Enthaltung von Sinnlichkeit

Im klassischen Yoga versteht man darunter, dass man mit seinen sinnlichen Gelüsten – und insbesondere seiner Sexualität – ganz bewusst umgeht. Man misst der Energie, die während des Geschlechtsverkehrs freigesetzt wird, eine große Kraft bei, die, wenn sie richtig transformiert wird, im Sinne des Yoga sexuelle Kraft in spirituelle Kraft transzendiert. Im Sinne des Yoga wird darunter verstanden, dass man mit seiner Sexualität am Arbeitsplatz bewusst umgeht. Sexuelle Belästigung ist auch heute noch ein großes Thema in Betrieben und Büros, die dadurch entsteht, dass Menschen ihre sexuellen Gelüste und Triebe nicht kontrollieren können. Gelingt es dir also, entsprechend damit umzugehen, so kannst du auch diese Kräfte zum Wohl des einzelnen und der Firma oder für die Realisation eines Projektes einsetzen.

Im Yoga wird aber auch darunter verstanden, dass man am Arbeitsplatz kein Verhältnis mit seinem Chef, einem verheirateten Arbeitskollegen oder einem Kunden eingeht, wenn man selbst in einer Beziehung lebt. Solche unklaren Verhältnisse bringen früher oder später Schwierigkeiten mit sich, da sie dich und den anderen von der Arbeit ablenken und viel Energie absorbieren. Gelingt es dir hingegen, ganz bewusst Arbeit und Freizeit zu trennen und eine Liebesbeziehung zu führen, die du auch nach außen hin leben kannst, wird sie dich darin unterstützen, Energie freizusetzen, die zu deiner Zufriedenheit führt.

Nicht-Horten

Versuche nicht alles, was dir gefällt, haben zu wollen. Gemeint ist nicht nur das Horten von materiellen Gütern, sondern auch das Ansammeln von Informationen, von Wissen und von Gefühlen. Gerade in der Arbeitswelt besteht die Gefahr des Horten-Wollens, da geschäftlicher Erfolg und Anerkennung zumeist an Äußerlichkeiten festgemacht wird. Ein Geschäftsmann mit einem teuren Auto findet mehr Anerkennung, als einer, der mit einem kleinen Car-Sharing-Wagen zur Geschäftsbesprechung kommt. Ein Wissenschaftler mit einem Professortitel erhält oft mehr Achtung als ein Handwerker, auch wenn dieser eine tiefere Weisheit besitzen kann. Diese oberflächliche und statusorientierte Sichtweise und Bewertung erhöht natürlich die Gefahr des Anhäufens und Hortens, weil wir uns dadurch oftmals mehr Wertschätzung erhoffen – in den Augen der anderen und auch vor uns selbst. Wer aber einmal in einer Meditation oder bei einem einsamen Spaziergang im Wald mit seinem wahren Selbst in Kontakt gekommen ist, der weiß, dass es in uns eine Quelle gibt, die über ein tiefes und unerschöpfliches Wissen und über einen viel größeren Reichtum verfügt und alles von außen zugeführte in den Schatten stellt.

 

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Doris Iding
Doris leitet Seminare, Fort- und Ausbildungen zum Thema Yoga, Meditation und Achtsamkeit. Nach dem Motto „Alles was ist, darf sein. Es gibt kein Richtig und Falsch, sondern immer nur die eigene subjektive Erfahrung des gegenwärtigen Moments“ ist es ihr sowohl in ihren Kursen als auch in ihren Artikeln und Büchern ein großes Anliegen, den Menschen zu vermitteln, dass es in der Praxis um Selbsterkenntnis geht, nicht aber um Selbstoptimierung. Begegnen wir uns also mit viel Selbstmitgefühl, Wohlwollen und Geduld, wird das Leben leichter und die Achtsamkeits- und Meditationspraxis erfüllender. 18 ihrer Bücher wurden in andere Sprachen übersetzt.

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