In dieser YOGA AKTUELL-Ausgabe erschienen:

Oder: Was steht geschrieben auf den Tafeln des Windes?
Wer ist Babaji? Babaji ist ein Yogi, der hunderte oder tausende Jahre alt ist bzw. sein soll. Wer ist Melkisedek? Melkisedek ist der König von Salem. Ja gut, aber was ist Salem? Salem ist das Reich des Friedens in der Mythologie des vorderen Ostens. Melkisedek tritt schon im alten Testament auf, in den Büchern Moses, auch er zieht durch die Jahrhunderte, du findest ihn mal hier, mal dort.

Wer ist Lohengrin? Lohengrin ist der Sohn Parzivals, der König von Thule und Hüter des heiligen Grals. Ja Herrgott, nimmt dieses wirre Zeug denn nie ein Ende? Wie man’s nimmt; ja, man könnte sagen, dass dieses wirre Zeug wirklich nie ein Ende nimmt.

„Warst du in letzter Zeit mal im Kino?”

„Wie kommst du denn auf einmal darauf, außerdem was geht dich das an?”

„Also komm schon, warst du oder warst du nicht?”

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„Ich war nicht.”

„Na gut, dann eben anders, ich sage dir das Ende zu erst. Ein Mythos stirbt nie, er lebt ewig, da das ganze Leben ein Mythos ist.”

„Wie meinst du das, das ganze Leben sei ein Mythos? Willst du mir etwa weis machen, dass das Leben gar nicht wirklich ist, sondern nur Einbildung?”

„Das wäre das Letzte, was ich dir, wie sagtest du, weis machen möchte. Nein, ich will dir weis machen, dass das Einzige, das wirklich ist, das Leben selbst ist und dieses Leben niemals sterben wird.”

„Oh meine Güte, jetzt wirst du aber arg philosophisch mit deinen Yogis, Königen und Gralsrittern und diesem Unsterblichkeitskram. Bist du etwa der Meinung, dass diese Yogis und Ritter noch immer unter uns leben, halt nur in Nadelstreifenanzügen oder Birkenstocklatschen?”

„In einer Weise ja. Ich möchte dir sogar sagen, dass die­se Yogis, Könige und Ritter sogar in dir, mein Freund, leben.”

„In mir, was für eine Schnapsidee, in mir lebt außer ein paar Bakterien rein gar nichts!”

„Würden diese Ritter in dir nicht leben, hättest du schon längst weitergeblättert und würdest den Teil suchen, in dem du ankreuzen könntest, wie dein Traumpartner aussieht oder ob du ein guter Liebhaber bist, glaub mir mein Freund, in dir lebt dieser ewig letzte aller Ritter weiter und er wird früher oder später den Drachen töten und die Prinzessin auf dem weißen Pferd nachhause tragen, um letztendlich den heiligen Gral zu finden und zu hüten.”

„Ich kann noch nicht mal reiten.”

„Das ist ein Aberglaube, dass du nicht reiten kannst, dies ist der einzige wirkliche Aberglaube, den es gibt. Der Aberglaube an deine Schwäche, der Aberglaube, du wärest hässlich und Stolz sei etwas Schlimmes. All das ist Verrat, ein Verrat an dir und dem ganzen Leben. Dieser Aberglaube führt dazu, dass tief in dir ein Gefühl der Ohnmacht aufsteigt. Bei manchen erzeugt diese Untreue dem Leben und der Freiheit gegenüber eine namenlose innere Wut und er hegt den Wunsch nach Zerstörung im Außen, beim anderen nagt eine unerklärliche Angst und Langeweile an seiner Seele, die er durch allerlei Ablenkung zu verdrängen lernt, die ihn aber immer wieder einholt. Mein Freund, erkenne, dass du schon längst reiten kannst, schwing dich auf dein Pferd, zieh dein Schwert und reite, reite für ein Leben, das sich um seiner selbst willen zu leben lohnt. Entdecke die geheimen Kräfte der Yogis, Könige und edlen Ritter, durch welche du den Drachen der Ohnmacht dem Leben gegenüber besiegst und die Schönheit und Unsterblichkeit erkennst. Alles, was du dazu brauchst, steht geschrieben auf den Tafeln des Windes, in einer Sprache die nur der wahre Gralshüter lesen kann. Es sind die uralten Tugenden der Unsterblichen: Finde was da ist – Stark, Schön, Stolz, Treu und Mächtig. Komm, mache dich auf die Suche, denn es steht jetzt schon fest, dass du sie finden wirst, die geheimen Kräfte der Yogis, Könige und edlen Ritter, das Geheimnis der Unsterblichkeit.”

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