Heilpflanze des Jahres 2011: Rosmarin ist ein Kraut mit Geschichte, Aroma und gesundheitsfördernder Kraft

Es gab Zeiten, da mussten sich Seeleute ausschließlich an Naturphänomenen orientieren, denn Kompass und andere Navigationshilfen waren noch nicht erfunden. Denjenigen, die das Mittelmeer bereisten, soll bei nicht vorhandener Sicht, das heißt bei Nacht und Nebel, der starke, aromatische Duft vom Rosmarin den Weg gewiesen und die Nähe von Land signalisiert haben – eine reizvolle Vorstellung. So entstand der Name, der auf Lateinisch „Tau des Meeres“ bedeutet.

Rosmarin wurde zur Heilpflanze des Jahres 2011 gekürt. In der Medizin der alten Römer und Griechen allerdings spielte er keine sehr große Rolle. Damals hatte er mehr mit den Göttern zu tun. Um die nämlich gnädig zu stimmen, ihnen zu danken oder sich mit ihnen zu versöhnen, verbrannten die Menschen Rosmarin und Thymian zusammen mit Tieropfern. So ersetzten sie den Weihrauch, ein Baumharz, das von weither importiert werden musste und deshalb extrem teuer war.

Da die Liebesgöttin Aphrodite aus dem Schaum des Meeres geboren wurde, ist Rosmarin, der „Meertau“, ihr spezielles Attribut und wurde zum Schmücken ihrer Statuen verwendet. Bis heute steht er symbolisch für Liebe und Hochzeit, Volksnamen lauten „Brautkleid“, „Hochzeitskraut“ und „Gedenkemein“. Im Mittelalter gab man Hochzeitsgästen vergoldeten Rosmarin zum Andenken mit. Die Troubadoure nahmen in vielen Liedern Rosmarin als Symbol für unwandelbare Treue. Die Zweige waren früher auch eine beliebte Weihnachtsdekoration. In England hängte man sie früher zu Weihnachten als Willkommensgruß für Feen und Elfen auf, und zwar bemerkenswerterweise in Kirchen.

Wie auch viele andere immergrüne Pflanzen wurde und wird der Rosmarin mit Tod, ewigem Leben und Wiedergeburt verbunden. In manchen Gegenden wirft man daher Rosmarinzweiglein ins Grab, Trauergäste tragen sie am Revers. In Belgien erzählt man kleinen Kindern, dass Babys in Rosmarinsträuchern wachsen und zur Welt kommen.

Anzeige

Die Heilwirkungen von Rosmarin
Heute ist Rosmarinus officinalis vor allem als medizinische Pflanze interessant. „Officinalis“ bedeutet, dass die Pflanze als Heilmittel anerkannt ist, und zwar durch Aufnahme in das amtliche Arzneibuch.

Der mehrjährige Lippenblütler (Lamia-ceae) ist sehr kälteempfindlich. Daher pflanzt man ihn hier bei uns am besten in einen Topf, den man im Winter ins Haus holen kann. Dann lassen sich das ganze Jahr über die frischen, nadelartigen Blätter ernten. Am wenigsten leidet die Pflanze darunter, wenn man diese nicht einzeln, sondern in Form kleiner Zweiglein pflückt. Sie und die Blüten, die ebenfalls das ganze Jahr über entstehen können, enthalten die kraftvollen Heilwirkungen. Rosmarin gilt als antiseptisch, nervenstärkend, verdauungsfördernd, krampflösend, harntreibend, anregend, tonisierend für den Kreislauf und ausgleichend für das Nervensystem. Er reguliert den Monatszyklus, beruhigt bei Keuchhusten und anderem Husten und fördert die Gallebildung, beugt Arteriosklerose vor, wirkt gegen Bakterien, Hefen und Schimmelpilze. Die Pflanze wird als natürliches Antibiotikum betrachtet. Aus den frischen Blättern wird eine homöopathische Zubereitung hergestellt, die man gegen Erkrankungen des Zentralnervensystems und der weiblichen Geschlechtsorgane einsetzt. Anthroposophisch orientierte Ärzte beobachten bei Patienten mit Diabetes II, dass sich ihr Zustand verbessert, wenn sie verstärkt Rosmarin zu sich nehmen. Offenbar verzögert der Verzehr die Aufnahme von Kohlenhydraten aus dem Darm. Das bewirkt nach dem Essen einen langsameren Anstieg des Blutzuckerspiegels, und so tritt eine Besserung ein.

Der Strauch stammt, wie sein Name, aus dem Mittelmeerraum. Wann genau er hier bei uns eingeführt wurde, ist unklar. Er wird zwischen 30 Zentimeter und zwei Meter hoch. Die medizinisch verwendeten Pflanzenteile sind die frischen und getrockneten Blüten und Blätter sowie das ätherische Öl.

Rosmarintee
Einen Teelöffel voll getrockneter oder frischer, gewaschener und klein gehackter Rosmarinblätter mit ¼ Liter kochendem Wasser überbrühen. 8 bis 10 Minuten lang zugedeckt ziehen lassen und abseihen, eventuell noch einmal kurz erhitzen.
Dieser Tee schmeckt ganz ausgezeichnet. Er wirkt verdauungsfördernd, hustenlindernd, harntreibend, nervenstärkend, allgemein kräftigend und gegen niedrigen Blutdruck; empfiehlt sich besonders während einer Rekonvaleszenz oder als „Reisetee“, um Übelkeit vorzubeugen.

Man kann ihn auch äußerlich anwenden, das heißt, man kann damit die Haut reinigen, gurgeln und den Mund spülen, was desinfiziert. Eine größere Menge davon einem Wannenbad hinzugefügt, wirkt schmerzlindernd und unterstützt die Heilung von infizierten Wunden. Abgekühlter Rosmarintee passt sogar in die Gießkanne, denn er kann zur Kräftigung von Pflanzen hergenommen werden. Zudem vertreibt er Schadpilze.

Anzeige