Langsam aber sicher ist vielerorts der Präsenzunterricht in Yogastudios wieder möglich. Endlich! Wie sehr sehnten wir uns nach Monaten des Lockdowns nach dem gemeinsam Fließen in einer schönen Shala. Nichtsdestotrotz: Corona hat vieles verändert und wir werden uns auch zukünftig noch mehr mit diesen Veränderungen anfreunden müssen. 

Online Yogaunterricht – eine Wissenschaft für sich

Während des Lockdowns haben viele Yogis (zwangsweise) den online Yogaunterricht für sich entdeckt. Manche blühten drin auf und genossen das bequeme Unterrichten von zu Hause aus. Für andere war es der blanke Horror. Aber auch wenn alle auf digitalen Yogaunterricht setzten, so längst nicht alle professionell rüber. Denn online gut rüberkommen – das ist eine Wissenschaft für sich.

Genau aus diesem Grund hat Stimmexpertin Eva Loschky 7 wichtige Fragen rund um den online Yogaunterricht beantwortet und 9 wertvolle Tipps, wie du online gut rüberkommen kannst. Auch wenn es jetzt zurück in den Präsenzunterricht geht: Vielleicht planst du ja, perspektivisch mal einen Onlinekurs aufzunehmen und dein Wissen auf die digitale Art und Weise zu teilen.

Online gut rüberkommen – 9 Tipps für deinen digitalen Auftritt

Durch die Pandemie sind viele Yogalehrer darauf umgestiegen, online zu unterrichten. Worauf muss man achten, wenn man Körperübungen anleitet online?

Der Ton macht die Musik – online noch mehr als offline! Wenn sich die Yogaübenden heute statt in der wohltuenden sinnlichen Atmosphäre eines Yogastudios online z.B. via Zoom treffen, reagieren die Teilnehmer:innen besonders auf die Stimme des Yogalehrers, der Yogalehrerin. Eine angenehme wohltuende Stimme öffnet die Ohren und Herzen der Teilnehmer:innen. Einer solchen Stimme zuzuhören, ist der erste Entspannungsmoment für sie. Eine durch ein schlechtes Mikrophon verzerrte Stimme hingegen provoziert über die Reaktion der Spiegelneurone blitzschnell körperliche Abwehrreaktionen. Der Muskeltonus steigt. Die Bereitschaft fürs Üben sinkt – auf der unbewussten Ebene.

Die integrierten Mikrophone der PCs, Smartphones oder Tablets reichen nicht aus, wenn Du etwas weiter weg vom Gerät bist. Dann braucht man ein externes Mikrophon. Ich bevorzuge für meine online StimmSeminare ein drahtloses Mikrophonsystem zusammen mit einem kleinen Lavaliermikrophon zum Anstecken. So habe ich volle Bewegungsfreiheit und werde gut gehört, wo immer im Raum ich bin. Eine Grundvoraussetzung für eine gute Stunde!

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Tipp 1: Benutze unbedingt ein externes Mikrophon. Checke den Ton vor dem Unterricht!

 

Gibt es auch hinsichtlich der Kleidung Empfehlungen?

Wenn wir kleingemusterte Kleidung tragen, dann flirrt das Muster auf dem Bildschirm und stört die Ruhe beim Mitmachen – wiederum unbewusst.

Tipp 2: Vermeide Muster im Stoff – schaffe Klarheit in der Kleidung

 

Wie steht es um die Körpersprache des Yogalehrers? Wie sollten Lehrer:innen eine Stunde beginnen? Es heißt, dass die ersten Sekunden ausschlaggebend sind, oder? Worauf sollte hier besonders geachtet werden?

Wir können die Körpersprache online schwerer erfassen als offline. Wir vermissen außerdem die Lebendigkeit und Energie unseres Zusammentreffens im Studio, das „nonverbale Eingrooven in den Unterricht“ entfällt.

Deshalb empfehle ich dir, dich auf den online Unterricht technisch, energetisch und stimmlich vorzubereiten, damit du punktgenau in Deiner Kraft bist:

Tipp 3: Prüfe, ob die Beleuchtung Dich „in gutem Licht erscheinen“ lässt.

Tipp 4: Bringe vor dem Unterricht Deinen Atem, Deine Stimme, Deine Energien auf Trab, indem Du Deine Hände in alle Richtungen ausschütteln als wolltest Du Wassertropfen abschütteln. Ende mit einem großen „Igitt“ Kopfschütteln, welches den ganzen Körper erfassen darf! Gib dazu laut Stimme: „brrrrrrrrh“.

Tipp 5: Entspanne bewusst den Bauch, bevor Du anfängst zu sprechen. Denn Stress, Druck und Emotionen schnüren Deinen Becken- und Bauchraum zusammen.

 

Ist es sinnvoll, die Hände beim Sprechen viel zum Einsatz zu bringen oder ist es eher störend?

Unsere Körpersprache kann die Botschaft unserer Worte unbewusst sabotieren. Ist sie kongruent mit unseren Inhalten, überzeugen wir. Druck, Stress und Emotionen ändern unsere Körperlandschaft blitzschnell. Wenn z.B. ein Yogalehrer, eine Yogalehrerin, eine Entspannungsübung anleitet und dabei in der Körpersprache von Stress ist, sendet er/sie eine doppelte Botschaft aus. Die Schüler sind verwirrt und kommen dadurch nicht in den vollen Genuss der Übung – und zwar auf der unbewussten Ebene. Diesem komplexen Thema widme ich ein ganzes Modul in meinem StimmCamp.

Tipp 6: Wenn Du stehst und nicht sprichst, lass die Knie locker, entspanne Bauch und Beckenboden – übe damit die Körpersprache von Vertrauen, Offenheit und Stärke!

 

Nun zur Sprache: Kannst Du hier drei grundlegende Tipps geben, um die eigene Stimme zu stärken?

Da sehe ich eine große Herausforderung für alle, die Yoga oder Fitness unterrichten: Mitzumachen und gleichzeitig anzuleiten. Die Übung verlangt z.B. eine Aktivität der Muskulatur des „Powerhouse“, die Einatempause beim Sprechen fordert das Gegenteil. Dieser Widerspruch zwischen Muskelaktivität bei der Asana und beim Sprechen kann zu einer Überlastung deiner Stimme oder auch zu einer etwas gepressten, zu lauten oder zu hohen Stimme führen.

Achte deshalb darauf, dass du „echte“ Sprechpausen machst beim Anleiten. Pausen, in denen du – auch, wenn die Asana eine andere Körperaktion verlangt!!! – die Muskulatur deines Beckenbodens und den musc. transversus abdominis, den großen queren Bauchmuskel, entspannst. Denn diese Muskulatur bildet zusammen mit dem Zwerchfell und der inneren Rückenmuskulatur eine „inner unit“ – sie sollten gut zusammen arbeiten. Arbeiten sie gegeneinander, entstehen Rückenschmerzen und Stimmprobleme. Nur, wenn du diese Muskulatur beim Einatmen in der Sprechpause entspannst, kann das Zwerchfell nach unten gehen. Dadurch kann Luft durch deinen in der Sprechpause leicht geöffneten Munde reflektorisch und lautlos in die Lunge einströmen. Deine Stimmlippen entspannen. Das zu lernen, ist die Grundlage einer guten Stimme.

Tipp 7: Mache bewusst immer wieder Sprechpausen. Lasse den Satz im Raum verklingen. Schiebe nichts hinterher. Genieße die Wirkung und entspanne gleichzeitig auf Körperebene Bauch- und Beckenboden und im Stehen die Knie!

 

Worauf ist grundlegend zu achten, wenn online unterrichtet wird?

Die Kunst beim Onlineunterrichten besteht darin, Nähe im virtuellen Raum zu schaffen, Beziehung aufzubauen. Uns gegenseitig nicht mit allen Sinnen wahrnehmen zu können, vermissen wir in dieser Zeit alle schmerzlich. Dadurch kann ein Gefühl von Distanz bis hin zu innerlicher Leere durch einen Online-Tag entstehen. Die Onlinemüdigkeit nimmt zu, weil echte Beziehung fehlt. Deshalb:

Tipp 8: Öffne deinen virtuellen Raum 15 Minuten vor Beginn. Nimm dir die Zeit, begrüße jede:n Teilnehmer:in mit Namen, pflege einen kleinen Smalltalk.

Tipp 9: Wenn möglich: Sprich den/die Teilnehmer:in während des Übens mit Namen an, biete ihr:m eine kleine Korrektur oder ein positives Feedback auf das, was sie/er tut, an. Dadurch entsteht eine lebendige und persönliche Atmosphäre.

 

Atem und Stimme gehören eng zusammen. Welche Übungen sind gut, um die eigene Stimme zu stärken?

Lass mich zum besseren Verständnis einen kleinen Ausflug in die Stimmphysiologie machen:

Unser Hauptatemmuskel, das Zwerchfell, ist mit der Lunge untrennbar verbunden. Wenn wir einatmen, geht das Zwerchfell nach unten und nimmt die Lunge mit. Es entsteht ein Vakuum, Luft strömt ein. Damit das Zwerchfell sich nach unten bewegen kann, müssen sich Beckenboden-, Bauch- und Rückenmuskultur in der Einatempause entspannen.

Wenn wir ausatmen oder Stimme geben, geht das Zwerchfell nach oben, unterstützt von der Muskulatur der „inner unit“, also von Beckenboden, musc. transversus abdominis und der Rückenmuskulatur. Dieses Powerhause baut beim Sprechen Spannkraft auf, die es in der Einatempause wieder löst.

Wenn wir sprechen, versetzt die Ausatemluft die Stimmlippen in der Kehle in Schwingung. Dadurch wird sie in Schallwellen umgewandelt, in den Klang deiner Stimme.

Gelingt der Wechsel zwischen Aufbau von Spannkraft während des Sprechens und Entspannung in der Sprechpause, bleibt die Stimme gesund, klangvoll, kräftig und belastungsfähig. Deshalb ist eine große Herausforderung für alle, Asanas oder Übungen anzuleiten, mitzumachen und gleichzeitig zu sprechen.

 

Online gut rüberkommen: 3 Impulse für dich 

Zum Abschluss möchte ich dir drei Impulse geben für deinen stimmlichen Weg, den du auch gemeinsam mit mir live in meinem StimmCamp – einem online Intensivtraining über 8 Wochen – gehen kannst:

Übung 1:

Setze dich aufrecht hin, lege eine Hand auf deinen Unterbauch, entspanne deinen Bauch vollständig. Sage jetzt das Wörtchen >ich< mit einem langgezogenen, immer intensiver werdenden >chchchchchchchch<. Beobachte, wie sich dein Bauch nach innen zieht. Öffne den Mund, entspanne den Bauch und lasse frischen Atem einströmen. Mache das täglich 5x und vor jeder OnlineSession.

 

Übung 2:

Checke mehrmals täglich, z.B. wenn du jemanden zuhörst oder wenn du vor dem Computer sitzt, ob dein Bauch dabei entspannt ist. Wenn nein, dann lass ihn einfach los!

 

Übung 3:

Bevor du anfängst zu reden, entspanne den Bauch und atme aus. Danach legst Du los. Mach Sprechpausen und entspanne in der Pause bewusst den Bauch.

 

 

© Eva Loschky – Stimmtrainerin

Wenn Du Eva Loschky – die übrigens selbst Iyengar Yoga übt – und die Loschky-Methode® persönlich und unverbindlich kennenlernen möchtest, dann kannst du sie online in einer Live Infoveranstaltung erleben. Hier entdeckst du die physiologische Basis für deine klangvolle Stimme und trainierst sofort praktisch. Du kannst ihr außerdem alle Fragen stellen, die dich zum Thema Stimme bewegen. 

 

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