Seit Tausenden von Jahren werden sie zur Unterstützung von Heilung angewandt: ätherische Öle. Ihre Reinheit ist entscheidend. Und auch bei der Qualität gibt es große Unterschiede. Dem Ayurveda ist die “Therapie der Düfte” jedoch schon lange vertraut

Die Herausforderungen unserer Zeit spiegeln sich nicht allein darin wider, wie wir mit unserer Umwelt umgehen, sondern auch darin, wie wir uns mit unserer Innenwelt, mit uns selbst, auseinandersetzen. Außen- und Innenwelt, Makro- und Mikrokosmos, diese Polaritäten, die jedoch nur scheinbar Polaritäten sind, stehen in einem offensichtlichen Zusammenhang miteinander; und doch vergessen wir oft ihre praktische Bedeutung in unserem eigenen All-Tag. Überwältigt von der Komplexität unseres Lebens, verlieren wir die Wurzeln zur Einfachheit des Seins. Es wächst damit nicht nur die individuelle, sondern auch die kollektive Ratlosigkeit.

Die ansteigenden Kosten im “Gesundheitswesen” sowie die immer häufiger vorzufindende Ratlosigkeit im Umgang mit unserem eigenen Heilungsprozess fordern uns letztendlich auf zu hinterfragen, was Heilung eigentlich für uns bedeutet, und zwar nicht nur auf individueller, sondern auch auf kollektiver Ebene. Wie können wir die Herausforderungen unserer Zeit positiv betrachten und durch sie wachsen, anstatt an ihnen spirituell, geistig, emotional und körperlich zu verkümmern? Es geht offensichtlich um eine Wende im Denken und Erleben, im Bewusstsein und Bewusstwerden jedes einzelnen und somit um eine globale Wende – dies wird verstärkt deutlich in Zusammenhang mit den Ereignissen der letzten Monate.

Ayurveda ist sich der grundlegenden Zusammenhänge seit Jahrtausenden bewusst und orientiert sich am praktischen Leben. Es geht um die Anwendung von Heilstrategien im Alltag. Ayur (= Leben) und Veda (=Wissenschaft) bedeuten also: Lebenswissenschaft. Wir können Ayurveda auch eine Erfahrungsheilkunde nennen, basierend auf Naturbeobachtungen und der Anwendung der daraus gemachten Erfahrungen. Im Ayurveda geht es um qualitative Wahrnehmung und den daraus entspringenden Dynamiken.

Zur Bewältigung der an uns täglich gestellten Herausforderungen bedarf es eines grundlegenden Verständnisses von Zusammenhängen und einer entsprechenden Sensibilität. Das zu entwickeln ist Bestandteil unserer menschlichen Evolution. Der Mensch, verbunden mit dem Kosmos, “ver-menschlicht” sozusagen die Elemente (Erde, Wasser, Feuer, Luft und Äther) auf seine ganz eigene Art und Weise. Aus den Elementen entstehen die Doshas (physio-energetische Grundsysteme) mit entsprechenden Dynamiken, die entweder Gesundheit oder Krankheit erzeugen. Es hängt davon ab, wie bewusst wir mit diesen Doshas in Beziehung treten. So geht es im Ayurveda prinzipiell darum, ein Verständnis für die Qualitäten der Lebensvorgänge in uns und um uns herum zu entwickeln. Auf diesen Erkenntnissen aufbauend, können wir dann korrigierende und ausgleichende Maßnahmen einleiten, um uns zurück ins Gleichgewicht zu bringen. Dieses Wissen ermöglicht uns also, künstlerisch an unserer täglichen “Selbstgestaltung” mitzuwirken. In diesem Prozess finden wir auch einen Zugang zu unseren Selbstheilungskräften und somit zu unserer Kraft. In unserer Zuwendung zur Natur und allem Leben gegenüber entsteht jetzt Erkenntnis.

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Worin besteht nun die gegenseitige Ergänzung von Ayurveda und Aromatherapie?
Ayurveda besitzt die Fähigkeit, sich grundsätzlich mit jeder Art von Heildisziplin zu verbinden. Es geht nicht um eine befürwortende oder ablehnende Haltung zu bestimmten Heilmethoden, das wäre eine zu reduzierte Betrachtung. Es geht, wie bereits erwähnt, um Qualitäten. Jeder Gegenstand, jede Handlung, jeder Gedanke, jede Emotion usw. reflektieren eine Qualität. Daraus ergibt sich ein “Puzzle” von Einzelaspekten, die zusammen ein Bild formen. Dieses Bild ist eine Reflektion all unserer Lebensqualitäten und somit unserer selbst. Wie sehr sich dieses Bild nun mit unserem jeweiligen Körpertyp deckt, bestimmt letztendlich unseren eigenen Gesundheitszustand. Mit anderen Worten: je mehr wir gegen unsere Grundkonstitution, unseren Grundtypus leben, umso mehr müssen wir mit einer Verminderung unserer Lebensqualität und Lebensdauer rechnen.

In dem oben beschriebenen Heilungsprozess und auch in der Prävention können uns ätherische Öle ausgezeichnete Unterstützung leisten. Es gibt Überlieferungen darüber, dass ätherische Öle schon vor mehreren Jahrtausenden in Indien, China, Ägypten und Persien zu Heilzwecken angewendet wurden. Allein im neuen und alten Testament gibt es über 200 Referenzen in bezug auf ätherische Öle, Weihrauch und Einsalbungen. Es wird weiter berichtet, dass schon im 12. Jahrhundert um die 50 ätherischen Öle auch in Deutschland destilliert wurden. Mit Beginn des 20. Jahrhunderts wurde die Anwendung von ätherischen Ölen durch allopathische Medizin verdrängt. Durch Dr. Rene-Maurice Gattfosse (französischer Chemiker) und sein persönliches Erleben der Wirksamkeit von ätherischen Ölen wurde dann der Begriff Aromatherapie geprägt.

Im Ayurveda werden ätherische Öle grundsätzlich dem Feuer, der Luft und dem Äther zugeordnet. Das beruht auf der Tatsache, dass diese Elemente eine leichte Qualität besitzen und sich somit auch leicht verflüchtigen, setzt man sie der Atmosphäre aus. Sie tendieren daher auch dazu, eher austrocknend zu wirken. Aufgrund ihrer starken physiologischen Wirkung werden sie häufig auch als “Lebensblut” der Pflanze bezeichnet. Ihre Flüchtigkeit gibt ihnen die ganz besondere Fähigkeit, tief in Körpergewebe eindringen zu können und somit schnell wirksam zu sein. Die Aromatherapie kann daher nicht nur bei chronischen, sondern auch bei akuten Prozessen sehr erfolgreich eingesetzt werden.

Es sei kurz erwähnt, dass es sehr große Qualitätsunterschiede in der Aromatherapie gibt, basierend auf der Art der Herstellung der Öle (Destillationsdauer, -druck, und -temperatur). Dies macht Destillation zu einer wissenschaftlichen Kunst. Außerdem gibt es etliche chemische Zusatzstoffe, die benutzt werden, um ätherische Öle zu “strecken”. Das birgt gesundheitliche Gefahren in sich; und es soll an dieser Stelle davor gewarnt werden, solche Öle zu benutzen. Es ist also wichtig, sich ausgiebig über die Qualität von ätherischen Ölen zu informieren. AFNOR Standards (Association French Normalization Organization Regulation) stehen für therapeutische Qualität und stellen somit einen guten Bezugspunkt dar, wenn man therapeutisch qualitative ätherische Öle erwerben möchte.

Ätherische Öle werden von den Pflanzen als Hormone für Wachstum und Fortpflanzung verwendet, außerdem als Geruchssignale für Insekten, als Abwehrmechanismen gegen Beutetiere, Viren, Bakterien und Pilze – um nur einige Aufgaben zu nennen. Es handelt sich dabei um eine immense Komplexität an biologischen Prozessen, die vom Menschen bisher nur in Ansätzen erklärbar sind. Die Affinitäten bestimmter ätherischer Öle zu bestimmten Regulationsmechanismen im menschlichen Organismus werden jedoch immer offensichtlicher, gerade in unserem Zeitalter, wo wir immer noch nicht in der Lage sind, Lösungen für lebensbedrohliche Krankheiten wie den Ebola-Virus, den Hanta-Virus, AIDS, HIV und Formen von Tuberkulose und Grippe zu finden. Hier bietet die therapeutische Anwendung von Aromatherapie hervorragende unterstützende Möglichkeiten.

Vom ayurvedischen Standpunkt aus wirken ätherische Öle besonders auf Prana (Lebenskraft), in der Reinigung der Kanäle (Scrotamsi), zur Ausgeglichenheit der Energiezentren (Chakras), zur Stärkung der Aura und der Essenzenergie (Ojas), zur Neutralisation von negativen Emotionsmustern und mentalen Blockaden sowie unterstützend in der Meditation. Ätherische Öle finden so in verschiedenen ayurvedischen Heilmethoden hervorragende Verwendung.

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