In dieser YOGA AKTUELL-Ausgabe erschienen:

Was für viele etwas gewöhnungsbedürftig klingt, ist eigentlich sehr natürlich und vor allem immens gesund: Sommertipp Barfuß-Laufen
Sind sie schon mal barfuß durch eine Wiese gelaufen? Oder über einen leicht feuchten Waldboden? Es ist Sommer, probieren Sie es aus. Das Laufen ohne Schuhe ist nicht nur etwas für die hartgesottene Barfuß-Läufer-Fraktion. Jeder kann aus dem zeitweiligen Verzicht auf jeglichen Laufuntersatz Nutzen ziehen. Bestimmt haben auch Sie es schon ab und an getan, z.B. am Strand, wenn der Sand nicht zu heiß war – FFK statt FKK. Tatsächlich lohnt es sich, das Barfuß-Laufen zu kultivieren, denn es ist eine ausgeprägte natürliche Sinneserfahrung und in vielerlei Hinsicht gesundheitsförderlich.

Da verwendet frau hohe prozentuale Anteile des Monatsgehalts auf den Kauf von Schuhen und nun soll sie weder die neuen Riemchensandalen, noch die Highheels aus dem Designer Outlet anziehen, sondern einfach ganz auf jegliches Schuhwerk verzichten? Und auch die Herren sollen die edlen italienischen Lederschuhe und die sportlichen Sneakers im Schrank stehen lassen? Das erfordert vermutlich ein gutes Stückchen Überzeugungsarbeit. Also packen wir Argumente aus.
In einer kurzen Aufzählung zusammengefasst lassen sich folgende Vorzüge des Barfuß-Laufens nennen:

  • Optimales Training für die Fuß- und Beinmuskulatur
  • Kräftigung für die Sehnen und Bänder
  • Förderung eines aufrechten Ganges, Verbesserung der Körperhaltung
  • Massage-Effekt für die Fußsohlen, Reflexzonen-­Aktivierung
  • Prävention gegen Fehlstellungen der Zehen und ­Deformierungen des Fußes
  • Bessere Hautatmung für die Fußhaut
  • Vorbeugung gegen Krampfadern
  • Harmonisierung des Kreislaufs
  • Stärkung des Immunsystems
  • Schulung der Körper-Motorik
  • Sensibilisierung, intensivierter Kontakt mit der ­natürlichen Umgebung

Barfuß-Laufen ist natürlich
Der menschliche Fuß ist ein kompliziertes und anpassungsfähiges Konstrukt, dem man einiges zutrauen kann. Er ist so konzipiert, dass er – im Zusammenspiel mit der Bein-Muskulatur – hohe Druckbelastungen abfedern kann. Auch der eigenen Fähigkeit zur Bewegungssteuerung kann man vertrauen. In der Regel vermögen wir unsere Füße so aufzusetzen, dass z.B. keine Prellungen erlitten werden, und wir haben eine zuverlässige Feinsteuerung, die uns auch auf schwierigem Terrain schnell reagieren lässt und Fußverletzungen vorbeugt. Deshalb benötigen wir dämpfendes, schützendes Schuhwerk nicht unbedingt. Vielmehr ist das Barfuß-Laufen als natürlichste Art der Fortbewegung dem Bekleiden der Füße mit Schuhen in vielerlei Hinsicht vorzuziehen. Abgesehen von den vielfältigen gesundheitlichen Wirkungen, die im Folgenden noch mal kurz aufgegriffen werden sollen, stellen wir durch das Barfuß-Laufen einen sehr engen und ursprünglichen Kontakt zu unserem natürlichen Umfeld her. Beim Barfuß-Laufen verbindet man sich über die Fußsohle direkt mit der Erde und nimmt ihre von Gelände zu Gelände wechselnde Beschaffenheit wahr.

Dies ist gleichzeitig entspannend sowie auch konzentrationsfördernd und vermittelt ein Gefühl großer Lebendigkeit, das der unmittelbarste und stärkste Grund für viele Barfuß-Fans ist, das Laufen ohne Schuhe nicht mehr missen zu wollen.

Die positiven Wirkungen
Den ersten positiven Effekt erleben Sie – zumindest im Sommer und bei wenig luftigem Schuhwerk – unmittelbar, nachdem Sie die Schuhe ausgezogen haben: Es ist eine Wohltat, die Füße aus der schwitzigen Hülle zu befreien, damit die Haut frei atmen kann. Beginnt man dann, sich barfuß fortzubewegen, spürt man als nächstes den Massage-Effekt. Dieser wirkt über die Reflexzonen auf den ganzen Körper, harmonisiert und entspannt. Wer regelmäßig barfuß läuft, tut auch seiner Muskulatur, den Sehnen und den Bändern etwas Gutes, denn sie alle werden durch das Barfuß-Laufen gekräftigt. Da die Fußmuskulatur beim Barfuß-Laufen stärker und gleichmäßiger beansprucht wird als beim Tragen von Schuhen, ist barfuß auch eine gute Prävention gegen Fehlstellungen der Zehen und Fuß-Deformationen wie sie heutzutage verursacht durch enge, ergonomisch ungünstige Schuhe häufig auftreten. Teilweise können sich sogar bestehende Deformationen zurückbilden, insbesondere bei Kindern. Besonders gefordert wird aber nicht nur die Muskulatur der Füße selbst, sondern auch die Beinmuskulatur, und die durch das Barfuß-Gehen bewirkte bessere Aufrichtung wirkt sich sogar bis in die Wirbelsäule aus. Durch die gute Muskelarbeit ziehen sich außerdem die Beinvenen zusammen, was einen vorbeugenden Effekt gegen Krampfadern hat. Wer auch noch das Immunsystem unterstützen will, kann ganz im Sinne der Kneippschen Anwendungen über nasse Steine oder durch den Morgentau laufen. Wenn Sie übrigens befürchten, sich durch die Barfuß-Erfahrungen langfristig eine unsägliche Hornhaut einzuhandeln, seien Sie beruhigt: Hornhaut entsteht maßgeblich durch falsches Schuhwerk. Regelmäßiges Barfuß-Laufen führt eher zu einer ebenmäßig dickeren, nicht aber verhornten Haut an der Fußsohle.

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Womöglich haben Sie an dieser Stelle das Magazin schon längst liegen lassen und sind barfuß nach draußen gelaufen. Falls nicht, lesen Sie noch schnell unsere Tipps links im Kasten und los geht’s!

Tipps und Vorsichtsmaßnahmen

  • Wählen Sie ein geeignetes Terrain (z.B. Waldwege, einen Sand- oder Kiesstrand, eine Rasenfläche etc.).
  • Vorsicht bei Blumenwiesen (insbesondere mit Kleebestand): Hier sind Bienen und Wespen unterwegs.
  • Behalten Sie den Weg im Blick, um Scherben etc. ausweichen zu können.
  • Nehmen Sie auf Barfuß-Touren vorsichtshalber Pflaster mit.
  • Wenn Sie das Terrain nicht genau kennen, packen Sie zur Sicherheit eventuell auch Schuhe in den Rucksack, die Sie bei problematischem Gelände zwischenzeitlich anziehen können.
  • Sorgen Sie für Tetanus-Schutz, falls Sie sich doch einmal verletzen sollten.
  • Je nach Wetter die Fußrücken mit Sonnenschutz eincremen.
  • Es gibt spezielle Barfuß-Parks und -Parcours.
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