Wasser ist vermutlich das älteste Heilmittel der Welt und lebensnotwendiges Elixier. Das durchsichtige, farblose Nass erfüllt zahlreiche wichtige Aufgaben, die niemand sonst übernehmen kann: Es ist ein zentraler Baustein deines Körpers und bildet zusammen mit Eiweiß unsere Zell-Grundsubstanz. Wasser ist ein wichtiger Trägerstoff, der Vital-, Nähr- und körpereigene Stoffe an sämtliche Orte im Körper befördert. In Form von Schweiß transportiert es Stoffwechselprodukte, sogenannte Schlackenstoffe, aus den Zellen ab und auch als Hauptbestandteil des Urins ist es ein wichtiges Medium, um Gifte aus deinem Körper zu entfernen.

Vielseitige Aufgaben

Wusstest du, dass diese nasse Substanz maßgeblich für den Temperaturausgleich in deinem Körper zuständig ist? Damit deine Körpertemperatur konstant bleiben kann, verdunsten über die Schweißdrüsen in der Haut erstaunliche Mengen an Wasser. Selbst wenn du nicht schwitzt, verlierst du trotzdem täglich etwa 500 ml Wasser über die Haut. Etwa die gleiche Menge wird über die Lunge abgegeben, weil die trockene Luft, die wir einatmen, vor dem Ausatmen noch einmal mit Wasserdampf angereichert wird.
Auch dein Gehirn, das zu 85 % aus Wasser besteht, reagiert äußerst empfindlich auf den Verlust von Wasser. Alleine bei einem Wasserdefizit von nur 2 % deines Körpergewichts verringert sich die Leistungsfähigkeit deiner grauen Zellen. Fehlen weitere 2 % Wasser im Körper, ist die physische Leistungsfähigkeit bereits halbiert, und die Konzentrationsfähigkeit sinkt drastisch.
Umgekehrt gewinnen wir enorm viel Energie, wenn wir unseren Körper mit ausreichend Wasser versorgen. Dann strömt das lebensnotwenige Element in unsere Zellen und sorgt dafür, dass in der Zellmembran Energie verfügbar wird. Und noch etwas: Wasser spielt sogar eine so wichtige Rolle bei der Energiezufuhr. Das weiß man noch gar nicht so lange. Es ist in der Lage, Energie in Form von Frequenzmustern zu speichern und an dich weiterzugeben. Dadurch sichert natürliches, lebendiges Wasser nicht nur dein Überleben, sondern unterstützt auch maßgeblich deine Selbstheilungskräfte. 

Richtig trinken

Vielleicht fragst du dich jetzt, wie viel Wasser du brauchst, um alle Körperfunktionen aufrecht zu erhalten und geistig klar zu sein? Experten raten, dass ein erwachsener Mensch mit einem durchschnittlichen Gewicht von ca. 60 Kilo mindestens zwei Liter Wasser pro Tag trinken sollte. Wenn Du körperlich hart arbeitest, Sport treibst, krank bist, Durchfall hast oder viel rauchst, dürfen es auch gerne ein paar Gläser mehr sein.
Um nicht zu vergessen, ausreichend Wasser zu trinken, koche ich mir bereits früh morgens heißes Wasser, fülle es in eine Thermoskanne und stelle es mir an den Schreibtisch. Denn nicht immer meldet sich der Körper, wenn er Flüssigkeit braucht. Fehlender Durst ist nicht unbedingt ein Zeichen dafür, dass man kein Wasser braucht – sondern kann auf einen jahrelangen Flüssigkeitsmangel hinweisen oder darauf zurückzuführen sein, dass wir gestresst sind und unser hormonelles System den Durst unterdrückt.
Heiß gekocht, warm getrunken

Auch wenn man sich nicht ganz einig ist, wie viel ein Mensch trinken sollte, um gesund zu bleiben, so stimmen viele Heiltraditionen hinsichtlich der Aufbereitung von Wasser überein: Es sollte warm sein. Im Ayurveda empfiehlt man, Wasser zehn bis zwanzig Minuten lang zu kochen, weil es dadurch mit Energie angereichert wird und eine Qualität gewinnt, die man als „sukshma“, d.h. durchdringend, bezeichnet. Erst in diesem Zustand ist Wasser in der Lage, die feinen Körperkanäle zu reinigen. Darüber hinaus regt heißes Wasser unmittelbar Agni, das Verdauungsfeuer im Körper, an. Dadurch werden die Mahlzeiten besser verdaut und die Nährstoffe besser verarbeitet. Allerdings empfiehlt der Ayurveda hier, eine halbe Stunde vor und nach dem Essen nichts zu trinken, um das Verdauungsfeuer nicht zu löschen. Über den Tag verteilt und zwischen den Mahlzeiten Schluck für Schluck getrunken, kann warmes Wasser die Ausscheidung von wasserlöslichen Toxinen aus dem Körpergewebe hilfreich unterstützen.


Heiß-Wasser-Tipps aus dem Ayurveda

  • Koche das Wasser 10 – 20 min ab. Durch das Abkochen schmeckt es besser, wird weicher. Dadurch kann es tiefer in das Gewebe eindringen und sorgt für eine sanfte Ausleitung von Giftstoffen.
  • Trinke Wasser schluckweise, weil sonst das Agni erlischt.
  • Achte darauf, dass es nicht zu kalt, aber auch nicht zu heiß getrunken wird.
  • Trinke morgens auf nüchternen Magen ein Glas warmes Wasser. Es reinigt die Nieren und den Dickdarm.
  • Bewahre das Wasser in einem Kupferbehälter auf oder geben Sie Kupferstücke in den Wasserbehälter. Das unterstützt die Milz und die Leber.

Für jeden Typ etwas

Jeder Konstitutionstyp – ob Vata, Pitta oder Kapha – kann durch die Kombination von warmen Wasser und Kräutern oder Gewürzen sein eigenes Wohlempfinden steigern. So geht’s:

Anzeige

Heißes Wasser zur Beruhigung von Vata
Koche zwei Liter Wasser ungefähr fünf bis zehn Minuten lang. Nimm es vom Herd und füge ½ Teelöffel Fenchelsamen, ¼ Teelöffel Eibischwurzeln und drei Blätter Minze hinzu. Fülle das Wasser in eine Thermoskanne und trinke es Schluck für Schluck über den Tag verteilt. Die Temperatur sollte warm, aber nicht zu heiß sein.



Heißes Wasser zur Beruhigung von Pitta
Koche zwei Liter Wasser zwei Minuten. Nimm es vom Herd und gebe zwei Rosenknospen, eine Gewürznelke und ¼ Teelöffel Fenchelsamen hinzu. Fülle das Wasser in eine Thermoskanne und trinke es über den Tag verteilt langsam, achtsam Schluck für Schluck. Im Sommer kannst Du das Wasser mit Raumtemperatur genießen, im Winter solltest Du es etwas wärmer trinken.

Heißes Wasser zum Ausgleich von Kapha
Koche zwei Liter Wasser fünf Minuten lang und nimm es anschließend vom Herd. Füge ¼ Teelöffel Kreuzkümmel, drei ganze Basilikumblätter, zwei dünne Stücke frischen Ingwer und ½ Teelöffel Fenchel hinzu. Fülle das Wasser in eine Thermoskanne und trinke es bei heißer bis warmer Temperatur schluckweise über den Tag verteilt.


Nicht das wie viel, sondern das was ist entscheidend

Es hat seine Gründe, warum wir nicht einfach irgendetwas trinken sollten. Viele Menschen trinken zum Beispiel Mineralwasser in dem Glauben, dadurch ihren Mineralhaushalt zu decken. Doch diese Mineralien sind für deinen Körper schwer verdaulich, da sie meist in anorganischer Form vorliegen. Das ist so ähnlich, als würdest du versuchen, den Bedarf an Spurenelementen durch den Verzehr von gemahlenen Steinen zu decken. Die Substanzen sind zu grob und können von deinen Zellen gar nicht verwertet werden. Was der Körper wirklich braucht, ist energiereiches Wasser, das möglichst wenige Mineralien erhält. Nur so kann es seiner Reinigungs- und Transportfunktion am besten nachkommen.  Ein mineralarmes Quellwasser, das mit eigenem Druck aus einer sogenannten artesischen Quelle kommt und an die Erdoberfläche tritt, erfüllt diese Funktion sehr gut.

Der tägliche Wasserbedarf von zwei Litern ist nicht mit Tee, Kaffee, Limonade, Säfte oder alkoholischen Getränken zu decken. Auch hier passiert eher das Gegenteil: Alkohol-, kaffee-, zucker-, oder teeinhaltige Getränke geben der Niere durch die Hemmung des Hormons ADH das Signal zur Entwässerung. Dadurch geht Wasser verloren, statt dass es für den Stoffwechsel zur Verfügung gestellt wird. Um diesen zusätzlichen Wasserverlust auszugleichen, rechnet man pro Tasse Kaffee die doppelte Menge an Wasser. Auch Säfte können nicht leisten, was pures Wasser liefert. Man darf nicht vergessen, dass Säfte konzentrierte Nahrung sind. Jedes Glas Apfelsaft entspricht etwa vier Äpfeln, deren Inhaltsstoffe verdaut werden wollen. Darüber hinaus enthält Saft viel Kalium, das ebenfalls leicht entwässert.

Was die Reinigungsfunktion des Wassers im Körper betrifft, bleibt es unübertroffen. Schließlich verwenden wir ja auch keinen Orangensaft, um unseren Pulli zu waschen oder Bier, um die Fenster zu putzen. Zudem ist Wasser sofort für den gesamten Organismus verfügbar. Alle anderen Getränke, egal ob Säfte, Tee, Kaffee oder Alkohol, müssen vom Körper verarbeitet werden. Dies im Bewusstsein zu haben, tut einer zusätzlichen Tasse Kaffee oder einem Glas Wein keinen Abbruch. Schließlich darf das Leben auch Spaß machen.

Achtsamer Umgang mit dem blauen Nass
Damit wir selbst, aber auch die nachfolgenden Generationen, Wasser in seiner Reinheit genießen können, sind wir heute aufgefordert, bewusster mit dieser kostbaren Ressource umzugehen. Damit ist gemeint, dass wir unseren Wasserkonsum etwas reduzieren und nicht stundenlang duschen oder das Wasser beim Zähneputzen die ganze Zeit laufen lassen. Denk daran, dass Wasser die Grundlage unseres Lebens ist. Wenn jeder von uns etwas mehr Bewusstsein für den eigenen Verbrauch von Wasser entwickelt, können wir viel verändern.

 
Möchtest du diesen Artikel in voller Länge lesen?
Du findest ihn in unserem Sonderheft zum Thema „Bewusste Ernährung“.

 

Anzeige
Doris Iding
Doris Iding ist Ethnologin, Yoga-, Meditations- und Achtsamkeitslehrerin sowie Autorin mit Schwerpunkt Integration östlicher Heilverfahren in den Westen und bewusstseinsverändernde Techniken. Ihr besonderes Interesse gilt der Vermittlung eines neuen Bewusstseins, bei dem der Mensch nicht mehr dogmatisch an alten Traditionen und Lehren festhält, sondern sich dafür öffnet, dass alles miteinander verbunden ist. In ihren Artikeln und Seminaren vermittelt sie auf leichte und spielerische Weise, wie wir entspannt, achtsam und wohlwollend zu uns selbst finden können. Vierzehn ihrer Bücher wurden in andere Sprachen übersetzt.

Hinterlasse einen Kommentar

avatar
  Abonnieren  
Benachrichtige mich bei