Alte Prinzipien zeitgemäß umgesetzt für Wohlbefinden im Hier und Jetzt – ayurvedische Ernährung in unserer Gegenwart
Im ersten Teil dieser Artikelserie wurden zum Thema „gesunde Ernährung“ die folgenden Ayurveda-Prinzipien vorgestellt und im Einzelnen genauer betrachtet: Vikrti (momentaner Zustand) ist aus diätetischer Sicht sowohl diagnostisch als auch therapeutisch entscheidender als Prakrti (Konstitution).Ernährung ist ein dynamischer und individueller Transformationsprozess, dessen Effektivität weniger davon abhängt, was gegessen wird, als davon, wie verdaut wird. Verdauungsfähigkeit ist variabel und multifaktoriell bedingt und muss daher von jedem Menschen eigenverantwortlich wahrgenommen und beachtet werden.

Basierend auf diesen Ansichten, werden im nun folgenden zweiten Teil praxisbewährte Ernährungsrichtlinien vorgestellt sowie einfache, aber effektive Tipps dafür gegeben, wie sich Menschen im Hier und Jetzt gesünder ernähren können.

Gesunde Ernährung im  21. Jahrhundert
Ayurveda wird seit mehreren tausend Jahren sowohl von Laien als auch Heilern auf vielfältige Weise praktiziert und gewissenhaft an nachfolgende Generationen überliefert. Die wichtigsten der traditionellen Referenztexte, auf denen fast alle modernen Ayurveda-Ausbildungen heutzutage basieren, sind fast alle viele Jahrhunderte alt und stammen teilweise sogar noch aus vorchristlicher Zeit. Diese lediglich scheinbare „Altertümlichkeit“ beeinträchtigt jedoch in keiner Weise die Aktualität und universelle Gültigkeit der ayurvedischen „Weisheit vom Leben“, deren Aussagen selbst in unserer Zeit und auch in nicht-indischen Kulturkreisen erfolgreich Anwendung finden, wie die seit Jahren weltweit zunehmende Popularität des Ayurveda hinreichend belegt. Allerdings bedarf es bei der heutigen Verwendung klassischer Ayurveda-Texte einer klaren Differenzierung, da die in den traditionellen Schriften überlieferten Basiskonzepte und Prinzipien des Ayurveda zwar allgemeingültig und zeitlos sind, dies jedoch nicht auf jede Textanweisung für deren praktische Umsetzung zutrifft. Die Ayurveda-Klassiker wurden nämlich zu Zeiten geschrieben, in denen sich die sozialen und gesundheitlichen Verhältnisse der Menschen wie auch die Umweltbedingungen auf der Erde signifikant von den jetzigen unterschieden haben. Diese Differenzen müssen beim Praktizieren von Ayurveda im 21. Jahrhundert berücksichtigt werden, und zwar durch eine korrekte Übertragung und zeitgemäße Anwendung der allgemeinen Ayurveda-Prinzipien auf die spezifischen Umstände im Hier und Jetzt. In einer ohnehin schon Vata-dominierten Zeit führen die meisten von uns ein extrem schnelles, hektisches Leben mit permanentem Stress, Überarbeitung und Erschöpftsein. Wir eilen mit unnatürlicher und gesundheitsschädigender Geschwindigkeit durch die Welt und haben nicht genug Erdung, Stabilität und Widerstandskraft, da es uns an bodenständigem Kapha mangelt. Vata ist heutzutage in fast allen Menschen so stark erhöht, dass es eigentlich unmöglich ist, bei irgendjemandem „zu wenig Vata“ zu diagnostizieren.

  1. In der Umwelt und bei den meisten Individuen ist auch Pitta derzeit abnormal erhöht. Die Hauptursachen hierfür liegen in globaler Extrembelastung mit industriellen Chemikalien, zunehmender Klimaerwärmung und übermäßiger Einnahme von Pitta erhöhenden Nahrungsmitteln oder erhitzenden Substanzen wie Genussdrogen und schulmedizinischen Therapeutika. Auch trägt die heutzutage vorherrschende Obsession für rationale Logik und so genannten „wissenschaftlichen“ Objektivismus maßgeblich zur Pitta-Steigerung bei, weil damit die meisten Menschen ihre Gefühle mental unterdrücken und letztere dann hitzetreibend im Inneren „schwelen“. Dieser Trend hat weltweit und kulturübergreifend zu einem emotionalen Analphabetentum geführt, das hochgradig pathologisches Niveau erreicht hat.
  2. Lang anhaltende Dosha-Störungen beeinträchtigen immer auch das Verdauungsfeuer Agni. Die Fähigkeit, etwas extern Aufgenommenes korrekt im Inneren zu verarbeiten und in eigene Substanz umzuwandeln, ist daher heute bei vielen Menschen reduziert. Auch haben permanente Überstimulation und Dauer-Input von außen dazu geführt, dass derzeit kaum noch jemand in der Lage ist, die täglich wachsende Informationsflut auf körperlicher, geistiger und emotionaler Ebene richtig zu „verdauen“.
  3. Dieser grundlegende Mangel an normaler Stoffwechselkapazität auf allen Ebenen führt zur Bildung von so genanntem Ama. Das sind Schlacken, Ablagerungen und unverdaute Reste, die sowohl lokale als auch systemische Blockaden im Inneren verursachen. Von außen kommen dann noch all die Toxine und Umweltgifte dazu, mit denen wir uns täglich umgeben und die den Stoffwechsel wie auch unsere Immunität zusätzlich außer Kraft setzen. Es ist daher kein Wunder, dass viele Menschen sich selbst oder ihr Leben als blockiert, zugestopft und oft bleischwer empfinden.
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