Nahrung unter dem Aspekt der 5 koshas
Im Yoga gehen wir davon aus, dass der Mensch einen physischen Körper besitzt und vier feinstoffliche Körper oder Hüllen, die subtil ineinander fließen. Man nennt sie die 5 koshas. Alle diese Körper sind stofflicher Natur im Gegensatz zu der göttlichen Kraft, purusha, die reines Bewusstsein ist. Aufgrund ihrer Stofflichkeit haben die 5 koshas einiges gemeinsam – zum Beispiel besitzen alle koshas einen „Stoffwechsel“, d.h. sie nehmen Stoffe auf, wandeln sie um und geben Stoffe wieder ab – ein tiefer, umfassender Verdauungsvorgang. Nahrung aus ganzheitlicher und spiritueller Sicht betrachtet ist daher ein Thema, das alle Lebensbereiche betrifft. Anna-maya-kosha ist der physische Leib, der durch Speisen und Getränke ernährt wird und z.B. über Darm, Niere und Haut Stoffe ausscheidet, die er nicht mehr benötigt. Es ist sehr wichtig, den physischen Körper mit guter Nahrung zu versorgen und dafür zu sorgen, dass eine innere Balance und Harmonie im Körper entsteht, damit über den physischen Körper auch die feinstofflichen Körper erfahren werden können und im Leben einen Ausdruck finden. Darüber findet man insbesondere im Ayurveda, aber auch in der Yogaliteratur viele hilfreiche Angaben. Der zweite Körper, prana-maya-kosha wird durch die Lebenskraft des Atems (prana) ernährt. Man kann also sagen, dass der Atem die zweite Art der Nahrung darstellt, die für den Menschen lebensnotwendig ist. Interessanterweise kann man einige Tage ohne Essen und Trinken auskommen, aber nur wenige Minuten ohne Atem. Die gute Versorgung des Körpers mit Sauerstoff in den Lungen und in allen Zellen ist genau so wichtig wie der Abtransport von Kohlendioxid aus den Zellen und dessen Ausscheidung über die Lungen. Wie sieht es aber nun mit den weiteren feinstofflichen Körpern aus?

Mano-maya-kosha, der Mentalkörper, also der Körper des Sinnesbewusstseins und Denkens, empfängt in jeder Sekunde Eindrücke aus der Umwelt und aus der Innenwelt. Wir machen uns dies oft nicht klar, jedoch sind wir auf den Empfang von Eindrücken vollkommen angewiesen. Ein Mensch kann ohne Eindrücke keine Sekunde lang überleben. Diese Eindrücke sind die Nahrung für mano-maya-kosha und es ist wichtig, den Mentalkörper mit aufbauenden Eindrücken zu versorgen. Dazu gehören alle Sinneseindrücke so wie Geruch, Geschmack, Geräusche, aber auch Gedanken, Ideen und Emotionen. Wir haben ein gewisses Maß an Wahlmöglichkeiten, mit welchen Eindrücken wir uns umgeben möchten, und sollten Eindrücke auswählen, die unsere Gedanken und Gefühle erheben. Wichtig ist es auch, einseitige Belastungen und ein Zuviel an Eindrücken zu vermeiden, um in Balance zu bleiben.  Mano-maya-kosha bildet und entwickelt sich aus den über die Sinne empfangenen Eindrücken. Daraus bilden sich Einstellungen, geistige Haltungen, Gedanken- und Gefühlsmuster, die unser Leben in hohem Maße bestimmen. Natürlich empfängt mano-maya-kosha auch viele Eindrücke von anna-maya-kosha und prana-maya-kosha. Aus dem Zusammenspiel dieser drei Aspekte unseres Körpers und den Erfahrungen, die wir auf diesen Ebenen sammeln, bilden sich z.B. auch unsere Vorlieben und Abneigungen. Im Yoga werden die Vorlieben (raga) und Abneigungen (dvesha) als zwei Aspekte des Schleiers (klesha) beschrieben, der uns Menschen von der Wirklichkeit abgrenzt bzw. diese Wirklichkeit färbt. Mano-maya-kosha hat aus spiritueller Sicht die Aufgabe, die nächsten feinstofflichen Körper mit brauchbarer Energie zu versorgen. Dies sind vijnana-maya-kosha, der Körper des Bewusstseins, und ananda-maya-kosha, die Glückseligkeitshülle. Yoga weist uns den Weg, dies zu tun. Egal ob wir asana, pranayama, dhyana (Meditation) oder andere Aspekte des Yoga üben, besteht der Sinn dieser Haltungen und Übung darin, die feinstofflichen Ebenen zu nähren und unseren Zugang dazu zu erweitern. Vijnana-maya-kosha bildet sich durch die „Verdauung“ der Eindrücke der anderen Körper. Es kommt darauf an, wie wir mit den Eindrücken umgehen. Sind wir fähig, die Energie, die uns in Form eines Eindruckes entgegenkommt, bewusst aufzunehmen?
Können wir sie in uns halten?

Sind wir uns beispielsweise in der Meditation der Gefühle und Gedanken bewusst, die auf der geistigen Leinwand spielen, und üben Losgelöstheit, so bekommt vijnana-maya-kosha Nahrung und somit Kraft und Energie. Außerdem verbindet er sich durch die Praxis der Selbstwahrnehmung mit den anderen Körpern, so dass wir zu Wahrhaftigkeit und Ganzheitlichkeit fähig werden. Fangen wir jedoch an, in Tagträumereien zu verfallen, uns selbst für Gedanken zu verurteilen oder in Gedanken andere zu verurteilen, so haben wir die wertvolle Energie der Eindrücke wieder an die Umwelt abgegeben. Sie steht uns in diesem Moment nicht mehr für den Aufbau des Bewusstseins zur Verfügung. Wenn wir bei der Sache sind, entsteht die Bewusstwerdung von der Einheit von Körper und Geist – hier können wir ganz bewusst ansetzen durch die im Alltag gelebte Yogapraxis. Von der Fähigkeit des vijnana-maya-kosha, Eindrücke umzuwandeln, geht eine viel größere Energie aus als von den Eindrücken selbst. Daher ist es entscheidender zu wählen, wie wir mit Eindrücken umgehen als unseren persönlichen Vorlieben oder Abneigungen zu folgen. In vijnana-maya-kosha wird die Art von geistiger Intelligenz (buddhi) aufgebaut, die es uns ermöglicht, einen festen geistigen Anker zu werfen, der uns unabhängig von den äußeren Umständen mit dem Göttlichen verbindet. Wird diese Verbindung – und sei es für Sekunden – hergestellt, so erleben wir uns im Einklang mit dem Ganzen. Wir empfangen dann die göttliche Energie durch die Glückseligkeitshülle ananda-maya-kosha und fühlen den damit verbundenen Segen.

Alle Aspekte des Körperlichen sind für den spirituellen Weg wichtig. Wenn alle Körper sich gleichermaßen auf den Yogaweg ausrichten, kann die göttliche Kraft alle Körper durchdringen. Dann haben wir einen sog. Gravitations­schwerpunkt im spirituellen Wachstum, der auch in unserem Denken, Sprechen und Handeln sichtbar wird.

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