Die zweite Ebene der Existenz
Abgesehen von den drei Vitalkräften, die auf der funktionalen Ebene das gesamte Wesen bilden, gibt es die drei Eigenschaften des Mentalen, die wiederum mit den drei Vitalkräften verbunden sind und in einem Verhältnis gegenseitiger Abhängigkeit zu ihnen stehen.
Die drei Qualitäten des Mentals sind Sattva, Rajas und Tamas. Sattva umfasst Ausgeglichenheit, Güte, Wahrheit, Mitgefühl, innere Ruhe und Frieden. Rajas beinhaltet das Denken, Planen und das Treffen von Entscheidungen. Tamas ist die Qualität, die Bewegung behindert (wie z.B. der Schlafzustand) oder die Ausdehnung des Denkens und Empfindens blockiert (beispielsweise in Form von Gier, Wut, Eifersucht, Trägheit etc). In einfachen Worten ausgedrückt ist Rajas Aktion und Tamas Untätigkeit. Nach einem anstrengenden Tag kommen Körper und Geist zur Ruhe und schlafen ein. Dies ist eine Transformation vom Zustand des Rajas hin zum Tamas-Zustand: in Letzterem werden jegliche Aktivitäten verhindert und die Sinne ziehen sich teilweise von der Außenwelt zurück. Die mentale Fähigkeit ist der Aufnahme von Neuem verschlossen. Sattva bringt Frieden und schafft ein Gleichgewicht zwischen Aktivität und Passivität. Ein Ungleichgewicht zwischen Sattva, Rajas und Tamas nimmt Einfluss auf das Gleichgewicht der Doshas und verursacht mentale Krankheiten.

Das sechsdimensionale Wesen
Unser Mentalzustand beeinflusst unsere grundlegenden Energien, die für körperliche und mentale Funktionen verantwortlich sind. Wenn man z.B. besorgt oder überarbeitet ist oder unter immensem mentalen Stress leidet, kommt es zu Vata-Irritationen und entsprechend treten Symptome der Beeinträchtigung des Vata-Doshas auf. Zuviel Zorn wirkt sich auf Pitta auf und kann zu Pitta-bezogenen Krankheiten wie Magenbeschwerden führen. Depressionen hingegen lassen Kapha-bezogene Probleme wie z.B. Übergewicht,  Übelkeit oder stark vermehrten Speichelfluss entstehen.

Wenn ein Dosha beeinträchtigt ist und entsprechende Krankheiten auftreten, beeinflussen diese ihrerseits den Mentalzustand des Individuums. So können etwa bei lang anhaltender Verstopfung Schlafstörungen oder Nervositätszustände auftreten oder Magenprobleme die Reizbarkeit steigern und aufbrausende Reaktionen verstärken.

Das sechsdimensionale Gleichgewicht
Um das Grundgleichgewicht zu erhalten bedarf es also Maßnahmen auf dieser sechsdimensionalen Ebene. Man kann nicht allein aufgrund der Tatsache, alles für die Ausgeglichenheit der Doshas getan zu haben, perfekte Gesundheit erwarten. Es ist ebenso wichtig, ein mentales Gleichgewicht in Form von Zufriedenheit und Glücklichkeit zu bewahren. Die Charaka Samhita legt große Betonung auf Zufriedenheit und auf die Qualität Sattva zur Aufrechterhaltung guter Gesundheit. Es ist Sattva, wodurch die Balance zwischen Aktivität (rajas) und Passivität (tamas) gewahrt wird. In der Praxis bedeutet Sattva, in den verschiedenen Situationen des Lebens Ruhe und inneren Frieden zu bewahren. Sattva ist dieses innere Licht, das uns im Leben den Weg für das Handeln weist, uns zu friedlichem und erholsamem Schlaf verhilft und bei der Erhaltung des Gleichgewichts von Körper und Geist hilft.  

Die Seele – Ursache des Seins
Die siebte Dimension des Seins ist die Seele, eine unsichtbare Kraft. Sie ist nicht in unsere Handlungen und unser Karma involviert, aber sie stellt die Ursache für unser Bewusstsein dar und ist unser Fortbestehen im Universum. Der physische Körper inklusive der mentalen Fähigkeiten hat sechs Dimensionen, die auf zwei verschiedene Ebenen verteilt sind, und sein Zentrum ist die Ursache des Seins, die das Leben in jeder Zelle durchstrahlt und uns zu einem bewussten Wesen macht. Somit ist die Seele die höchste Ebene unserer Existenz.

Ein vollständiges menschliches Wesen mit sieben Dimensionen
Anders als die aus den fünf Elementen (panchabhuta) bestehende physische Form, die unsere materielle Wirklichkeit bildet, ist die Seele, welche dieser materiellen Wirklichkeit Leben verleiht, nichts als Energie und jenseits jeglicher Erfahrung. Nichtsdestotrotz ist es diese Energie, die Sinne und Geist dazu bringt, zu funktionieren, und die die Existenz ermöglicht. Letztere ist jedoch auch ohne die materielle Realität nicht möglich, welche die nicht-materielle Energie mit einem Vehikel für die Existenz ausstattet. Die Seele allein kann ohne die Materie weder Bewusstsein noch Existenz hervorbringen.

Die Fundamente sowohl des Yoga als auch des Ayurveda liegen in der philosophischen Schule des Samkhya (einer der sechs philosophischen Traditionen des alten Indien; vermutlich die älteste der sechs). Dem Samkhya ist das zweite Buch der Bhagavad Gita gewidmet und auch in weiteren Kapiteln wird darauf Bezug genommen. Die oben dargelegte Analyse basiert auf dieser Schule, laut der die Welt der Phänomene beginnt, wenn sich der Purusha – die Universalseele – mit der kosmischen Ursubstanz Prakriti verbindet.
Die Charaka Samhita gibt eine auf dem Samkhya beruhende detaillierte Aufschlüsselung der menschlichen Existenz in 25 Elemente.  
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