Wieder hat ein großer Meister seine körperliche Hülle verlassen: T.K.V. Desikachar, geboren 1938 in Mysore, ist am 8. August 2016 im Alter von 78 Jahren verstorben.

Mich persönlich berührte der große Yogameister mit seinem Buch „Über Freiheit und Meditation – Das Yoga Sutra des Patanjali“ sehr tief. Seit seinem Erscheinen im Jahr 2006 habe ich es immer und immer wieder zur Hand genommen und so viel Inspiration aus den Kommentaren Desikachars ziehen können – wofür ich zutiefst dankbar bin. Für mich wird er in dieser Schrift weiterleben.

Sohn eines bedeutenden Vaters

Ein tiefes Verständnis von Yoga hat Desikachar sozusagen mit der Muttermilch aufgesogen, da er als Sohn des großen Meisters und „Vater des modernen Yoga“ T. Krishnamacharya geboren wurde. Er versuchte sich allerdings zuerst im Ingenieurwesen zu etablieren, bevor er zum Schüler seines Vaters wurde. Yoga berührte ihn zutiefst und er wollte das, was er durch die Praxis erfuhr an andere Menschen weitergeben. 1976 gründete er ein Yogazentrum im südindischen Chennai (Krishnamacharya Yoga Mandiram), das seitdem Menschen aus aller Welt anzieht, die ihr Wissen über Yoga vertiefen möchten.

Yoga als Therapie

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Desikachar wollte Yoga zu einer allgemein verständlichen Praxis herunterbrechen und tat dies z.B. indem er Strichmännchen zeichnete, um die Asanas zu erklären. Er gehörte zu den ersten Yogalehrern, die die umfassende therapeutische Bedeutung von Yoga herausarbeiteten, u.a. indem er Viniyoga entwickelte. Dadurch gelang es ihm, eine Brücke zur Allgemeinmedizin zu bauen und Yoga zu einer Disziplin zu machen, die auch von Seiten der Wissenschaft Anerkennung erhielt.

Obwohl er einen so großen Beitrag für die Verbreitung von Yoga geleistet hat, hätte er dies niemals für sich selbst beansprucht. Demut und Bescheidenheit kennzeichneten ihn aus. Er brachte zahlreiche große Yogalehrer hervor. Einer davon ist R. Sriram, der im Sinne Desikachars weiterwirken wird.

Wenn wir seinem Yogaweg folgen, werden wir erkennen, dass die Seele eines Menschen unsterblich ist und immer weiterleben wird.

 

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Doris Iding
Doris Iding ist Ethnologin, Yoga-, Meditations- und Achtsamkeitslehrerin sowie Autorin mit Schwerpunkt Integration östlicher Heilverfahren in den Westen und bewusstseinsverändernde Techniken. Ihr besonderes Interesse gilt der Vermittlung eines neuen Bewusstseins, bei dem der Mensch nicht mehr dogmatisch an alten Traditionen und Lehren festhält, sondern sich dafür öffnet, dass alles miteinander verbunden ist. In ihren Artikeln und Seminaren vermittelt sie auf leichte und spielerische Weise, wie wir entspannt, achtsam und wohlwollend zu uns selbst finden können. Vierzehn ihrer Bücher wurden in andere Sprachen übersetzt.