Schau nur, wie diese Dame Hindernisse überwindet - gelassen, cool, anmutig. Sie hat keine festen Verhaltensmuster. Reagiert der jeweiligen Situation entsprechend. Sie hat mich seit jeher inspiriert und ich hab viel von ihr gelernt.«
Ich stand neben dem Ingenieurstudenten aus Hyderabad in Südindien, als er mir seine Bewunderung für sie mitteilte. Doch alles, was ich sehen konnte war ein Fluss - der Ganges, der über die Felsbrocken in seinem Weg hüpfte, wirbelte, tanzte oder sie mit einer sanften Umarmung umströmte. Die Ganges-Mutter (Ganga Ma), wie sie in Indien genannt wird und die als junge, hübsche Frau mit langem, fließenden Haar auf den zum Verkauf angebotenen Postern dargestellt wird, blieb meinem westlich geprägten Geist verborgen. Es machte mich nachdenklich, wie selbstverständlich der Student, 21 Jahre jung und kein Dichter, über die ‚lady‘ sprach und dem Ganges damit Lebendigkeit verlieh, die wir normalerweise für Menschen und Tiere reservieren. Danach kam es mir fast so vor, als ob ‚sie‘ tatsächlich nicht nur hüpft, wirbelt und tanzt, sondern das alles genießt, sich über ihr Dasein freut.
Wir standen in Gangotri, 3140 m hoch im Himalaya nahe an der tibetischen Grenze. Gangotri ist ein Pilgerort und beliebtes R