Den Kosmos schmecken – dieses Gaumen­erlebnis kann einem  mit jeder Nahrungsaufnahme zuteil werden. Hier finden Sie kosmische Leckerbissen aus gesundem Grünkern und anderen Köstlichkeiten

Nahrung ist für uns etwas so Grundlegendes, dass wir sie ein­fach selbstverständlich hinnehmen. Men­schen und Tiere müssen eben Nahrung zu sich nehmen, dies gehört zum Leben dazu. Vielleicht sagen wir sogar, dass uns dieses Thema nicht besonders interessiert und wir weigern uns, ihm Aufmerksamkeit zu schenken. Doch lohnt es sich, gerade den Prozess der Ernährung einmal näher zu beleuchten. Wann machen wir uns schon einmal bewusst, dass wir durch die Nahrung mit allem in Beziehung treten? Wir Menschen stehen als Wesen im Kosmos – als ein Teil, als ein Ausdruck von ihm. Nahrung und Ernährung macht dies ganz besonders deutlich. Wir betrachten das Thema Nahrung auf der horizontalen Ebene, also in der mitmenschlichen Verbindung und auf der vertikalen Ebene, in der Verbindung zum Universum.

Horizontal betrachtet stellen wir fest, dass Ernährung ein gesellschaftlicher Brennpunkt ist, so weit das menschliche Wissen in die Vergangenheit reicht und bis heute – auch wenn dies von politischer Seite gerne verdrängt wird. Bestenfalls in Katastrophensituationen wird es von den Medien thematisiert –  und es erschiene einem unvoreingenommenen Betrachter unserer Erde sicher ungeheuerlich, dass es trotz des technischen Fortschritts bisher nicht abzuwenden ist, dass viele Menschen und vor allem so viele Kinder dieser Erde mit Nahrung unterversorgt sind. Ist es nicht unbegreiflich, dass immer wie­der Menschen an Hunger sterben? Wie können wir mit dieser Diskrepanz leben, dass auf der einen Seite technische und computertechnische Errungenschaften hier in Deutschland wie in allen Industrienationen längst zur Massenware werden und auf dieser Ebene kein Problem unlösbar scheint, während auf der anderen Seite Menschen aufgrund eines Mangels an Nahrung und Wasser um das schiere Überleben zu kämpfen haben? Dass Lebensmittel aus allen Teilen der Welt in unseren Supermärkten liegen, während es an anderer Stelle am Einfachsten mangelt? Spätestens hier wird überdeutlich, dass wir Menschen noch einen langen Weg zu gehen haben, um diese Welt in ihrer horizontalen Dimension von Herzen zu begreifen und um die essentiellen Dinge wirklich an erste Stelle zu setzen. An welchem Punkt sind wir aus der Bahn geraten? Was gilt es zu tun? Müssen wir als reiche Industrienation nicht aus Einsicht zum Einfachen zurückkehren, damit der Überfluss anderen zugute kommt?

Nahrung ist auch ein kosmisches Thema, wie Daya Mullins uns in ihren Diskursen während Retreats und Heilungsseminaren im Kloster Gerode in verschiedener Art beleuchtet hat. Kosmisch denken heißt, sich des Ganzen bewusst zu werden, manche würden sagen, des göttlichen Zusammenhangs gewahr zu werden, in dem wir als Menschen stehen. Dies bedeutet ein Nachdenken und Nachfühlen auf der vertikalen Ebene. Schließlich sind wir nur ein kleiner Teil des Ganzen und untrennbar mit allem verbunden. Wir Menschen stehen durch Nahrung in kosmischer Verbindung. Dies ist uns möglich, weil andere Wesen auf dieser Erde den Kosmos für uns in Form des organischen Lebens aufnehmbar und genießbar machen. Wir sind auf die Transformation kosmischer Energie durch die Pflanzen angewiesen, so dass sie in eine Form gebracht wird, die der „Wellenlänge“ unseres Verdauungsapparates entspricht. Durch die Pflanzen, von unserem Standpunkt aus gesehen durch die pflanzliche Nahrung, stehen wir unter anderem mit der Energie der Sonne in Verbindung, dem für uns wichtigsten Bezugspunkt unter den Himmelskörpern des Universums. Das organische Leben bindet die Energie der Sonne in der Materie der Früchte, Blätter und Wurzeln, so dass wir sie in uns aufnehmen und davon leben können. Die Speicherung und Weitergabe der Sonnenenergie ist die vordringlichste Aufgabe unserer Nahrung. Stellen wir dieser ohnehin indirekten Sonnenverbindung nicht noch unnötig viele weitere Umlenkungen in den Weg, wie es unsere höchst komplizierte und aufwendige Nahrungsmittelindustrie gerne tut!

Feste Nahrung in Form von Essen ist jedoch nicht die einzige Verbindung zwischen uns Menschen und dem Universum. Wir nehmen auch auf anderen Ebenen kosmische Nahrung zu uns. Das Essen bildet die langsamste und grobstofflichste Form der Verbindung, die dementsprechend die feste und grobstoffliche Form des Körpers unterhält. Die nächst feinere Form der Nahrung begleitet uns in Form der Atmung vom Moment der Zeugung bis zum Tod. Auch sie wird von den Pflanzen zur Verfügung gestellt, in Form des energiereichen Sauerstoffes und anderer feinstofflicher Luftanteile, zusammengefasst mit dem yogischen Begriff des Prana, also der Lebensenergie. Im Mutterleib erreicht uns diese zweite Form der Nahrung über die Nabelschnur, später über die Lungen. Yoga und andere spirituelle Systeme lehren uns über diese zweite Art der Nahrung, dass sie mit den feinstofflichen Anteilen unseres Körpers zu tun hat, mit dem emotionalen Körper, dem Pranamayakosha. Yoga lehrt uns weiter, die Energie des Atems zu bündeln und der Zerstreuung entgegenzuwirken, auf dass die Energie der Atmung auch diejenigen Bereiche unseres Wesens nährt, die feiner sind als der emotionale Körper.

Doch es gibt noch eine dritte Art der kosmischen Nahrung, die Nahrung durch Eindrücke. Ohne die Nahrung durch Eindrücke würden wir Menschen nicht eine Sekunde lang überleben. Unser Wesen ist darauf angelegt, in jedem Augenblick Eindrücke aus dem Kosmos zu erhalten. Teilweise liegt es an uns, die Art der Eindrücke zu wählen, indem wir z.B. erhebende Musik hören oder in der Natur verweilen. Jedoch ist es uns nicht möglich, an der grundsätzlichen Tatsache, dass wir auf die Verbindung zum Kosmos durch Eindrücke angewiesen sind, etwas zu ändern. Auch hier halten uns der Yoga und andere spirituelle Systeme dazu an, Disziplin zu üben und uns selbst zu studieren in unserer Reaktion auf diese dritte Nahrungsart. Welche Art von Eindrücken können wir verdauen, welche nähren uns wirklich? Wer hat nicht schon einmal die Erfahrung gemacht, wie ausgelaugt man sich in bestimmten Situationen oder in bestimmten Räumen fühlen kann, während man an anderer Stelle Kraft zu gewinnen scheint? Auch im Yoga werden Eindrücke beschrieben, die es als Yogaübende zu suchen gilt und andere, die dem Yogaübenden nicht zuträglich sind, geht es doch im Yoga darum, durch die Art und Weise der Verdauung von Eindrücken die nächstfeinstofflichen Körper zu ernähren.

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Wozu diese ganzen Verdauungsvorgänge auf den unterschiedlichen Ebenen?  Wozu dient letztlich die Nahrung? Stehen wir Menschen wirklich am Ende dieser „Nahrungskette“ oder haben auch wir eine Aufgabe als Umwandlungsorgan und als Nahrungsspender im kosmischen Zusammenhang? Wem nützen die von den Menschen und ihren Stoffwechselvorgängen erzeugten Stoffe? Glauben wir, dass es keine Rolle spielt, was wir mit der aufgenommenen Energie tun? Was wir denken und fühlen, welche Ebene der Aufmerksamkeit wir erzeugen?

In der horizontalen wie in der vertikalen Dimension geht es darum, zur Balance, zur Mitte zu gelangen, in Einklang, letztlich an den Ort, wo sich beide Dimensionen verbinden. Ein mitmenschlicher Umgang mit dem Thema Nahrung scheint ohne ein Bewusstsein für die vertikale, also die kosmische Dimension nicht erreichbar zu sein, denn an Mitteln und Techniken, alle mit Nahrung zu versorgen, mangelt es nicht! Wir können offensichtlich erst dann sinnvollen Gebrauch von unseren Möglichkeiten machen, wenn wir zum Herzen kommen, das uns den Sinn unseres Daseins einflüstert  –   nämlich an der Stelle, an der wir stehen, Nahrung aufzunehmen, zu verdauen, selbst zu Nahrung zu werden und Nahrung mit unseren Mitmenschen zu teilen.

Eine tiefe Frage bleibt offen. Für wen oder was sind wir Menschen Nahrung? Und jetzt zum praktischen Teil: Alle Gerichte sind wie immer für vier Personen berechnet. Viel Freude beim Ausprobieren!

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