Warum Orangen und Co. laut Ayurveda gerade im Winter nicht ideal sind

Im Winter haben Zitrusfrüchte Hochsaison. In den kalten Monaten, wenn die Bäume hierzulande keine Kirschen, Pflaumen oder anderes Obst tragen und auch auf den Erdbeerfeldern noch gähnende Leere herrscht, erfreuen sich Südfrüchte gesteigerter Beliebtheit – und die spritzige Familie der Orangen, Zitronen, Grapefruits und Co. ist ganz vorn mit dabei. Man denke beispielsweise an die Mengen von Mandarinen, die beginnend mit der Adventszeit vertilgt werden. Aber auch Orangen und sogar deren saure bzw. bittere Anverwandte, die Zitronen, Pampelmusen und Grapefruits, werden reichlich verzehrt; schließlich gelten Zitrusfrüchte als die Vitamin C -Quellen schlechthin und somit als Wunderwaffe gegen die gerade in der kalten Jahreszeit häufigen Erkältungskrankheiten. Und mit ihrem frischen, aufmunternden Duft und dem warm leuchtenden Orange oder strahlenden Gelb sind sie für manch einen im dunklen wohl Winter die perfekten Sonnenboten. Die idealen Winterfrüchte also?
Mitnichten – zumindest, wenn man beachtet, was der Ayurveda über Zitrusfrüchte sagt: die ayurvedische Lehre nämlich weist darauf hin, dass Zitrusfrüchte zur Kategorie der kühlenden Nahrungsmittel gehören und somit vor allem im Sommer, hingegen gerade nicht in den kühlen Wintermonaten empfehlenswert sind. So können Sie trotz ihres Vitamin C-Gehalts Erkältungen eventuell sogar eher Vorschub leisten als sie zu verhindern. Auch in akuten Fällen von Erkältung ist aus ayurvedischer Sicht gegenüber dem berühmten Hausmittel heiße Zitrone oder anderen Zitrusfrüchten Skepsis geboten, denn um Schleimhautreizungen zu vermeiden, ist man in der altindischen Medizin bei solchen Erkrankungen mit sauren Lebensmitteln. Übrigens sind Zitronen, Orangen und ihre Schwestern gar nicht die unangefochtenen Vitamin C-Lieferanten, für die viele sie halten: die höchste natürliche Quelle für Vitamin C ist keine Zitrusfrucht, sondern die indische Amla Beere.
Aber um sich mit diesem wichtigen Vitamin zu versorgen, muss man gar nicht unbedingt auf Produkte aus fernen Ländern zurückgreifen. Während z.B. Zitrusfrüchte aus den Mittelmeerländern importiert werden müssen (teilweise stammen sie auch aus Südamerika, Südafrika oder Australien, also von noch weiter her – im Winter werden sie jedoch vorwiegend aus Ländern wie Marokko, Spanien oder Israel eingeführt), gibt es auch hier bei uns hochwertige Vitamin C-Lieferanten, und zwar auch im Winter und das nicht nur aus dem Gewächshaus. Denn Vitamin C steckt nicht nur in Früchten, viele Gemüsesorten enthalten davon ebenfalls eine nennenswerte Portion. So sind beispielsweise Rosenkohl und Grünkohl, zwei leckere heimische Wintergemüse, hervorragende Vitamin C-Quellen.
Und wenn Ihnen der Sinn doch mehr nach Obst steht, können Sie Ihren Vitamin C-Bedarf unter anderem über Äpfel abdecken. Zur Zeit haben Äpfel zwar keine Saison, aber aufgrund ihrer Lagerfähigkeit können problemlos noch Bestände aus der letzten Ernte verwendet werden. Wer dennoch den frisch gepressten Orangensaft als unverzichtbaren Muntermacher für einen gelungenen Start in den Tag liebt, dem soll er natürlich nicht mies gemacht werden. In Sachen Vitaminspender über heimische Alternativen nachzudenken lohnt sich allerdings auch ökologisch betrachtet: Nicht nur, dass durch den Wegfall langer Transportwege und -zeiten bei regionalen Produkten auf Chemikalien zur Erhöhung der Haltbarkeit verzichtet werden kann, es können darüber hinaus auch die mit dem Transport verbundenen Emissionen vermieden und zugleich Ressourcen geschont werden. Auch wenn die Orangen und Zitronen Sie als noch so leuchtend anlachen, vielleicht hätten Sie ja doch mal wieder Appetit auf einen deftigen Eintopf mit Kohl?
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