Eva Haak, Yogalehrerin, Grafikerin und Illustratorin, hat ein lustiges Buch über ein ernstes Thema verfasst: „Katastrophen-Yoga“ will uns auf charmante Art und Weise darauf aufmerksam machen, wie wir Yoga besser nicht üben sollten, wenn wir gesund bleiben möchten. Denn die Praxis soll keine Leidenschaft werden, die „Leiden schafft“. Und mit Erleuchtung ist ganz bestimmt nicht die „Durchleuchtung“ beim Röntgen gemeint.

Katastrophen-Yoga zeigt nicht nur, welche Asanas besonders riskant sind, wenn sie unachtsam, zu früh oder falsch geübt werden, sondern gibt auch wertvolle Tipps zur Risiko- und Verletzungsvermeidung. Und weil Anatomieunterricht manchen nur ein gelangweiltes Stöhnen entlockt oder für noch mehr Verwirrung sorgt, vermittelt die Autorin ihre Inhalte mit einfachen Worten und einem Augenzwinkern. Zudem ist das Buch mit zahlreichen witzigen Illustrationen versehen, die Eva Haak selbst gezeichnet hat. So können auch Anfänger sofort verstehen, auf was bei den einzelnen Übungen zu achten ist und wie man den Yogaweg am besten weitergeht, damit er einen nicht in die nächste Krankenhausambulanz oder zum Bandscheibenvorfall führt.

Ein Beispiel aus dem Buch:

Katayoga

Katayoga2

 

 

Wir waren neugierig, was Eva Haak zum Schreiben und Zeichnen bewegt hat – und haben nachgefragt.

Interview

Was hat dich bewegt, dieses Buch zu schreiben?
Im ersten Jahr der Yoga-Lehrausbildung klappte mir im Fach Anatomie dauernd der Unterkiefer runter: „Was??? So ist das also mit dem Knie, mit der Schulter, mit dem Rücken?!! Warum in drei Gottes Namen sagt einem das keiner, bevor man Yoga macht? Und überhaupt – das sollte doch zur Allgemeinbildung gehören!“
Tut es aber nicht. Es gehört auch leider nicht zu jeder Yogalehrer-Ausbildung. Wir hatten ein Riesenglück mit Anna Trökes, Doris Echlin und Günter Niessen. Als die Lehrausbildung sich dem Ende näherte, hatte ich Lust, allen Leuten aus der Gruppe zum Abschied etwas Lustiges zu schenken. So entstanden die Zeichnungen.
Dann verletzte sich eine Verwandte beim Yoga durch Halasana, den Pflug. Das gab den Anstoß für ein richtiges Buch. Denn ich möchte nicht, dass jemand durch Yoga-Asanas krank wird.

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Was ist dein Anliegen?
Vor einigen Jahren erklärte mir der Leiter einer großen deutschen Yogaschule, dass ein Bandscheibenvorfall und die damit verbundenen Schmerzen und Einschränkungen einen Schüler auf dem Weg zur Erleuchtung ein ganzes Stück voranbringen können. Und dies sei ja das Ziel des Yoga: die Erleuchtung. Es sei sowieso Karma, wenn du dich verletzt. Okay, so kann man das auch sehen. Ich persönlich möchte dieses Erdendasein mit möglichst gesundem Körper erleben – und Yoga. Und das wünsche ich auch allen meinen Schülerinnen und Schülern.

Hast du dich selbst jemals beim Yoga verletzt?
Ja. Meine mir bis dato unbekannte Schwachstelle war die rechte Schulter. Das merkte ich schmerzhaft nach einem tollen Sommer voller Sonnengrüße. Deshalb habe ich das „Durchtauchen in die Bauchlage“ in meinem Buch auch als KATA-Übung beschrieben. Eine Physiotherapeutin erklärte mir damals den Zusammenhang. Ich mache den Sonnengruß jetzt anders. Die Schmerzen im rechten Arm hielten über ein Jahr lang an. Das möchte ich nicht noch einmal erleben und wünsche das auch niemandem.

Welche Empfehlungen möchtest du Anfängern mit auf den Weg geben? Was tun, wenn alle im Yogaunterricht eine Haltung üben und man selbst merkt, dass man überfordert ist/an Grenzen kommt/Schmerzen hat?
Wenn du mit Yoga starten möchtest, frage dich zunächst ganz ehrlich: Warum will ich das machen? Wenn dabei herauskommt, dass du Yoga als Sport mit anschließender Entspannung betreiben willst – okay. Dann kannst du gnadenlos alles mitmachen und Sportverletzungen gehören einfach dazu. Dein Ziel ist dann eben, unbedingt auch einen Skorpion oder eine Krähe oder was auch immer zu schaffen, egal ob das für dich gesund ist oder nicht.

Wenn du Yoga üben möchtest, um deinen Geist zu beruhigen und zu entwickeln und dabei deinen Körper geschmeidig und gesund erhalten möchtest, damit er deine Entwicklung lange als treues Gefährt unterstützen kann, dann nimm mit jedem neuen Lehrer am besten VOR dem Unterricht Kontakt auf.
Teile ihm deine dir bekannten körperlichen Voraussetzungen und deine beruflichen Belastungen mit. Im besten Fall hat er dann ein paar wertvolle Hinweise für dich parat.
Kläre mit ihm ab, dass du möglicherweise bei einigen Übungen vor den anderen Mitübenden aufhören wirst und dass du in deinen Ruhepausen nicht gestört werden möchtest.
Bitte ihn, dich im Unterricht zunächst nur mit Worten zu korrigieren, nicht mit den Händen – oder wenn, dann nur durch Handauflegen ohne Druck.

Auch wenn du Einsteiger bist: Gehe selbst-bewusst in die ersten Yogastunden. Sei dir sicher: Nur du selbst spürst, wenn dir etwas zuviel wird. Höre auf die Botschaften, die dir dein Körper sendet – beim Yoga und danach. Sie sind die Wahrheit. Und was ich allen Anfängern natürlich noch rate: Lest mein Buch! Besonders den zweiten Teil.

Vielen Dank für das Gespräch!

 

79E477AB61A0F1AE63C34E9A70E0C8ACWeiterlesen:
Eva Haak: Katastrophen-Yoga – Wie Du beim Yoga gesund bleibst, Verlag Antje Kunstmann 2016, EUR 14,95, ISBN 978-3-95614-102-7

 

 

57BD07F9377BC180581073C2F75CE2E7Eva Haak ist seit über zwölf Jahren Yogalehrerin und arbeitet als Grafikerin. Sie hat an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee Angewandte Grafik studiert und war u.a. Aerobictrainerin und Greenpeace-Aktivistin. Inzwischen lebt sie mit ihrer Familie im Spessart. www.eva-haak.de

 

 

 

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Buneru Yoga

Ein wertvolles Buch ! Lange überfällig. Ich habe auch lange gebraucht um Sinn und Unsinn in der Yogapraxis unterscheiden zu können. Danke