Ganzheitliche Anregungen aus der ayur­ve­dischen Ernährungstherapie für ein gesundes Verdauungsfeuer

Wenn Sie schon einmal eine ayurvedische Beratung oder Konsultation in Anspruch genommen haben, so werden Sie sich vielleicht etwas über die genaue Befragung über Ihre Verdauungs- und Stoffwechsellage gewundert haben. Doch ein qualifizierter Ayurveda-Therapeut weiß um die zentrale Bedeutung des Verdauungsfeuers agni und untersucht dieses auf ausführlichste Weise: Vielleicht mussten Sie teilweise etwas peinliche Auskünfte über die Häufigkeit, Beschaffenheit und Besonderheiten Ihrer Ausscheidungen geben und wurden aufs Genaueste über Ihre Ernährungsgewohnheiten, Geschmacksvorlieben und Abneigungen befragt?

All dies war notwendig, um die differenzierten Funktionen und möglichen Störungen der vielschichtigen Funktionen des agni zu diagnostizieren, die einen großen Einfluss auf Ihre körperliche und geistige Fitness, den Zellaufbau und die Immunkraft haben.
Entsprechend der individuellen Konstitution verfügt jeder Mensch über ganz spezielle Eigenschaften seines Verdauungsfeuers. Diese bestimmen nicht nur seinen Appetit und seine Ernährungsgewohnheiten, sondern sind auch für Verdauungsbeschwerden, Energiemangel, Übergewicht oder Krankheiten der Verdauungsorgane verantwortlich. Entsprechend den doshas werden drei Zustände des agni definiert, zu denen je nach der persönlichen Konstitution eine starke Affinität besteht:

  • manda agni – das schwache agni: herrscht meist bei Kapha vor und führt zu Verstopfung. Die Nahrung bleibt kalt, wird nicht aufgespalten und kann nicht verdaut werden.
  • vishma agni – das wechselnde agni: herrscht bei Vata vor und führt zu unregelmäßiger Verdauung. Der Mensch neigt zu Blähungen und schwankt ständig zwischen Verstopfung und Durchfall.
  • tikshna agni – das scharfe agni: herrscht bei Pitta vor und führt zu Durchfällen. Die Nahrung wird geradezu verbrannt und verflüssigt. Dabei können keine Nährstoffe mehr verwertet werden.

In allen Fällen von agni-Störungen können die Nährstoffe nicht optimal verarbeitet werden und gehen verloren. Dadurch wird der Gewebeaufbau beeinträchtigt und die halbverdaute Nahrung führt zur Bildung von toxischen Stoffwechselgiften (ama), die sich im ganzen Körper absetzen und zu weiteren Erkrankungen führen können. In diesem Sinne steht jede Krankheit mehr oder weniger in Verbindung mit einer Disharmonie unseres Verdauungssystems, und die typgerechte Regulierung von agni ist ein zentrales Thema in jeder ganzheitlichen Ayurveda-Therapie.

Um agni zu seiner optimalen Verdauungskraft zu ermutigen, bedarf es eines großes Eigenengagements des Ayurveda-Patienten: Über 50% der gesamten ayurvedischen Therapie hängen von der richtigen Ernährung ab und nur wenn der Patient sich entscheidet, seine Ernährung grundlegend zu verändern und die falschen Nahrungsmittel zu vermeiden, können die Krankheitsursachen ausgemerzt und neue Gesundheit und Lebensfreude gewonnen werden. Die bewusste Beobachtung der eigenen Verdauungsvorgänge hilft nun dem Ayurveda-Anwender, seine Verdauung besser einzuschätzen und gezielt die Wirkung seiner Ernährungsgewohnheiten auf agni abzustimmen.

Ist diese Bereitschaft einmal vorhanden, ist die agni-Therapie relativ einfach: Um agni zu regulieren, bringt man es zunächst wieder auf einen Nullpunkt. Das wird am einfachsten durch Fasten (ca. 3 Tage), evtl. in Kombination mit Abführen erreicht. Anschließend kann agni durch warme Speisen, leichte Nahrungsmittel und scharfe Kräuter wieder angefacht werden. Generell unterstützen kleine Mahlzeiten, gründliches Kauen, Ingwertee und Atemübungen die Regulation der Verdauungsfunktionen und -organe.

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Durchfall ayurvedisch behandeln
Eine der häufigsten Verdauungsbeschwerden ist Durchfall, der mit Hilfe des Ayurveda auf typgerechte Weise natürlich behandelt werden kann. Die ayurvedischen Methoden unterscheiden dabei zwischen sechs verschiedenen Arten, die als Vata-Durchfall, Pitta-Durchfall, Kapha-Durchfall, Tridosha-Durchfall, Angst-Durchfall oder Kummer-Durchfall bezeichnet werden.

Neben einer spezifischen Kräuter- und Ernährungstherapie stellt wieder das Fasten eine hervorragende Behandlungsmethode dar, mit deren Hilfe die angesammelten doshas und ama ihren Weg finden, um nach außen zu dringen. Nach der gründlichen Entleerung des Verdauungstrakts werden spezielle Diäten mit Haferschleim, Buttermilch, zusammenziehenden Gewürzen, Joghurt und Reis empfohlen. Bei blutenden Durchfällen können eine Diät und Einläufe mit Ziegenmilch verordnet werden. Zusätzlich kann eine Paste aus Ayurveda-Ernaehrung/Ayurvedische-Kraeuter/Shatavari/">Shatavari (Spargelwurzel) mit Milch und können Ziegenmilcheinläufe gegeben werden.

Speziell die Buttermilch entfacht das Verdauungsfeuer wieder (dipana), absorbiert Wasser, ist leicht zu verdauen, gleicht alle doshas aus und stoppt den starken Auswurf.

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