Täusche es vor bis Du es kannst. Oder warum das Natürlichste auf der Welt wieder mühsam erlernt werden muss
Am Tag, als ich zum Lachyoga gehe, ist mir nicht nach Lachen zumute. Das kümmert die Seminarleiterin nicht. Sie lacht schon zur Begrüßung so sehr, als hätte ich ihr einen Witz erzählt. Ob das ein echtes Lachen ist oder nicht, kann ich nicht sagen. Spielt auch keine Rolle. Beim Lachyoga wird gelacht, ob es was zu lachen gibt oder nicht. Das Prinzip lautet: Fake it, fake it, as long as you make it.
Die wissenschaftliche Erforschung des Lachens nennt sich Gelontologie, abgeleitet von dem griechischen Wort Gelos = Gelächter. Sie wurde 1964 ins Leben gerufen, als der Wissenschaftsjournalist Norman Cousin an einer Wirbelsäulenentzündung erkrankte und beschloss, fröhlich zu sterben. Er mietete sich ein Hotelzimmer, lachte so viel wie er konnte und stellte fest, dass zehn Minuten Lachen ihn für drei Stunden von seinen Schmerzen befreiten. Cousin lachte sich von seinen Schmerzen frei und seine „Wunderheilung“ wurde bezweifelt, doch einige Mediziner begannen, die Wirkungen des Lachens genauer zu erforschen. Sie brachten Versuchspersonen zum Lachen und untersuchten deren Blutwerte während und nach dem Lachen. Das Ergebnis war erstaunlich: Die Produktion der Abwehrkräfte verstärkte sich beim Lachen und danach. Es konnte wissenschaftlich nachgewiesen werden, dass Lachen eine unmittelbare Auswirkung auf das Immunsystem hat. Weitere Experimente ergaben, dass Lachen tatsächlich Schmerzen lindern kann.