Ihr Atem verlangsamt sich. Etwa ein Atemzug pro Minute. Alles ist still und friedlich, wir stehen zu fünft am Bett meiner Großmutter. Keiner sagt etwas, klassische Musik läuft im Radio, die Schwestern haben das Licht ausgemacht, die Uhren umgedreht, Spiegel verhängt und Fenster geöffnet. Der Atem meiner Großmutter wird immer langsamer und hört dann ganz auf. Es ist kein Ende des Atems, sondern eher so, als würde der Atem aus dem Körper heraus fließen.
Noch nie vorher haben wir jemanden sterben sehen, wir kamen voller Unsicherheit, ohne zu wissen, was passiert. Alles scheint wie inszeniert und vollkommen, als hätte meine Großmutter darauf gewartet, auf diesen meditativen Moment, wir alle bei ihr, Uhren verdreht und offenes Fenster, um zu sterben. Wir sind verwundert, wie einfach und natürlich das Sterben ist, und sehr froh, dass wir bei ihr sind. Ihr Körper bleibt zurück wie eine leere Hülle, die Energie des Atems geht hinaus aus dem geöffneten Fenster, in einen anderen Zustand, den wir nicht kennen.
Atmung i