Stille, strenge Regeln, stundenlanges Sitzen ... und doch ein großes Abenteuer: Ein Meditationsretreat ist eine intensive (Selbst-)Erfahrung.
Es ist 5.45 Uhr am Morgen. Ich schrecke aus dem Schlaf und springe aus dem Bett. Wir schleichen zur Meditationshalle. Wir, das sind 24 verschlafene Gestalten. Eine Viertelstunde später sitze ich auf dem Meditationskissen. Über zehn Stunden Meditation täglich stehen für die nächsten zwölf Tage auf dem Programm. Rechts von mir sitzt ein Mann von Anfang vierzig. Er hat eine saftige Erkältung, die sich gut fünf Tage lang hinzieht. Und ich bin seine Zeugin. Sein Husten, sein Naseputzen, sein Schniefen, sein Atem, sein unterdrückter Husten. Das alles erlebe ich hautnah mit.
Ich sitze da in bequemer Kleidung und richte mich auf dem Kissen für die erste Meditation ein. Um Punkt sechs ertönt der Gong zum ersten Mal. Ich fange an, meinen Atem zu beobachten. Ich beob-achte, wie er kommt und wie er geht. Verliere mich. Hole mich wieder zurück. Das wird ein großer Bestandteil meiner Praxis in den nächsten Tagen sein.
Ich bin hergekommen, weil ich mich vom Krach der Welt entfernen wollte, mich alleine aushalten und dabei erfahren, dass Erkenntnisse und Tiefen, auch Untiefen auf mich warten und ein bewussterer Umgang mit ihnen mein Leben r