenz. Hier geht es nicht mehr um das Tun, sondern um das Sein. Um den Raum zwischen den Atemzügen, Gedanken und den Dingen. Im nächsten Artikel öffnen wir uns für das subtilste aller Elemente – dort, wo Form sich in Bewusstsein auflöst und Stille reine Präsenz schafft.