Essen ist mehr als nur Nahrungsaufnahme:  Regeneration für Körper und Seele

Im Gesundheitszentrum Weg der Mitte, Kloster Gerode, werden täglich viele Gäste empfangen und auch bekocht. Menschen kommen aus ganz unterschiedlichen Gründen ins Kloster Gerode, sei es zum Yogaunterricht, zum Fasten, zu den Benefit-Kuren, zu Seminaren, aus gesundheitlichen Gründen oder einfach zur Erholung. Eines haben alle gemeinsam: Sie möchten ihr Leben zum Positiven verändern – durch das Erlernen einer gesunden Lebensweise (sog. Lifestyle-Training) und durch eine lebendige spirituelle Praxis. Viele Menschen, die aus dem einen oder anderen Grund kommen, machen die Erfahrung, dass beides sich gegenseitig befruchtet, denn Yoga ist ein Ordnungsprinzip, dass in allen Lebensbereichen angewendet werden kann und so zu einem ganzheitlichen Werkzeug der Heilung und der inneren Entwicklung wird.

Die Küche und das Essen spielen in diesem Zusammenhang eine zentrale Rolle, das können wir aus der jahrelangen Erfahrung heraus mit Bestimmtheit sagen. Gemeinsame Mahlzeiten sind meist der Dreh- und Angelpunkt in Familien, Partnerschaften, spirituellen Gemeinschaften und so auch ein zentrales gesundheitsförderndes Moment im Kloster Gerode. Ein liebevoll zubereitetes Essen hebt den körperlichen, emotionalen und geistigen Zustand der Beköstigten und der Kochenden. Wer mit Herz und Verstand zu kochen versteht, trägt durch die Mahlzeit zu kosmischer Ordnung in den Menschen und in der Umgebung bei. Am Kühlschrank unserer Klosterküche hängt ein Spruch, der dies zum Ausdruck bringt:

»Die Zubereitung von Mahlzeiten ist die höchste menschliche Kunst.

Sie entscheidet über Glück und Unglück, Gesundheit und Krankheit, Klugheit oder Unwissenheit, Genie oder Dummheit und sogar über eine höhere oder niedrigere Ebene der Menschlichkeit und der Spiritualität.«
(Verfasser unbekannt)

Warum kommt dem Essen eine solche Wichtigkeit zu? Im Ayurveda gehört das Essen zu den „drei Säulen des Lebens“. Die Qualität der Nahrung und des Speisens ist laut Ayurveda neben der Qualität des Schlafes und der Sexualität hauptverantwortlich für ein langes und gesundes Leben. Wenn wir uns das bewusst machen, können wir uns fragen, welchen Stellenwert das Essen in unserem Leben hat, welche Qualität die Nahrung hat und wie viel Zeit wir mit dem Essen verbringen. Die Antwort wird für die verschiedenen Menschen sicher sehr unterschiedlich ausfallen.

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Die Zeit, die eine Mahlzeit in Anspruch nimmt, ist sinnvoll angelegt, denn beim Essen geschieht etwas in einem von Hektik und Stress gekennzeichneten Alltag sehr Kostbares: Das Nervensystem unseres Körpers schaltet während und nach der Mahlzeit auf einen anderen Modus – wir befinden uns im Aufbau von Körpersubstanz. Verdauungsprozesse, Regenerationsprozesse und Entspannung werden eingeleitet; Stress kann abgebaut werden, wenn wir in Ruhe speisen. Diese genussvollen und auch lebenserhaltenden Seiten des Daseins brauchen einen entsprechenden Rahmen und einen Raum, in dem wir neue Kraft schöpfen können. Dies ist die unverzichtbare Kehrseite der Medaille eines Lebens, das dem Körper ansonsten eine hohe Leistungsbereitschaft und Wachheit abverlangt. Vielen Menschen fällt das Umschalten vom einen auf den anderen Modus schwer. Da kann es helfen, sich mit Körper und Geist ganz bewusst auf die folgende Mahlzeit einzustimmen. Das hat nichts mit einem mechanisch aufgesagtem Tischgebet zu tun. Es kann einfach ein Moment der Ruhe sein, in dem man innerlich Dank gibt, für die Schöpfung in und von der wir leben. Solche kleinen Rituale führen die Menschen zusammen und kommunizieren direkt mit unserem Nervensystem. Es gibt dem Körper einen Impuls, der die Bereitschaft weckt, Nahrung aufzunehmen. Im Yoga und im Ayurveda werden Mantras gelehrt, die speziell vor dem Essen rezitiert werden und dem Essensvorgang eine vertiefende Dimension verleihen. Dazu dient auch das Gebet vor der Mahlzeit.

Was macht nun die Qualität einer Mahlzeit aus? Während der Mahlzeit ist es wichtig zu sitzen. Dies hat auch wiederum mit der Steuerung unseres Körpers durch das Nervensystem zu tun. Steht man, fährt man Auto oder bewegt sich, so ist der Sympathikus aktiviert. Der Körper sorgt hauptsächlich für die Durchblutung der Skelettmuskulatur, damit schnelle Reaktionen auf die Anforderungen von außen möglich sind. Sitzt man ruhig und entspannt oder liegt man, so ist der Parasympathikus aktiv. Nun werden die Verdauungsorgane tätig. Dies ist die richtige Voraussetzung für die Mahlzeit. Dinge, die man nebenbei isst, während des Fernsehens oder in emotional angespannter Situation, kann der Körper nicht aufnehmen und verdauen. Sie liegen uns wie der sprichwörtliche „Stein im Magen“. Im Ayurveda wird gesagt, dass dadurch, dass dieses Essen unverdaut im Magen liegt, sogenannter ama entsteht, wir würden in der westlichen Ernährungslehre von Schlacken sprechen.  

Auch beim Essen kann man eine Yogapraxis anwenden. Die Gedanken können mehr zur Ruhe kommen, wenn wir ganz bei der Sache sind, wenn wir riechen, schmecken, sehen und hören, was vor uns steht und was wir in uns aufnehmen, wenn wir wahrnehmen, wie unser Körper die aufgenommenen Speisen willkommen heißt.  

Auch die Zeit nach dem Essen ist wichtig. Sie fürchten sich vielleicht zu Recht vor der Müdigkeit und Schwere des Körpers, wenn man nach einer langen Periode der Aktivität zur Ruhe kommt, weil der Nachholbedarf so groß ist. Dann doch lieber der schnelle Kaffee oder die Zigarette, die den Organismus aus dem „Tief“ wieder herausreißt. Dabei ist die Müdigkeit eine gesunde Reaktion des Körpers, der wieder Balance herstellen möchte. Doch leider findet der Lebensbereich der Regeneration und der inneren Tätigkeit der Verdauungsorgane im Leben weniger gesellschaftliche Akzeptanz als der des äußeren Tuns.

Und doch lockt ein angenehm gesättigter Magen unter Umständen ganz andere Verhaltensweisen und Gefühle in uns hervor, als dies ein leerer Magen tut. Wir sehen die Welt dann in ganz anderen Relationen und können aus ganzem Herzen freundlich und großzügig sein. Sich gemeinsam mit anderen auf eine Mahlzeit einzulassen und zu speisen ist eine große Bereicherung und sehr erhebend, wenn dies in entspannter Atmosphäre geschieht.

Natürlich bringt das gemeinsame Speisen Menschen einander näher. Interessantes, Humorvolles und Persönliches kann ausgetauscht werden und Prozesse, die während des Tages stattfinden, können integriert werden.

Nichts bringt beispielsweise die Zerrissenheit von Familien und Gemeinschaften so sehr zum Ausdruck, wie das Fehlen der gemeinsamen Mahlzeiten – in den USA und zunehmend in Deutschland bedient sich ganz selbstverständlich jedes Familienmitglied einzeln aus der Tiefkühltruhe. Wenn der Hunger kommt, erhitzt man sich eben in der Mikrowelle sein Lieblingsgericht. Oder man geht auf dem Heimweg schnell in den einen oder anderen Fast- Food-Shop und versorgt sich für den Nachmittag und Abend. Wann aber nimmt man sich die Zeit, ein gemeinsames Gespräch zu führen? Nahrung zu sich zu nehmen hat auch mit Gefühlen der Nähe und Geborgenheit zu tun. Wann entsteht am Tage diese instinktive und auch emotionale Verbundenheit, wie findet sie ihren Ausdruck?

Gemeinsame Mahlzeiten verbinden die Menschen miteinander. In allen Kulturen rankt sich eine Vielzahl von Ritualen um das gemeinsame Speisen. Die Anlässe sind ganz verschieden: Es geht darum, zusammen zu kommen, zu feiern, zu trauern, zu gedenken, Wichtiges zu besprechen. Wer andere zum Essen einlädt und sie bekocht, zeigt dadurch, dass die Gäste ihm etwas bedeuten. Gleichzeitig sagt auch die Gestaltung der Mahlzeit viel über den Gastgeber aus. In der Gastronomie findet gerade in diesem Bereich eine Wandlung statt. Spitzenköche haben längst begonnen, sich von starren Vorgaben, zum Beispiel der traditionellen Haute Cuisine Frankreichs, zu lösen, machen sich unabhängig von der Dekoration mit Michelin-Sternen und dem damit verbundenen Aufwand, den traditionellen Trüffel- und Hummergerichten, sowie dem steifen Ambiente, welches teures Silber, Kristall und zu viele Kellner zwangsläufig erzeugen. Die Köche möchten ihren Gästen etwas Neues, etwas Frisches, wirklich Kreatives bieten. Gerade die vegetarische Küche hat hier eine Vielzahl von Möglichkeiten, mit denen Sie Ihre Gäste überraschen können.

In den nun folgenden Rezepte finden Sie Anregungen für ein Herbstmenü. Die Rezepte sind leicht zuzubereiten und natürlich auch einzeln mit anderen Speisen kombinierbar. Sie sind für 4 Personen berechnet. Viel Spaß beim Zubereiten!

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