Kaum jemand hätte vor 20 Jahren geahnt, dass einmal viele Millionen Menschen weltweit mehr oder weniger regelmäßig Yoga üben. Erstaunlicherweise ist aus einer kleinen Szene von enthusiastischen Außenseitern ein gigantischer globaler Trend geworden.

Leider scheinen dabei einige der ursprünglichen yogischen Ideale auf der Strecke geblieben zu sein. Statt Selbstlosigkeit, Regionalität und Bescheidenheit dominieren heutzutage Eitelkeit, Kommerz und Scheinheiligkeit zumindest zeigt das das öffentliche Bild des Yoga.

Besonders schockierend ist die exponentielle Zunahme von Yogaflugreisen. Retreats werden aus offensichtlichen Profitgründen bevorzugt an wärmeren und mitunter weit entfernten Orten angeboten. Die Hotelkosten sind in der Regel niedriger, die Bilder aufregender und Teilnehmer geben selbst knappes Geld eher dafür aus, als für regionale Angebote. Strand, Exotik und Komfort („im Winter halte ich es hier nicht aus“) haben einen entscheidenden Anteil an der Reiseentscheidung, denn Yoga könnte man auch in wunderschönen Orten in der Nähe anbieten und praktizieren. Auch der naheliegende Vorwand der eigenen Weiterbildung rechtfertigt nicht jedes Mittel. Anders als z.B. bei Ärztinnen und Ärzten, die in Krisenregionen Menschenleben retten und auf das Flugzeug angewiesen sind, geht es dabei nicht um Leben und Tod.

Der enorme CO2- und Schadstoff-Ausstoß von Flugzeugen in der Stratosphäre trägt besonders gravierend zur Klimaerwärmung bei. Dies führt zu Trinkwasserknappheit, Dürren, Hitzetoten, einem sich beschleunigenden Anstieg des Meeresspiegels und Massenmigration. Das geschieht bereits heute vor unseren Augen und gerade auch in Ländern, die besonders gern von Yogis zur Entspannung angeflogen werden, z.B. in Indien und Bali.

Unsere Kinder werden uns zu Recht fragen, wie wir diese kognitive Dissonanz ausgehalten haben. Warum haben wir nicht alles unternommen, um gegen die Zerstörung ihres Planeten zu kämpfen? Warum haben wir sogar bis zum bitteren Ende an unserem egoistischen Verhalten festgehalten?

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„Yogis for Climate Justice“ ist eine Bewegung von Menschen, die nicht länger wegsehen können. Wir machten uns mitschuldig, wenn wir nicht alles gegen die Zerstörung der Erde unternähmen, egal wie viele Verwandte, Bekannte und Unbekannte daran teilnehmen. Der Kampf für die Erhaltung der Lebensgrundlagen aller Lebewesen ist der Yoga unserer Zeit, eigentlich war es schon immer der Yoga aller Zeiten. Folgende Prinzipien sind für uns entscheidend:

Wissen

Nie wieder darf es heißen „wir haben nichts davon gewusst“! Die wissenschaftlichen Tatsachen zum Klimawandel und anderer ökologischer Katastrophen dürfen nicht länger verdrängt, geleugnet oder ignoriert werden. Wir müssen die Konsequenzen unseres Handelns begreifen. Weil wir Jahrzehnte verschwendet haben, müssen wir so effektiv wie möglich werden.

Selbst-Transformation

Jeder Mensch ist ein Vorbild für viele andere. Wir rufen alle Yogis dazu auf, mindestens ebenso viel Zeit für den Erhalt unserer Lebensgrundlagen aufzuwenden, wie für die eigene Yogapraxis. Insbesondere Yogalehrer sollten allerhöchste ethische Ansprüche an ihr eigenes Handeln stellen, gewaltlos, aufrichtig, selbstlos, bescheiden usw.

Die Konzentration auf den individuellen Flugverkehr ist aus mehreren Gründen entscheidend. Flugreisen sind fast immer unnötig. Auf keinem anderen Weg kann von jedem Einzelnen ein derart großer Klimaschaden in so kurzer Zeit vermieden werden. Flugverzicht wirkt umgehend.

Vernetzung

Jeder von uns kennt viele Menschen weltweit. Lasst uns miteinander sprechen, diskutieren und streiten. Kommunikation funktioniert. Selbst wenn Gesprächspartner in egoistischen und rücksichtslosen Denkweisen und Handlungen verhaftet sind – steter Tropfen höhlt den Stein.

Aktivismus

Nur wenn die Regierungen der Industrienationen umgehend drastische Maßnahmen zur CO2-Reduktion (Verkehrs-, Land-, Energie-, Bauwirtschaft) ergreifen, gibt es eine realistische Chance für das Überleben der menschlichen Zivilisation. Wir unterstützen daher aktivistische Gruppierungen wie Fridays for Future und Extinction Rebellion, um weltweit und langfristig maximalen Druck auf politische Entscheidungsträger zum Wohlergehen des Planeten aufrecht zu erhalten.

Politik

Wir empfehlen, massenhaft in politische Parteien einzutreten, um aktiv zur Gestaltung der Zukunft beizutragen. Wir müssen verhindern, dass eigennützige Politikertypen und die scheinbar übermächtigen Lobbyverbände der fossilen Energieträger überfällige Transformationsprozesse weiterhin blockieren. Einfach nur hoffen, jemand anderes würde es schon machen, ist unyogisch. Wir müssen handeln.

Du willst „Yogis For Climate Justice“ helfen?

Wir kämpfen selbstlos für eine gesündere Welt, statt für eine bessere Yogapraxis, eine bestimmte Yogatradition oder höhere Profite.

Wir können moralische, inhaltliche und praktische Unterstützung jeder Art gebrauchen, vom Aufbau einer Website, Organisation und Kommunikation bis zur Gründung eines gemeinnützigen Vereins.

Wir wissen, dass es viele Möglichkeiten und Wege gibt, das gemeinsame Ziel zu erreichen. Am meisten hilft uns daher Interaktion. Wir schaffen das nicht allein. Komm zur Konferenz. Engagier Dich. Wir brauchen Zustimmung und Widerspruch gleichermaßen. Schreib an info@yfcj.net

“Yogis for Climate Justice Conference” am 28. September

Sei dabei am 28.9.2019 in Berlin!

Am 28. September findet die erste Konferenz der „Yogis for Climate Justice“ Bewegung statt.
Wir werden die wissenschaftlichen Grundlagen des fortschreitenden Klimawandels und weiterer ökologischer Katastrophen betrachten. Darauf basierend werden wir gemeinsam Ideen und Arbeitsgruppen entwickeln, mit denen die Probleme kreativ und möglichst global vernetzt angegangen werden können.

Wir laden alle Interessierten am 28.9.2019 in das Magazin der Heeresbäckerei in der Köpenicker Straße 16/17 ein. Einlass ist um 17 Uhr, die Konferenz ist natürlich kostenlos und beginnt um ca. 17:15 Uhr.

Hier geht’s zum FB-Event!

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