Die Herausforderungen auf dem Yogweg sind vielfältig. Manchmal sind sie sogar sehr unterhaltsam. So wie die folgende Anekdote von Yogalehrer Marc Witfeld – augenzwinkernd erzählt er uns von der Herausforderung, als Mann eine schöne, gut sitzende Yogahose für sich zu finden 😉 :

„Höchste Eisenbahn, denke ich, beim Blick auf meine Yogahose. Der Stoff am Po und an den Oberschenkeln ist gefährlich dünn geworden, die Knie abgeschabt  und  etwas ausgebeult und das kleine Loch im Schritt  habe ich notdürftig geflickt. Es gilt der Wahrheit in die Augen zu schauen: Ich brauche eine neue Yogahose und zwar mit einer gewissen Dringlichkeit.
Das kann ja heiter werden, denke ich, während mich ein etwas mulmiges Gefühl beschleicht und ich spreche da durchaus aus Erfahrung. Diesen Augenblick habe ich schon seit geraumer Zeit kommen sehen. Bei meiner letzten Fortbildung vor gut zwei  Jahren  in einem der größten  Yoga-Seminarhäuser Europas hatte ich mir schon vorausahnend einen Ruck gegeben. Im dortigen Yoga-Shop fand ich neben einer großen, bunten und interessanten  Auswahl für yogabegeisterte Frauen eine Bescheidenere für uns Männer: ein paar T-Shirts gab es und eine Yogahose mit Stretchbund (!), die es lediglich in einer Einheitsgröße gab.
Ich schlüpfte also etwas widerwillig hinein, darauf achtend, die Hose nicht zu hoch zu ziehen (lieber knapp über der Hüfte als kurz unterm Bauchnabel), und betrachtete mich eingehend im Spiegel: die Taschen wie kleine Eselsohren etwas zu weit abstehend und mein Po in der Weite der Hose nicht auffindbar. Dafür Bio-Baumwolle. Durch ein robustes Bändchen war die Hose schnell meinem Bauchumfang angepasst.
„Kaufen!“, sagte ich zu mir selbst. „Du weißt doch, Marc, wie aufwendig es ist, etwas Anständiges zum Anziehen zu finden. Nur Verrückte streben nach Perfektion!“

Seitdem liegt die Hose sorgfältig gefaltet und bisher ungetragen in meinem Schrank. Ab und zu nehme ich sie heraus und ziehe sie an, um heraus zu finden, ob sich eventuell wie durch Zauberhand der Hosenschnitt irgendwie verändert haben könnte.  Da dem nicht so ist, lege ich sie wieder ordentlich in den Schrank zurück – bis zum nächsten Anprobieren. Meine Kolleginnen haben es da eindeutig besser. Die große Auswahl für Frauen macht es leicht, etwas Ansprechendes zu finden. Sie tragen entweder weiche, fließende Stoffe, welche den Körper umschmeicheln und jeder Bewegung Leichtigkeit und Anmut verleihen. Oder – wenn sie es sich leisten können – tragen sie hautenge Leggings und genießen mit unschuldigem Blick ihre sportlich-knackige Ausstrahlung.
In den einschlägigen Yogamagazinen sehe ich zuweilen durchtrainierte Männer mit freiem Oberkörper und ganz eng sitzenden Shorts, die knapp unter den Pobacken enden. In der Regel werden sie nie von vorne fotografiert und dreimal dürfen wir raten, warum. Zu gewagt für mich, denke ich, könnte mich selbst und  meine TeilnehmerInnen in den Yogastunden vom Wesentlichen ablenken.

Die Zeit drängt, denn ich mag mich selbst  schon seit einiger Zeit nicht mehr in meiner alten  Yogahose sehen. Wann immer möglich, streife ich durch die Sportabteilungen der Kaufhäuser und finde dort alle möglichen und unmöglichen Jogging- und Trainingshosen: in der Regel viel zu warm, viel zu viel Synthetik (wenn auch laut Hersteller „atmungsaktiv“ ), oft mit merkwürdigen Innenhosen ausgekleidet und mit übergroßen Aufschriften versehen. Man stelle sich einen  „erwachenden“ Yogalehrer in einer  ausgebeulten Jogginghose mit der Aufschrift „US-Army“ vor.  Geht einfach nicht!

Nicht suchen, sondern finden, heißt es so schön und ich überlege, ob ich es nicht einmal flankierend mit einer Affirmation versuchen sollte, wie zum Beispiel: „Ganz mühelos findet jetzt meine Traum-Yogahose ihren Weg in mein Leben. Alles geht ganz leicht.“

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Die (wenigen) Männer, die in meinen Yogastunden auftauchen, sind  – ich bitte für  diesen kleinen Seitenhieb um Verzeihung – in der Hosenfrage leider auch nicht sehr inspirierend für mich. Die allermeisten scheinen ihre Suche aufgegeben (falls sie überhaupt gesucht haben!) und sich ihrem Schicksal gefügt zu haben: Es schlabbert gewaltig um die Männerbeine und irgendwie sehen wir Männer in unseren Hosen alle etwas „unbeholfen“ aus. Dabei würden wir doch auch auf der Yogamatte so gerne Kompetenz und elegante Souveränität ausstrahlen.

Wahrscheinlich wird mir in den nächsten Wochen bei einer dynamischen und sehr raumgreifenden  Bewegung die Hose „unerwartet“ plötzlich reißen oder sie wird mir „wie aus heiterem Himmel“ einfach vom Hintern fallen. Dann stehe ich da mit meinem kurzen Hemd. Und um nicht in Unter- oder Jeanshose unterrichten zu müssen, werde ich dann doch notgedrungenerweise  die Baumwollhose mit den kleinen Eselsohren  herauskramen und anziehen müssen. Dabei wollte ich das doch sowohl mir als auch meinen TeilnehmerInnen ersparen.
Ach egal!  Sollte im Yoga nicht allein das Wesentliche zählen?“

 

 

 

 

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